Manche Leute sind einfach immer im Dienst. Sogar nach Feierabend. Alper K. ist so einer. Einer der über sich selbst sagt: "Ich bin Polizeibeamter mit Leib und Seele. Ich gucke nicht weg. Ich gehe hin. Es gibt so viele Weggucker." Er sagt es und schaut dabei traurig Richtung Richter. Denn vor ihm muss er sich nämlich nun wegen seines Diensteifers im Amtsgericht Tiergarten rechtfertigen. Alper K. ist wegen Nötigung und Missbrauchs seiner Befugnisse angeklagt. Zwei junge Männer soll er mit seiner Dienstwaffe bedroht haben - und zwar an einem Freitagabend im November, gut zwei Stunden nach Feierabend. Ein Feierabend, den Alper K. mit einem Kumpel bei Bier und Schnaps kurz feierte. Knapp zwei Promille stellt ein Arzt später in seinem Blut fest. Andere hätte der Alkohol ganz bestimmt dazu verleitet, mal wegzugucken. Nicht aber Alper K., den 34-jährigen Mann von der Kripo. Sein Heimweg führte den Kreuzberger die Gneisenaustraße entlang. Dort, so erzählt er, beobachtete er wie "ein Gegenstand für zwanzig Euro den Besitzer wechselte". Klar, da ging es um Drogen. Und klar: Einer wie er muss dem Dealer folgen. Und so stand der Polizist plötzlich vor der verschlossenen Tür der Hausnummer 88, hinter der er den Verbrecher wähnte. Doch keiner wollte ihm öffnen, als er klingelte, obwohl er sich doch als Polizist ausgegeben haben will. "Das kann ja jeder behaupten", haben die Bewohner ihn angeblich über die Gegensprechanlage wissen lassen. Zwei junge Männer begaben sich schließlich aber doch zur gläsernen Tür, um sich den Klingler mal näher anzuschauen. Beide inzwischen 20 Jahre alte Jungs sind als Zeugen geladen. Der eine, Daniel M., erscheint zum Prozess mit blauem Auge. Sein Kumpel Mohamed E. ist fast 1,90 groß und beinahe hundert Kilo schwer. Ihnen stand Alper K. also gegenüber, er, der einen Kopf kleinere und über zwanzig Kilo leichtere deutsche Beamte türkischer Abstammung. "Es kommt öfter vor, dass man mir nicht abnimmt, dass ich Polizist bin", sagt er.Auch Mohamed E. und Daniel M. wollten es nicht glauben. Dabei zeigte Alper K. ihnen eine Armbinde mit der Aufschrift "Polizei". Seiner Meinung nach hat er auch Dienstausweis und Marke gezückt. Daran können sich die Zeugen nicht erinnern. Sie wissen nur, dass es Geschubse gab. Und dass der angetrunkene Typ irgendwann eine Pistole zog. Selbst dann wollten die beiden Zeugen nicht glauben, dass der Mann Polizist sein soll. "Ich dachte, der hätte eine Schreckschusswaffe", sagt Mohamed E. Trotzdem riefen die beiden, als Alper K. die Pistole schließlich wegsteckte, lieber die echte Polizei. Und die nahm den übereifrigen Beamten schließlich fest. Der ärgerte sich so sehr darüber, dass er seine Kollgen beschimpfte. Dabei sollen Sätze gefallen sein: "Ihr seid doch alles Lappen." Sätze, die Alper K. heute sehr peinlich sind und für die er sich immer wieder bei den als Zeugen geladenen Kollegen entschuldigt. Der Richter verurteilt Alper K. schließlich zu 3 200 Euro Strafe - wegen Beleidung. Und weil er Mohamed E. und Daniel M. mit seiner geladenen Dienstpistole bedroht hat. Ausdrücklich ermahnt der Richter ihn, die Pistole künftig nicht in die Kneipe mitzunehmen. Irgendwann ist schließlich auch mal Feierabend.
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