Alt-Zoodirektor Heinz-Georg Klös wird 75 / Helmut Schmidt überließ ihm Chinas Staatspräsent

Klös an Kanzler: Lassen Sie sich Pandas schenken

Stefan Ehlert
4 Min

Als er anfing, war er der jüngste, als er aufhörte der dienstälteste Zoodirektor der Welt. Dazwischen lagen 35 Jahre, in denen Heinz-Georg Klös zum wohl einflussreichsten Mann in der 150-jährigen Berliner Zoogeschichte wurde. Bis heute hat er sich nicht aus dem Geschäft verabschiedet: Als Aufsichtsratsmitglied kontrolliert er Zoo und Tierpark Friedrichsfelde. Noch zehn Jahre nach seiner Pensionierung spaziert er täglich durch den Zoo, und nach wie vor reist er leidenschaftlich gern in die Tierreservate Afrikas. Heinz-Georg Klös wird am Sonnabend 75 Jahre alt und stellt damit - ungewollt - den Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) vor eine schwierige Aufgabe: "Wir sind am Rande unserer Möglichkeiten", heißt es in der Senatskanzlei. Gemeint ist: Klös hat schon alle Ehrungen, die man sich denken kann, auch die höchste Berliner Auszeichnung, die Ernst-Reuter-Medaille. Diepgen wird am Sonnabend aber wenigstens ein Gratulationsschreiben schicken. Heinz-Georg Klös wünscht sich ohnehin weder Blumen noch Orden. Er bittet um Spenden für den Tier- und Naturschutz. Heinz-Georg Klös wuchs in unmittelbarer Nachbarschaft des Wuppertaler Zoos auf. "Ich wollte schon immer Zoodirektor werden", sagt er. Neben dem Tiermedizin-Studium in Gießen arbeitete er Anfang der 50er-Jahre im Frankfurter Zoo, der von Bernhard Grzimek geleitet wurde. Der weltbekannte Fernseh-Tierfreund gehörte zu Klös Vorbildern. "Bei ihm habe ich auch meine Frau kennen gelernt", sagt er. Ursula Klös arbeitete damals als Tierpflegerin in Frankfurt.Als Klös im Alter von 30 Jahren nach Berlin kam, hatte sich der Zoo kaum von den Kriegsschäden erholt. Sein Wirken bis zum Jahr 1991 hat Klös selbst in einem Jubiläumsbuch folgendermaßen zusammengefasst: "Der Zoologische Garten erlangt wieder Weltgeltung." Welche Tiere ihm auf dem Weg zur Weltgeltung besonders am Herzen lagen, will Klös nicht verraten. Ein Zoodirektor dürfe keine Vorlieben haben, sagt er. Doch es ist bekannt: Nashörner mag Klös am liebsten. Bulle Meru war das erste Tier, das er nach seinem Amtsantritt 1956 für den Berliner Zoo ankaufte, damit die Nashornkuh Arusha nicht mehr allein leben musste. Der Altdirektor ist für Hartnäckigkeit bekannt. Fast 150 Millionen Mark hat er während seiner Laufbahn für den Ausbau des Zoos "zusammengebettelt", wie er sagt. Vor einem Treffen mit Klös müsse man sich die Taschen zunähen, scherzten damals Politiker und Sponsoren. Der Direktor bekam meist die Zuschüsse, die er brauchte, und so spielten Geldsorgen zu seiner Amtszeit eine geringere Rolle. "Ich habe Glück gehabt, es gab mehr Geld", sagt er. Zu Klös Zeiten musste sich der West-Zoo gegenüber dem Tierpark in der sozialistisch regierten Nachbarschaft profilieren. "Aus politischen Gründen wurden beide Zoos sehr gut unterstützt", sagt Klös über die Zeit des Kalten Krieges.Brief an den Kanzler Ein Politikum war auch der Panda-Import im November 1980. "Lassen Sie sich keine Seidenteppiche, sondern Pandas schenken", schrieb Klös dem damaligen Kanzler Helmut Schmidt, als dieser Staatsbesuch aus China erwartete. Klös Wunsch ging in Erfüllung, er selbst hatte die Strippen zur rechten Zeit gezogen. Offenbar tut er das noch heute. Die Berufung seines Sohnes Heiner in den Zoovorstand empfinden Klös Kritiker als Skandal und Vetternwirtschaft. Klös Einfluss ist noch immer so groß, dass sich niemand im Zoo traut, ihn öffentlich zu kritisieren. Er selbst bestreitet, irgendwelchen Einfluss zu haben: "Ich gebe nur dann Rat, wenn ich gefragt werde", sagt er. Spenden zum Geburtstag von Heinz-Georg Klös: Stichwort "Naturschutzprojekte", Commerzbank Berlin, BLZ 100 400 00, Konto 66 12345 00."Als Zoodirektor darf man eigentlich kein Lieblingstier haben. Aber mir liegen Nashörner besonders am Herzen. " Alt-Zoodirektor Heinz-Georg Klös BLZ/MARKUS WÄCHTER Heinz-Georg Klös feiert am Sonnabend seinen 75. Geburtstag. Er war 35 Jahre lang Zoodirektor.BITTNER Heinz-Georg Klös im Jahre 1956. Damals übernahm er die Leitung des Berliner Zoos.

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