Die Parlamente der ostdeutschen Bundesländer weisen einen deutlich geringeren Anteil an Abgeordneten mit Hochschulabschluss auf als westdeutsche Landtage. Das geht aus einer Analyse der juristischen Lernplattform Jurafuchs hervor, für die die akademischen Werdegänge von 1898 amtierenden Landtagsabgeordneten in allen 16 Bundesländern ausgewertet wurden.
Ost-Parlamente bei Studienabschlüssen unterdurchschnittlich
Während im Bundesdurchschnitt 70,9 Prozent der Landtagsabgeordneten ein Studium abgeschlossen haben, liegen die ostdeutschen Flächenländer laut der Untersuchung überwiegend darunter. Den niedrigsten Wert weist demnach der Landtag von Sachsen-Anhalt mit 59,8 Prozent auf, gefolgt vom sächsischen Landtag mit 63,3 Prozent und dem brandenburgischen Landtag mit 64,8 Prozent.
In Thüringen liegt der Anteil bei 68,2 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern bei 72,2 Prozent. Zum Vergleich: Im Berliner Abgeordnetenhaus haben laut Jurafuchs 85,5 Prozent der Mandatsträger studiert, in der Hamburgischen Bürgerschaft 82,6 Prozent.
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Grüne voller Akademiker, AfD fast 50/50
Nach Parteien betrachtet weisen die Grünen mit 81,2 Prozent den höchsten Akademikeranteil auf, gefolgt von der Linken mit 79,5 Prozent, der CSU mit 76,5 Prozent, der CDU mit 75,8 Prozent und der SPD mit 74 Prozent. Beim BSW liegt der Wert bei 69,2 Prozent. Bei der AfD hat nach den Zahlen von Jurafuchs mit 48,1 Prozent knapp jeder zweite Abgeordnete ein Studium abgeschlossen.
Häufigstes Studienfach unter allen Landtagsabgeordneten ist Rechtswissenschaft mit 282 Nennungen, gefolgt von Politikwissenschaft (118) und Betriebswirtschaftslehre (100). In Brandenburg und Sachsen sitzen laut der Auswertung zudem Abgeordnete mit einem Studium der Opernregie in den Parlamenten.
Viele Ost-Abgeordnete studierten außerhalb ihres Bundeslandes
Auffällig ist der Analyse zufolge auch die geringe regionale Bindung beim Studienort. In Brandenburg haben nur rund 21 Prozent der Abgeordneten mit Studium ihren Abschluss im eigenen Bundesland erworben, in Sachsen-Anhalt rund 38 Prozent. Viele Parlamentarier zog es demnach an Hochschulen in Berlin, Leipzig, Göttingen oder Dresden. Bundesweit liegt der Anteil der Abgeordneten, die im eigenen Bundesland studiert haben, bei 72 Prozent.
Zu den bei ostdeutschen Parlamentariern häufig genannten Hochschulen zählen laut der Auswertung die Universität Jena mit 31 Nennungen, die Universität Leipzig mit 27, die Technische Universität Dresden mit 24 sowie die Universitäten Potsdam (23), Halle (21), Rostock (19) und Greifswald (18).
Jurafuchs-Mitgründer Carl-Wendelin Neubert erklärte, ein Studium allein bereite niemanden auf das Amt als Landtagsabgeordneter vor. Wichtig sei, dass in den Parlamenten Menschen mit unterschiedlichen fachlichen Hintergründen vertreten seien. Für die Untersuchung wurden nach Angaben der Plattform die offiziellen Abgeordnetenbiografien der aktuellen Wahlperioden ausgewertet und bei fehlenden Angaben weitere Quellen herangezogen.
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