Die Grenzbeamtinnen werden Röcke aus Nappaleder tragen. Die Grenzanlagen werden Lautsprecher haben, aus denen Telefonklingeln kommt, Polizeisirenen, und die Melodien der "Tagesschau" und der "Aktuellen Kamera". So wird es sein, wenn Klaus Rudolf den Checkpoint Charlie dicht macht, für drei Tage, im August 2001."Grenztritt Deutschland Drei" nennt der Aktionskünstler sein Projekt. Eine Installation mit 16 Ost-West-Klangpaaren - etwa Telefonklingeln einmal im DDR-, einmal im BRD-Sound - die an die Teilung Deutschlands erinnern soll. Und Rudolf ist nicht der Einzige, der dafür sorgen will, dass an den ehemaligen Grenzübergang als symbolischer Ort erinnert wird: Das Museum Haus will am Sonntag die wieder aufgebaute Grenzkontrollbaracke enthüllen, die 1961 an der Friedrich-/Ecke Zimmerstraße errichtet wurde. Für Klaus Rudolf wäre sein Projekt die dritte Aktion am ehemaligen Grenzübergang. 1988 spazierte er von der Ost-Seite auf den Checkpoint zu, er trug einen bunt bemalten Anzug und in jeder Hand einen Blumenstrauß. Einen drückte er dem Ost-Grenzer in die Hand und ging weiter, auf den West-Beamten zu. Dort kam er nicht an, weil er vorher festgenommen wurde - wie er es geplant hatte. Nicht einen Grenzdurchbruch habe er beabsichtigt, sagt Rudolf, sondern die Festnahme, "um zu sehen, was für Räume einen da erwarten". Den zweiten "Grenztritt" gab es 1990: Rudolf wiederholte das Blumenstrauß-Happening, Freunde spielten die Grenzer. Falsch verstanden worden sei er damals, sagt der 47-Jährige: "Die Leute dachten, ich wollte mich beklagen, dass ich zwei Jahre vorher festgenommen worden war." Dabei habe er sich in der DDR nicht als Opfer gefühlt, "eher als Täter", schließlich sei er aktiv gewesen. Auch, als er 1982 wegen Gründung einer Studentenvertretung von der Kunsthochschule Leipzig flog. Auch, als er Anfang 1989 für ein Jahr ins Gefängnis kam wegen seiner scherzhaft-subversiven Aktionen.Den "Grenztritt 3" umzusetzen wird teuer: 1,5 Millionen Mark für die mit Solarenergie betriebene Installation. Darum hat Rudolf das Projekt mit einer zweiten Idee verknüpft: "Begrüßungsgeld zurück" heißt ein Spiel, das die Teilnehmer zu Kleinsponsoren macht. Weil die 100 Mark, die jeder Ostdeutsche nach der Maueröffnung bekam, "uns einen Gaststatus zugewiesen haben, der bis heute andauert", können sie nun ihr Geld zurückgeben - an Rudolf. Auch Westdeutsche können zahlen. Damit das Ganze "nicht bärbeißig" wird, muss jeder den anderen Teilnehmern etwas bieten: Ein Friseur aus Prenzlauer Berg etwa gibt kostenlose Stilberatungen. Ein Polizeireiter aus Spandau lädt zu einem Ritt durch Berlin ein. 60 Spieler sind bis jetzt dabei. 1 000 sollen es noch werden.Mehr Infos im Internet unter www.grenztritt.deBERLINER ZEITUNG/PAULUS PONIZAK Ein Mann und sein Tatort: Klaus Rudolf will den Checkpoint Charlie zum dritten Mal für eine Kunstaktion nutzen.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]