Die Inflation steigt, das Deutschlandticket wird teurer – und Linken-Chef Luigi Pantisano geht mit der Bundesregierung hart ins Gericht. „Das Leben in Deutschland wird ständig teurer. Und alles, was die Bundesregierung tut, belastet die Menschen zusätzlich“, sagt Pantisano der Berliner Zeitung.
Am Mittwoch wurde bekannt, dass das Deutschlandticket zum 1. Januar 2027 erneut teurer wird: Statt 63 Euro werden dann monatlich 66,80 Euro fällig. Am selben Tag meldete das Statistische Bundesamt einen deutlichen Anstieg der Inflation. Die Verbraucherpreise lagen im September nach vorläufigen Zahlen 3,3 Prozent über dem Vorjahresniveau. Im August hatte die Inflationsrate noch 2,9 Prozent betragen.
Pantisano wirft Bundesregierung gebrochenes Versprechen vor
Für Pantisano passen beide Entwicklungen zusammen. „Während die Inflation auf den höchsten Stand seit drei Jahren klettert, hat die Bundesregierung nichts Besseres zu tun, als selbst weiter an der Preisschraube zu drehen. Damit bricht sie nebenbei ein weiteres Koalitionsversprechen“, sagt der Linken-Vorsitzende.
Pantisanos Vergleich mit der Inflation stimmt allerdings nicht ganz: Im Dezember 2023 hatte die Teuerungsrate mit 3,7 Prozent noch höher gelegen. Zuletzt zog die Inflation allerdings deutlich an. Im Juni lag sie bei 2,3 Prozent, im Juli bei 2,8 Prozent und im August bei 2,9 Prozent. Im September lag sie nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes bei 3,3 Prozent. Besonders stark stiegen die Energiepreise: Sie lagen 14,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats.
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Preiserhöhungen wurden angekündigt
Auch beim Vorwurf des gebrochenen Koalitionsversprechens lohnt ein Blick auf den Wortlaut. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD heißt es zum Deutschlandticket: „Das Deutschlandticket wird über 2025 hinaus fortgesetzt.“ Der Anteil der Nutzerfinanzierung solle „ab 2029 schrittweise und sozialverträglich erhöht“ werden.
Die Bundesregierung weist allerdings darauf hin, dass die Verkehrsministerkonferenz der Länder für die Preisgestaltung des Deutschlandtickets zuständig ist. Der neue Preis wurde erstmals anhand eines Indexes berechnet, der unter anderem Personal-, Energie- und allgemeine Kosten berücksichtigt. Bund und Länder finanzieren das Deutschlandticket bis 2030 mit jeweils 1,5 Milliarden Euro pro Jahr.
Pantisano will zurück zum 9-Euro-Ticket
Der Linken-Chef fordert angesichts der Teuerung eine Rückkehr zum Billigticket aus dem Sommer 2022. „Wir brauchen endlich wieder ein Deutschlandticket, das sich auch jeder leisten kann. Das Leben in Deutschland muss wieder bezahlbar werden. Das 9-Euro-Ticket muss jetzt als konkrete Entlastung für die Menschen zurückkommen“, sagt er.
Als Argument führt er die Wirkung des damaligen Tickets auf die Inflation an. „Drei Monate 9-Euro-Ticket haben 2023 die Inflation um einen ganzen Prozentpunkt gesenkt.“
Doch diese Rechnung stimmt so nicht. Das 9-Euro-Ticket galt von Juni bis August 2022 – nicht 2023. Das Statistische Bundesamt schätzte den dämpfenden Effekt der damaligen Entlastungsmaßnahmen insgesamt auf rund einen Prozentpunkt. Darin enthalten war neben dem 9-Euro-Ticket auch die gleichzeitig geltende vorübergehende Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe, der sogenannte Tankrabatt.
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Auch Verbraucherschützer warnen vor Preiserhöhungen
Die Bundesbank bezifferte den Effekt des 9-Euro-Tickets im Monat seiner Einführung auf die harmonisierte Inflationsrate auf rund 0,5 Prozentpunkte, den des Tankrabatts auf weitere 0,4 Prozentpunkte. Das 9-Euro-Ticket drückte die gemessene Inflation also tatsächlich – nur nicht allein um den von Pantisano genannten ganzen Prozentpunkt.
Mit seiner Kritik an der neuerlichen Verteuerung steht Pantisano nicht allein. Auch Verbraucherschützer warnen angesichts des künftig jährlich angewandten Preisindexes vor immer neuen Erhöhungen. Der Fahrgastverband Pro Bahn verweist zudem darauf, dass der Deutschlandticket-Preis nun um rund sechs Prozent steigt – und damit deutlich stärker als die aktuelle Inflationsrate von 3,3 Prozent.
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