Die Hauptstadtplaner stoßen in Berlins Mitte auf unerwartete Probleme. Auf den geplanten Standorten für die Vertretungen der Bundesländer Sachsen und Sachsen-Anhalt zwischen Leipziger Platz und Brandenburger Tor lasten Rückübertragungsansprüche von Alteigentümern. Dadurch wird die weitere Planung blockiert."Wir wollten ein schönes Grundstück haben, doch jetzt sind wir in einer heiklen Situation", gesteht Hans Weller, Sprecher der sächsischen Landesvertretung in Bonn. Die Sachsen wollen zusammen mit Sachsen-Anhalt an der Voßstraße ihre Landesvertretung errichten.Die Zeit rennt davon Der Bund ging bisher davon aus, daß die Flächen sein Eigentum sind und wollte die jeweils 3 000 Quadratmeter großen Grundstücke an die Länder verkaufen. Noch vor einem halben Jahr habe niemand von Alteigentümeransprüchen gesprochen, berichtet Hans Weller. Die Ansprüche wurden erst vor kurzem bekannt, als Vertreter des Bonner Bundesfinanzministeriums in Berlin nachfragten. Den Bundesländern Sachsen und Sachsen-Anhalt rennt nun die Zeit davon. 1999 wollen sie ihre neuen Landesvertretungen in Berlin beziehen. Der ehrgeizige Zeitplan wird nun in Frage gestellt.Derzeit verhandelt das Bundesfinanzministerium mit den Alteigentümern, sagt der Sprecher der Berliner Oberfinanzdirektion (OFD) Helmut John. Die OFD verwaltet den Bundesbesitz in Berlin. Kommt keine rechtzeitige Einigung zustande, müssen sich die beiden Bundesländer wohl einen anderen Standort für ihre Vertretungen suchen. Die sächsische Vertretung verlangt innerhalb von vier Wochen Klarheit, Sachsen-Anhalt in zwei bis vier Wochen. Die Sachsen treffen bereits Vorkehrungen für den Fall, daß sie nicht an dem vorgesehenen Platz bauen können. Bereits jetzt sehen sie sich "den einen oder anderen" Ausweichstandort an, sagt Weller. Wie lange sich die Planung verzögern könnte, ist freilich nicht abzusehen.Die Rückübertragungsansprüche betreffen nach Angaben der OFD "fünf bis sechs Grundstücke entlang der Voßstraße". Zu den Alteigentümern gehören der Kaufhauskonzern Hertie, der Anspruch auf ehemaliges Wertheim-Terrain erhebt, und die Jewish Claims Conference (JCC), die Ansprüche früherer jüdischer Besitzer vertritt. Sie konkurrieren dem Vernehmen nach untereinander um die Filetstücke. Die Grundstücke mußten in den 30er Jahren für den Bau von Hitlers Neuer Reichskanzlei an den Staat verkauft werden. Nach Ansicht des Landesamtes zur Regelung offener Vermögensfragen (Larov) handelt es sich dabei um einen verfolgungsbedingten Vermögensverlust. Denn ohne die Herrschaft der Nationalsozialisten hätten die Grundstücke nicht verkauft werden müssen. In den Verhandlungen gehe es jetzt um eine "Nachzahlung zum damaligen Kaufpreis", sagt Sachsen-Anhalts Staatssekretär Werner Ballhausen.Die Länder Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und Saarland sind bereits sehr viel weiter als Sachsen und Sachsen-Anhalt. Sie haben gestern die Modelle ihrer künftigen Landesvertretungen in Berlin vorgestellt. Die Bauten sollen im Laufe des Jahres 2000 bezugsfertig sein, wie die Bevollmächtigten der vier Länder in Bonn erläuterten. Im nächsten Jahr wollen sie mit dem Bau beginnen. Niedersachsen und Schleswig-Holstein haben sich auf ein gemeinsames Haus verständigt. Dadurch können Baukosten von 4,5 Millionen Mark gespart werden. Rheinland-Pfalz rechnet mit Kosten von 40 Millionen Mark. Das Saarland will mit zwölf Millionen auskommen. Niedersachsen wird für seinen Teil 40 Millionen ausgeben, Schleswig-Holstein etwa 33,5 Millionen.Welches Architekturbüro die Vertretung für Niedersachsen und Schleswig-Holstein bauen wird, ist noch offen. Beim Architektenwettbewerb wurden zwei erste Preise vergeben: an die Hamburger Architekten Jürgen Böge und Ingeborg Lindner-Böge sowie das Amsterdamer Büro Cornelsen und Seelinger. Sieger des Wettbewerbs für den Bau der rheinland-pfälzischen Vertretung ist das Stuttgarter Büro Heinle, Wischer und Partner. Das Saarland entschied sich für einen Entwurf der Saarbrücker Architekten Alt & Britz.
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