Stilkritik

Alte weiße Männer auf dem Red Carpet? Unsere Herren-Tops und Flops aus Venedig

Zwischen Smoking, Animalprint und modischen Fehltritten trennt sich auf dem roten Teppich in Venedig die Spreu vom Weizen. Wenders, Guadagnino, Nolte: Wer kann's?

Marie Hartmann Barbara Russ
3 Min
Javier Bardem: So kommt man stylisch in Venedig an.

Javier Bardem: So kommt man stylisch in Venedig an.

© IMAGO/Kazuko Wakayama

Von Javier Bardems iberischer Eleganz über Wim Wenders’ träumerischen „Imagine Peace“-Look bis zu Nick Noltes Jackett-Verweigerung: In Venedig zeigen die grauen Emininezen des Films ebenso wie aufstrebende Schauspieler, wie weit sich die Kluft zwischen souveräner Alterslässigkeit, politischem Statement und demonstrativer Gleichgültigkeit auftun kann.

Beim 83. Filmfestival von Venedig treffen am Lido Schauspieler und Regisseure aufeinander. Javier Bardem und Patrick Schwarzenegger präsentieren Florian Zellers Wettbewerbsbeitrag „Bunker“, Nick Nolte kehrt mit Casey Afflecks „Company“ ins Rampenlicht zurück. Wim Wenders zeigt seinen Peter-Zumthor-Film, Werner Herzog konkurriert mit „Bucking Fastard“ um den Goldenen Löwen – und Luca Guadagnino wird für sein prägendes zeitgenössisches Kino ausgezeichnet. Lesen Sie hier, wer es stilvoll über die Bühne brachte.

Top: „Call Me By Your Name“-Regisseur Luca Guadagnino erscheint im beigen Zweireiher und rundet den Look mit einer zur Farbfamilie passenden bernsteinfarbenen Sonnenbrille ab. Der Look ist so unaufgeregt wie er stimmig ist. Spektakulär? Nicht gerade. Aber der gebürtige Sizilianer trägt seine Coolness mit einer Verständlichkeit, die das Outfit letztlich doch zum Statement macht.

Top: „Call Me By Your Name“-Regisseur Luca Guadagnino erscheint im beigen Zweireiher und rundet den Look mit einer zur Farbfamilie passenden bernsteinfarbenen Sonnenbrille ab. Der Look ist so unaufgeregt wie er stimmig ist. Spektakulär? Nicht gerade. Aber der gebürtige Sizilianer trägt seine Coolness mit einer Verständlichkeit, die das Outfit letztlich doch zum Statement macht.

© IMAGO/Alberto Terenghi

<strong>Flop</strong>: Nick Nolte setzt auf demonstrative Gleichgültigkeit: ungepflegter Bart, kein Jackett, keine erkennbare Lust auf Red-Carpet-Disziplin. Während andere Herren in Venedig geschniegelt um zeitlose Eleganz ringen, wirkt Nolte, als sei er direkt aus dem Hotelzimmer vor die Kameras getreten. Die Botschaft ist eindeutig: Die Regeln des roten Teppichs sind ihm schnuppe. Angereist ist er für Casey Afflecks Wettbewerbsfilm „Company “: ein verschachteltes Drama, das von einem alternden Einsiedler und einer in einem Schneesturm gestrandeten Schauspielerin erzählt. Das passt dann wieder zum Outfit.

Flop: Nick Nolte setzt auf demonstrative Gleichgültigkeit: ungepflegter Bart, kein Jackett, keine erkennbare Lust auf Red-Carpet-Disziplin. Während andere Herren in Venedig geschniegelt um zeitlose Eleganz ringen, wirkt Nolte, als sei er direkt aus dem Hotelzimmer vor die Kameras getreten. Die Botschaft ist eindeutig: Die Regeln des roten Teppichs sind ihm schnuppe. Angereist ist er für Casey Afflecks Wettbewerbsfilm „Company “: ein verschachteltes Drama, das von einem alternden Einsiedler und einer in einem Schneesturm gestrandeten Schauspielerin erzählt. Das passt dann wieder zum Outfit.

© IMAGO/Alberto Terenghi

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Flop: Patrick Schwarzenegger hat sich für seinen Auftritt zur Premiere von „Bunker“ offenbar gedacht: Wenn schon Muster, dann aber richtig. Das schwarze Sakko mit vertikaler Streifentextur, das blau-weiß gestreifte Hemd und die schräg gestreifte, silberfarbene Krawatte wären für sich genommen bereits eine mutige Entscheidung – der Leo-Print am Hemdkragen setzt dem Ganzen dann aber die Krone auf. Mutig, lückenlos durchgestreift und ein kleines bisschen zu viel auf einmal.

Flop: Patrick Schwarzenegger hat sich für seinen Auftritt zur Premiere von „Bunker“ offenbar gedacht: Wenn schon Muster, dann aber richtig. Das schwarze Sakko mit vertikaler Streifentextur, das blau-weiß gestreifte Hemd und die schräg gestreifte, silberfarbene Krawatte wären für sich genommen bereits eine mutige Entscheidung – der Leo-Print am Hemdkragen setzt dem Ganzen dann aber die Krone auf. Mutig, lückenlos durchgestreift und ein kleines bisschen zu viel auf einmal.

© IMAGO/Laurent Lairys

Top: Der spanische Oscarpreisträger gehört seit Filmen wie „No Country for Old Men“, „Biutiful“ und „Dune“ zu den markantesten Darstellern des internationalen Kinos. In Venedig ist er mit Penélope Cruz in Florian Zellers Thriller „Bunker“ zu sehen und zeigt einmal mehr, wie lässig Mann sein kann.

Top: Der spanische Oscarpreisträger gehört seit Filmen wie „No Country for Old Men“, „Biutiful“ und „Dune“ zu den markantesten Darstellern des internationalen Kinos. In Venedig ist er mit Penélope Cruz in Florian Zellers Thriller „Bunker“ zu sehen und zeigt einmal mehr, wie lässig Mann sein kann.

© IMAGO/Alberto Terenghi

Flop: Wim Wenders steht für eine Boomer-Generation, die von einer besseren Welt träumte, sie an manchen Stellen tatsächlich besser machte – und sie an anderen mit erstaunlicher Beharrlichkeit gegen die Wand fuhr. Dass Einsicht auch im hohen Alter möglich ist, bewies der Regisseur erst kürzlich: Nach Kritik von Nastassja Kinski ließ er die umstrittene Nacktszene aus „Falsche Bewegung“ entfernen.<br>Sein Auftritt dazu: schwarzes Jackett über einem weißen „Imagine Peace“-Shirt, dazu Adidas-Turnschuhe mit entschlossenem Opa-Charme. Das Outfit spricht für sich: Wenders ist immer noch ein Träumer, einer, der an Frieden, Kunst und die moralische Lernfähigkeit seiner Generation glauben möchte. Stilistisch wirkt das Ensemble allerdings wie ein Kompromiss zwischen Festivalgarderobe und Sonntagsspaziergang. Sympathisch, zweifellos. Gut angezogen? Eher nicht.

Flop: Wim Wenders steht für eine Boomer-Generation, die von einer besseren Welt träumte, sie an manchen Stellen tatsächlich besser machte – und sie an anderen mit erstaunlicher Beharrlichkeit gegen die Wand fuhr. Dass Einsicht auch im hohen Alter möglich ist, bewies der Regisseur erst kürzlich: Nach Kritik von Nastassja Kinski ließ er die umstrittene Nacktszene aus „Falsche Bewegung“ entfernen.
Sein Auftritt dazu: schwarzes Jackett über einem weißen „Imagine Peace“-Shirt, dazu Adidas-Turnschuhe mit entschlossenem Opa-Charme. Das Outfit spricht für sich: Wenders ist immer noch ein Träumer, einer, der an Frieden, Kunst und die moralische Lernfähigkeit seiner Generation glauben möchte. Stilistisch wirkt das Ensemble allerdings wie ein Kompromiss zwischen Festivalgarderobe und Sonntagsspaziergang. Sympathisch, zweifellos. Gut angezogen? Eher nicht.

© IMAGO/Gennaro Piscopo

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