Der Studentenprotest entwickelt sich glänzend. Mit Hilfe schlagender Parolen wie "Hier steh ich nun, ich armer Tor" oder "Geist ist geil" ist es gelungen, Anschluss an breiteste Kreise zu gewinnen. Inzwischen hat sich auch Edelgard Bulmahn verständnisvoll geäußert, Solidaritätsadressen von Franz Beckenbauer und Donald Duck werden erwartet. Und auch Eberhard Diepgen hat sich der Sache des Protestes zur Verfügung gestellt. Den Einwand, das könne auch Zufall sein, ein Missverständnis, nichts, worauf man sich etwas einbilden dürfte, diesen Einwand brauchen die Studenten nicht gegen sich gelten zu lassen. Zwischen Diepgen, dem großen alten Mann des Berliner Erfolgs, und dem aktuellen Proteststil bestehen zu tiefe Verwandtschaften, geistige Verwandtschaften.Denn was die laufenden Proteste auszeichnet, so schätzbar und bekömmlich macht, das ist ihr umfassender Charakter. Man ist für die bessere Hochschulausstattung, gegen Studiengebühren und im Übrigen ein abgesagter Feind aller Kürzungen im Sozialbereich. Erinnert man sich nicht mehr an Diepgens Wort vom "Sparen und Gestalten"? Die Betonung lag auf dem und, bei einem Redner wie Diepgen war das wohl zu würdigen: Es war das Versprechen auf die Zusammenfügung des Widerstreitenden, eine echte Utopie. Und wie glänzend sie Wirklichkeit geworden ist, das hat festgestellt, wer es nun mal am besten wissen muss, Diepgen selbst, in Zitty 25/2003, Seite 22: "Es war nicht umsonst, man sieht es."
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