Berlin lebt auf

Als die Jagd auf die NS-Verbrecher begann

Seit ihrem ersten Erscheinen am 21. Mai 1945 greift die Berliner Zeitung Themen auf, die bis in die Gegenwart reichen. Das Haus der Wannsee-Konferenz und das Aktive Museum haben daraus eine aktuelle Ausstellung gemacht.

OAZ
3 Min
<strong>Beate Klarsfeld 1985 in Paraguay</strong><br><br> Die Journalistin Beate Klarsfeld kämpft seit den 1960er-Jahren dafür, dass Altnazis entlarvt und bestraft werden. Mit Itta Halaunbrenner, deren Kinder auf Befehl des damaligen Gestapo-Chefs von Lyon, Klaus Barbie, von Izieu nach Auschwitz deportiert wurden, demonstriert sie in La Paz. Barbie, der sich jetzt Klaus Altmann nennt, arbeitet für das Innenministerium der dortigen Banzer-Diktatur als Ausbilder für die Sicherheitskräfte.<br><br>1985 fordert Beate Klarsfeld in Asunción die Auslieferung des SS-Lagerarztes Josef Mengele. In Paraguay leben zahlreiche Altnazis, die von Diktator Alfredo Stroessner geschützt werden. Da Paraguay ein wichtiger Handelspartner für die Bundesrepublik ist, blendet die Politik dies aus.

Beate Klarsfeld 1985 in Paraguay

Die Journalistin Beate Klarsfeld kämpft seit den 1960er-Jahren dafür, dass Altnazis entlarvt und bestraft werden. Mit Itta Halaunbrenner, deren Kinder auf Befehl des damaligen Gestapo-Chefs von Lyon, Klaus Barbie, von Izieu nach Auschwitz deportiert wurden, demonstriert sie in La Paz. Barbie, der sich jetzt Klaus Altmann nennt, arbeitet für das Innenministerium der dortigen Banzer-Diktatur als Ausbilder für die Sicherheitskräfte.

1985 fordert Beate Klarsfeld in Asunción die Auslieferung des SS-Lagerarztes Josef Mengele. In Paraguay leben zahlreiche Altnazis, die von Diktator Alfredo Stroessner geschützt werden. Da Paraguay ein wichtiger Handelspartner für die Bundesrepublik ist, blendet die Politik dies aus.

© Agence MYOP/Alain Keler


Die Berliner Zeitung berichtet am 23. Mai 1945

Fahndung nach Kriegsverbrechern: 20 Spezialabteilungen der amerikanischen Armee, besonders ausgebildet im Fahndungsdienst, sind jetzt dabei, im ganzen befreiten Europa deutsche Kriegsverbrecher dingfest zu machen.



Flucht von NS-Tätern

Flüchtlingspass des Italienischen Roten Kreuzes für Adolf Eichmann von 1950: Adolf Eichmann organisiert die Deportationen aller Jüdinnen und Juden in Europa. Er nimmt auch an der Wannsee-­Konferenz teil. Mit Unterstützung des Bischofs Alois Hudal in Rom gelingt es ihm, nach Argentinien zu fliehen. Seit seiner Entführung durch den israelischen Geheimdienst und der Verurteilung in Jerusalem symbolisiert er für viele Überlebende den systematischen und bürokratischen Massenmord.

Flüchtlingspass des Italienischen Roten Kreuzes für Adolf Eichmann von 1950: Adolf Eichmann organisiert die Deportationen aller Jüdinnen und Juden in Europa. Er nimmt auch an der Wannsee-­Konferenz teil. Mit Unterstützung des Bischofs Alois Hudal in Rom gelingt es ihm, nach Argentinien zu fliehen. Seit seiner Entführung durch den israelischen Geheimdienst und der Verurteilung in Jerusalem symbolisiert er für viele Überlebende den systematischen und bürokratischen Massenmord.

© Museo del Holocausto, Buenos Aires

Manche Täter führen ein bürgerliches Leben, andere mischen sich in die Politik ein. Die meisten treten offen mit ihren ideologischen Überzeugungen auf und beeinflussen andere. Für emigrierte Jüdinnen und Juden und Überlebende des systematischen Massenmords ist dieses Auftreten unerträglich. Ihre Anliegen werden aber selten berücksichtigt.

Kaum ein Täter wird nach Deutschland oder Europa ausgeliefert.

Schreiben der Deutschen Botschaft in Bolivien an das Auswärtige Amt vom 14. Januar 1964 ...

Schreiben der Deutschen Botschaft in Bolivien an das Auswärtige Amt vom 14. Januar 1964 ...

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... geteilt werden hier Beobachtungen und Einschätzungen über Klaus Barbie, der sich inzwischen Klaus Altmann nennt.

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© Politisches Archiv des Auswärtiges Amtes, Berlin, PAAA, B 83, Bd. 1351, Bl. 1, 3

Chronik

1946 
Flucht von Walther Rauff, Gruppenleiter des Reichssicherheitshauptamtes, aus einem italienischen Internierungslager 

1947
Anwerbung von Klaus Barbie durch den US-Geheimdienst

1950
Flucht von Adolf Eichmann nach Südamerika

1958 
Anwerbung von Walther Rauff durch den Bundesnachrichtendienst

1960
Entführung von Adolf Eichmann von Argentinien nach Jerusalem

1962
Hinrichtung Adolf Eichmanns in Ramla bei Tel Aviv

1966
Anwerbung von Klaus Barbie durch den Bundesnachrichtendienst

1979
Tod von Josef Mengele in Brasilien

1983
Verhaftung von Klaus Barbie in La Paz/Bolivien und Auslieferung nach Frankreich

1984
Tod von Walther Rauff in Chile
Ausgabe der Berliner Zeitung, 22. Mai 1945

Ausgabe der Berliner Zeitung, 22. Mai 1945

© Archiv Berliner Zeitung

Texte und Bilder sind größtenteils aus der gemeinsamen Ausstellung Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz und Aktives Museum, Am Großen Wannsee 56-58, 14109 Berlin. Öffnungszeiten montags bis sonntags 10 bis 16 Uhr. Die Tafeln sind auch im Foyer des Berliner Verlags, Alte Jakobstraße 105, 10969 Berlin, bis zum 30. Juni in der Zeit von 10 bis 15 Uhr zu sehen.

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