Am Freitagabend gegen 23 Uhr ist es neben der Museumsinsel in Mitte noch dunkler als sonst: Das liegt auch daran, dass der Berliner Dom nicht mehr beleuchtet ist. Berlins Abgeordnete haben beschlossen, Energie zu sparen und ein Zeichen zu setzen. Doch ein Nebeneffekt dieser Maßnahme ist, dass es gleichzeitig auch mehr dunkle Ecken in Berlin gibt.
In einer dieser dunklen Ecken sitzt ein junger Mann, der seinen Namen nicht nennen will. Er tut etwas, was sonst in Berlin nicht illegal ist, hier aber schon: Er trinkt ein Bier. „Vielleicht gab es vor ein paar Wochen Leute, die sich schlecht benommen haben“, sagt er. Aber jetzt seien ohnehin nur noch wenige Menschen unterwegs, und sie sollen trotzdem für das Chaos der vergangenen Wochen verantwortlich sein? „Ich verstehe nicht, warum ich nicht am Fluss einfach ein Bier trinken kann.“
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Begonnen hat die Maßnahme vor einer Woche am Freitag und das Verbot soll noch bis zum 11. September dieses Jahres gelten: Zwischen 22 Uhr und 6 Uhr darf demnach in den beiden Parks kein Alkohol mitgeführt oder getrunken werden. Der Bezirk sah sich zu dieser Entscheidung gezwungen, nachdem es in den vergangenen Wochen und Monaten zu Ausschreitungen gekommen war, Gewaltexzesse und illegale Partys mit mehr als 1000 Menschen. Am vergangenen Wochenende blieb es nach der Einführung dieser Maßnahme weitgehend ruhig. Neu ist an diesem Wochenende, dass eine Streife von drei Beamten des Ordnungsamtes und zwei Polizisten die Einhaltung des Verbots kontrollieren.
In der Tat machen die Ordnungshüter ihre Runden im James-Simon-Park und dem kleinen Monbijoupark nebenan. Zusammen sind diese Parks ungefähr fünf Hektar groß. Viel ist nicht los, nur vereinzelt sitzen kleine Gruppen beieinander. Wenn die Ordnungshüter sehen, dass jemand aus einer Flasche trinkt, schalten sie ihre Taschenlampe ein. Einen jungen Mann fragen sie, was sich in der Flasche befindet. „Bitte werfen Sie die Flasche weg oder verlassen Sie den Park.“ Er steckt die Flasche ein.
Es wirkt ein bisschen hilflos, wie die Beamten hier agieren. Sollen sie wirklich friedliche Jugendliche über die Brücke vor den Park der Alten Nationalgalerie schicken? Oder zum Lustgarten? An beiden Orten ist das Trinken von Bier erlaubt. Auch im Mauerpark und Volkspark Friedrichshain kam es zu großen Partys, aber dort wurden diese Maßnahmen bisher nicht beschlossen.
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Noch vor einer Woche gab es massive Kritik an diesem Alkoholverbot, vor allem wegen der Frage, wie sich das kontrollieren lasse. Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel sah aber im Alkoholkonsum einen „Hauptkatalysator“ für die Ausschreitungen der vergangenen Wochen. Zwischen 2017 und 2021 hatten sich die Zahl der kriminellen Delikte von 37 auf 149 erhöht. Außerdem ginge es um Lärmbelästigung, Müll und die zurückbleibenden Glasscherben.
In der Nacht zum Samstag kam es laut Polizei zu keinen großen Zwischenfällen. Auf Nachfrage der Berliner Zeitung sagt ein Beamter, dass er bis Mitternacht nur eine Person „aus dem Park entfernen musste“. Die Person habe sich „aggressiv verhalten und wollte nicht aufhören zu trinken“. Gegen Mitternacht erhalten die Beamten einen Anruf: Sie müssen zu einem anderen Einsatz. Der junge Mann, der seine Flasche noch eben versteckt hielt, als die Polizisten sich ihnen näherten - er nimmt sie wieder aus seiner Tasche. Die Nacht kann weitergehen.
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