MÜNCHEN, 14. September. "Die Dinge laufen für Sie fast von selbst. Sie können sich eine Ruhepause gönnen." So habe es am Wochenende in seinem Horoskop gestanden, sagt Theo Waigel. Aber das werde er natürlich nicht tun. "Wir werden mit gleicher Power weiterarbeiten." Pressekonferenz nach der CSU-Vorstandssitzung. Sie findet wegen des großen Andrangs im Münchner Augustiner-Keller statt. Auf dem Podium rundum entspannte und zufriedene Gesichter. Verständlich. Hat die CSU doch, wie ihr Vorsitzender Waigel sagt, bei der Wahl eines "der stolzesten Ergebnisse" der Parteigeschichte eingefahren. Nach dem Sieg in Bayern seien die Karten auch für die Bundestagswahl neu gemischt. Am Sonntag habe die CSU gezeigt, daß das bürgerliche Lager gewinnen kann, sagt Ministerpräsident Edmund Stoiber. Die beiden Führungsleute machen sich gegenseitig Komplimente, klopfen sich verbal auf die Schulter, so als habe es nie eine Rivalität zwischen ihnen gegeben. KabinettsverkleinerungHinter Stoibers Erfolg, "da steht eine ganze Mannschaft dahinter", sagt er. Auf den strahlenden Wahlsieger kommt eine schwierige Aufgabe zu, die trotz seiner gestärkten Autorität nicht leicht zu bewältigen ist. Denn bei der durch eine Verfassungsänderung vorgegebenen Kabinetts-Verkleinerung von 21 auf 18 Mitglieder läuft der Ministerpräsident Gefahr, bisherige Mitstreiter zu verärgern. Da Stoiber jedoch am 29. September von allen CSU-Landtagsabgeordneten wiedergewählt werden will, dürfte er nach Einschätzung aus Parteikreisen bis dahin die künftige Zusammensetzung seiner Regierung für sich behalten. Gleichwohl werden in der CSU mögliche Personal-Veränderungen kolportiert und diverse Varianten durchgespielt. Als wahrscheinlich gilt, daß Stoiber das bisher von Ursula Männle geleitete Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten in den Kompetenzbereich der Staatskanzlei eingliedert."Er hat Lust auf Europa, das will er selber machen", heißt es in der Fraktion. Das gelte erst recht für den Fall, daß die Union nach der Bundestagswahl in die Opposition geraten sollte. Veränderungen werden vor allem auf der Ebene der Staatssekretäre erwartet, die in Bayern zum Kabinett gehören. Stoiber könnte die Posten im Justiz-, Kultus- und Umweltministerium, die derzeit mit ziemlich farblosen Politikern besetzt sind, einsparen. Dabei müßte er jedoch darauf achten, daß der regionale Proporz einigermaßen gewahrt bleibt. Aber darüber redet Stoiber an diesem Tag natürlich nicht: "Alle Kraft auf den 27. September!"
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