Schwierigkeiten im Weltall

Alltag im All: Wie Astronauten-Unterwäsche sauberer werden soll

Der längere Aufenthalt von Menschen im Weltraum bringt so manches sehr irdische Problem mit sich. Was tun mit der müffelnden Unterwäsche?

Matthias Röder (dpa)
3 Min
Alltag in der Raumstation ISS im Mai 2021. Was nicht zu sehen ist: Für Astronauten ist Hygiene ein großes Thema.

Alltag in der Raumstation ISS im Mai 2021. Was nicht zu sehen ist: Für Astronauten ist Hygiene ein großes Thema.

© imago/Zuma Wire

Das Problem ist dringlich: Aufenthalte im Weltraum und außerhalb von Raumstationen werden künftig wohl deutlich häufiger sein und länger dauern. Mikroben könnten sich zum Feind der Träume vom Flug zu Mondstation und Mars entwickeln.

„Je mehr wir in der bemannten Raumfahrt in neuen Dimensionen unterwegs sind, desto eher warten einige unangenehme Überraschungen auf uns“, sagt Grömer. Bisher tragen die Astro- oder Kosmo- oder Taikonauten ihre Unterwäsche einige Tage, dann wird sie entsorgt. Bei Weltraum-Ausflügen ziehen sie sich erst eine Windel an, dann ihre persönliche Unterwäsche – die dritte, für Kühlung sorgende Schicht aber wird von den Crewmitgliedern geteilt, ohne dazwischen gewaschen zu werden. „Das ist besonders problematisch für die Hygiene“, so Grömer. Das aktuelle Material enthalte bakterienbekämpfende Silberfäden, aber unter Weltraumbedingungen sei das wegen möglicher Nebeneffekte nicht die ideale Dauerlösung.

An Bord riecht es nach Desinfektionsmittel, Müll und Schweiß

Die Europäische Weltraumorganisation (ESA), die das Projekt nach Österreich vergeben hat, will 2023 einen Vorschlag haben. Die Idee des kleinen Wiener Start-ups ist, Feuer mit Feuer zu bekämpfen. Soll heißen: Schädliche Bakterien sollen mit Ausscheidungsprodukten von bestimmten anderen Bakterien unter Kontrolle gehalten werden. Jetzt geht es darum herauszufinden, wie sich die Methode unter den speziellen Weltraum-Bedingungen bewährt.

Bei dem Projekt scheint der mögliche irdische Nutzen offensichtlich. Es liefen schon Gespräche mit Herstellern von Textilfasern, die sehr interessiert seien, so Grömer. Letztlich gehe es darum, Wäsche auch auf der Erde länger frisch zu halten. Das würde auch der Umwelt helfen, heißt es.

Was Bakterien und Pilze mit einer Raumstation machen können, wurde am Beispiel der russischen Mir klar. Das Langzeit-Modul war am Ende so mit Mikroben belastet, dass es auch aus diesem Grund nicht mehr genutzt werden konnte. Den Geruch der Luft an Bord der ISS schilderte der US-Langzeit-Astronaut Scott Kelly in einem Interview einmal wenig appetitlich: Es rieche nach einer Mischung aus Desinfektionsmittel, Müll und Schweiß.

„Unsere Forschung wirkt nicht so glamourös, aber sie ist wichtig“, betont Grömer. Eines der nächsten Hygiene-Projekte soll dann auch die Mitentwicklung einer marstauglichen Waschmaschine sein.

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