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Als Mies van der Rohe für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ein Denkmal schuf

Das Revolutionsdenkmal auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde wurde vor 100 Jahren der Öffentlichkeit übergeben. Es war und ist eine Ikone der Moderne.

Jürgen Hofmann
Jürgen Hofmann
7 Min
Deutlicher Bruch mit herkömmlicher Denkmalarchitektur: das Revolutionsdenkmal auf dem Zentralfriedhof Berlin-Friedrichsfelde von Ludwig Mies van der Rohe.

Deutlicher Bruch mit herkömmlicher Denkmalarchitektur: das Revolutionsdenkmal auf dem Zentralfriedhof Berlin-Friedrichsfelde von Ludwig Mies van der Rohe.

© Greg Bannan/Imago

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Es war ein Zufall, der Ludwig Mies van der Rohe mit dem Denkmalprojekt der KPD für Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und die anderen Opfer der Januarkämpfe 1919 in Verbindung brachte. Eduard Fuchs, der Kunstsammler, Mitbegründer der KPD und Nachlassverwalter Franz Mehrings, hatte ihn nach Berlin-Zehlendorf eingeladen. Das „Haus Perls“ sollte einen Anbau erhalten. Bei dieser Gelegenheit sah Mies van der Rohe die Denkmalentwürfe der KPD und war entsetzt. Sie hätten eher „ein nettes Denkmal für einen Bankier“ abgegeben.

Von Eduard Fuchs aufgefordert, entwarf er ein Monument, das in „seinem beunruhigenden, abstrakten Ausdruck […] unübertroffen“ blieb, wie der MoMa-Kurator Arthur Justin Drechsler anmerkte. Der wuchtige Bau aus gegeneinander versetzten, mit Klinker verkleideten Quadern war eine ästhetische Provokation, ein deutlicher Bruch mit herkömmlicher Denkmalarchitektur, und wurde zu einer Ikone der Moderne.

Wilhelm Pieck als Vorsitzender des Denkmalkomitees

In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg, in denen allerorten Denkmäler für die Gefallenen errichtet wurden, lag es für die KPD und ihre Anhänger nahe, ihren Märtyrern ebenfalls einen Ort des würdigen Gedenkens einzurichten. Schon 1921 unternahm die KPD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung von Groß-Berlin einen ersten Vorstoß mit dem Ziel, die Gräber der 1919 Gefallenen und Ermordeten auf Kosten der Stadt zu pflegen. Das stieß auf wenig Gegenliebe. So reifte der Plan für ein eigenes Denkmalprojekt auf dem Zentralfriedhof in Friedrichsfelde.

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Ein Denkmalkomitee sollte die organisatorische und finanzielle Vorbereitung in die Hand nehmen. Den Vorsitz übernahm Wilhelm Pieck, der zu diesem Zeitpunkt der Parteizentrale und dem zentralen Orgbüro angehörte. Sekretär des Denkmalkomitees wurde Otto Gäbel, der als Lichtenberger Bezirks- und Berliner Stadtverordneter, als Vorsitzender der kommunistischen Stadtverordnetenfraktion sowie als unbesoldeter Stadtrat die nötigen Kontakte in die Verwaltung hatte und als ausgezeichneter Organisator galt. Zum Denkmalkomitee gehörte als Kunstsachverständiger außerdem Eduard Fuchs, der die KPD 1928 verließ und zur KPD-Opposition wechselte.

Als am 15. Juni 1924 der Grundstein für das Denkmal auf dem Friedhof in Friedrichsfelde gelegt wurde, gab es zu seiner Gestalt noch keine Entscheidung. Die Entwürfe, die im Juli 1925 den Delegierten des 10. Parteitages der KPD vorgestellt wurden, waren noch einer traditionellen Denkmalästhetik verpflichtet. Dass die Entscheidung schließlich für den eigenwilligen Entwurf von Mies van der Rohe fiel, ist sicherlich der Fürsprache und dem Einfluss von Eduard Fuchs zu danken.

Erhebliche finanzielle Herausforderungen für die KPD

Das Projekt stellte die KPD auch vor erhebliche finanzielle Herausforderungen. Die Spendensammlungen und der Vertrieb von Postkarten, Bildern und Kissenplatten mit dem Abbild des künftigen Denkmals konnten angesichts der verbreiteten sozialen Not die Kosten nicht decken. Die KPD musste zusätzlich Kredite aufnehmen.

Mit dem Bau des Denkmals wurde die Berliner Bauhütte, ein gemeinwirtschaftliches Bauunternehmen, betraut. Nachdem die Genehmigung der Bezirksverwaltung Lichtenberg für den Denkmalbau vorlag, wurde der Entwurf 1926 in wenigen Monaten umgesetzt.

Am 13. Juni 1926 übergab Pieck das Denkmal im Rahmen einer kleinen Kundgebung der Öffentlichkeit. Es war der siebente Jahrestag der Beisetzung Rosa Luxemburgs. Die Kräfte der KPD waren in diesen Tagen in der Kampagne für die entschädigungslose Enteignung der Fürstenhäuser gebunden. Die offizielle Einweihung mit einer Großkundgebung wurde einen Monat später, am 11. Juli 1926, nachgeholt.

Ludwig Mies van der Rohe

Ludwig Mies van der Rohe

© Everett Collection/Imago

Gewöhnungsbedürftige Ästhetik

Für die KPD-Anhänger, und nicht nur für sie, war die ungewöhnliche Denkmalästhetik durchaus gewöhnungsbedürftig. Das macht u. a. der Bericht der Parteizeitung Die Rote Fahne vom 15. Juni 1926 deutlich: „Überraschend ist der erste Eindruck, den das Denkmal hervorruft. Fast zu wuchtig steht es vor den 45 Gräbern, die den vorderen Teil der gesamten Grabstätte einnehmen. Aber ist der erste Eindruck überwunden, so erwächst die Überzeugung, daß nur diese Form der durchaus richtige Ausdruck für ein solches Revolutionsdenkmal ist. So kritisch auch das Denkmal wegen seiner ungewohnten Formen von allen Teilnehmern betrachtet wurde, so war es am Ende überall Begeisterung für dieses gewaltige Werk.“

Die KPD-Zentrale erreichten in der Folgezeit mehrere Anfragen, was das Denkmal sagen wolle. Mit der Beantwortung wurde in der Regel Eduard Fuchs beauftragt. Für die KPD-Anhängerschaft wurde das Denkmal trotzdem in den folgenden Jahren zu einem zentralen Ort politischer Identifikation und Mobilisierung. Im Januar und Februar 1933 konnten sie sich das letzte Mal in Friedrichsfelde versammeln.

Für die Amtsträger der NS-Verwaltung und ihre Gefolgschaft war das Revolutionsdenkmal in Friedrichsfelde ein rotes Tuch. Im ersten Schritt wurde der fünfzackige Stern mit dem darauf befindlichen Symbol von Hammer und Sichel demontiert und als Trophäe in das „Revolutionsmuseum“ der SA-Standarte 6 in Berlin-Mitte verbracht.

Im November 1934 beschloss die Bezirksverwaltung Lichtenberg, das Denkmal abzutragen. Das erfolgte in den ersten Monaten des Folgejahres. Die Grabsteine wurden abgeräumt. KPD-Anhänger, die das dokumentieren wollten, wurden verhaftet, die Aufnahmen vernichtet. Der Japaner Etsuji Sumiya, der sich zu Studienzwecken in Berlin aufhielt, blieb unbehelligt. Er übergab seine Fotografien vierzig Jahre später einer DDR-Delegation. Die endgültige Zerstörung der dortigen Gräber erfolgte 1941 mit der Neubelegung des Grabfeldes.

Allmählich in Vergessenheit geraten

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die KPD die Tradition der jährlichen Demonstrationen zu den Gräbern von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wieder auf. Die SED setzte das fort. Im Januar 1946 wurde vor Ort eine vereinfachte provisorische Nachbildung des Revolutionsdenkmals aufgestellt. Der in Erwägung gezogene Wiederaufbau des Denkmals ließ sich unter den Bedingungen der Nachkriegsjahre nicht umsetzen. Mit der Eröffnung der gemeinsamen Gedenkstätte der Sozialisten im vorderen Friedhofsbereich geriet der authentische Ort allmählich in Vergessenheit.

Dennoch blieb die Faszination für das ungewöhnliche Bauwerk und der Respekt für die ermordeten KPD-Gründer im kulturellen und politischen Gedächtnis lebendig. In Berlin-West starteten Die Falken 1968 eine Initiative, zum 50. Jahrestag der Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts zu gedenken und das Revolutionsdenkmal diesmal am Ort der Täter, dem ehemaligen Hotel Eden, wieder zu errichten. Daraus wurde nichts. Die Erinnerungszeichen von Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte in Berlin-Tiergarten gehen hingegen auf diese Initiative zurück.

In Ost-Berlin kam das ehemalige Revolutionsdenkmal in Friedrichsfelde mit den Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung und ihrer Propagierung Mitte der Sechzigerjahre wieder ins Gespräch. In den Siebzigerjahren wurden von den Stadtarchitekten verschiedene Varianten für einen Nachbau auf dem Werderschen Markt sowie in Verbindung mit dem Wohnungsbauprojekt auf dem ehemaligen Gaswerksgelände im Prenzlauer Berg erarbeitet. Im Mai 1983 gab der Magistrat schließlich grünes Licht für das Vorhaben von Günter Stahn und Gerhard Thieme, am ehemaligen Standort des Revolutionsdenkmals ein Erinnerungsmal zu bauen. Eine öffentliche Einweihung fand nicht statt.

Im Jubiläumsjahr 2019 konnte der Förderkreis Erinnerungsstätte der deutschen Arbeiterbewegung Berlin-Friedrichsfelde e. V. die Lage der zerstörten Gräber rekonstruieren und markieren sowie die Geschichte des Ortes und seines Denkmals in einer Open-Air-Ausstellung dokumentieren.

Jürgen Hofmann, Jg. 1943, Historiker, Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e. V., veröffentlichte 2021 „Ein Friedhof für alle Bekenntnisse. Der Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin“, hrsg. vom kommunalpolitischen „forum e. V“.

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