ALTERSVORSORGE Obwohl sich private Pensionsfonds in den USA erfolgreich durchgesetzt haben, bekommen sie in Deutschland bislang keine Chance.

Harter Konkurrenzkampf in den USA

Peter De Thier
4 Min

WASHINGTON, 15. Juni. Der Konkurrenzkampf zwischen öffentlicher und privater Altersvorsorge in den USA hat sich während der letzten Jahre weiter zugespitzt. Während den öffentlichen Pensionskassen die Pleite droht, wächst gleichzeitig die Kritik an privaten Pensionsfonds, deren übermächtige Geldmanager die Ertragsmaximierung für ihre eigentliche Kundschaft, nämlich Amerikas Rentner von morgen, als oberstes Ziel längst aus den Augen verloren haben. Wegen des maroden Zustands des "social security"-systems und der Börsenhausse der neunziger Jahre haben private Pensionsfonds nun deutlich die Nase vorn, selbst der durchschnittliche Arbeitnehmer setzt zunehmend auf den Aktienmarkt. Einer der Eckpfeiler des sozialstaatlichen Liberalismus unter Franklin Roosevelt war 1933 die Einführung des "social security systems", das jedem arbeitenden Amerikaner ein "soziales Sicherheitsnetz" garantieren sollte. In den Sozialversicherungsfonds muss jeder Arbeitnehmer zwischen zwölf und achtzehn Prozent seines Bruttoeinkommens einzahlen. Steuerfreie Anlage möglichDer Gesinnungswandel von der öffentlichen hin zur privaten Rentenfinanzierung vollzog sich in den USA während der siebziger Jahre. Schon damals zeichnete sich die allmähliche Dezimierung des "social security" fund ab, dessen Kassen im Jahre 2025 leer wären, sollten sich Kongress und Weißes Haus nicht darauf einigen, einen Teil der gewaltigen Haushaltsüberschüsse zur Aufstockung des Sozialversicherungsfonds zu verwenden. 1980 verabschiedete der Kongress eine Änderung des Steuergesetzes und führte damit die so genannten 401K-Sparpläne ein, die ebenso beliebt wie kontrovers sind. Nach Paragraf 401K des Bundessteuergesetzes können Arbeitnehmer einen bestimmten Teil ihres Einkommens steuerfrei anlegen und dürfen dabei die Anlageform selbst wählen. Die 401K-Fondsmanager, die im Auftrag großer Unternehmen Milliarden an künftigen Pensionsansprüchen ihrer Mitarbeiter verwalten, haben damit ungeahnte Macht verliehen bekommen. Denn sie entscheiden nicht nur über die Altersversorgung für eine gesamte Generation, sondern können durch Umschichtungen in ihren Portefeuilles stärker als jeder TV-Analyst oder Wall-Street-Guru die Aktienkurse beeinflussen. Seit gut zwanzig Jahren setzt sich die Altersvorsorge in den Vereinigten Staaten also aus vier Komponenten zusammen, nämlich den obligatorischen Einzahlungen in den Sozialversicherungsfonds, privaten Ersparnissen, den privaten Pensionskassen einzelner Unternehmen und eben den 401K-Sparplänen. Die Branchenführer unter den Pensionsfonds sind Fidelity Investments, Vanguard, T. Rowe Price sowie eine Reihe quasi-öffentlicher Fonds, die für einzelne Beamtengruppen, etwa Lehrer oder Regierungsbeamte zuständig sind. Zusammengenommen managen die Pensionsfonds mehr als 370 Milliarden Dollar an Geldern, von denen eine gesamte Generation ihren Lebensabend finanzieren will.Kritiker halten die steuerfreien 401K-Anlagen für einen Betrug am Arbeitnehmer. Denn seit deren Einführung nutzen die Betriebe die Gelegenheit, um kräftig Kosten zu sparen. Der Arbeitgeberanteil liegt zwischen zwei und fünf Prozent und ist deutlich geringer als bei konventionellen Versorgungsplänen, die gegenüber der steuerfreien Variante immer mehr an Boden verlieren. Riskantes System"Solange es an den Börsen bergauf geht, ist die Welt in Ordnung", sagt Cindy Hounsel vom Pension Rights Center. "Jeder Kurseinbruch oder jede schlechte strategische Entscheidung eines Fondsmanagers kann aber Existenzen ruinieren." Anhänger des Systems behaupten, dass nur auf diesem Wege jeder Amerikaner zumindest die Chance bekommt, von seinem Arbeitgeber eine Minimalabsicherung zu bekommen. Denn das Vertrauen in die öffentliche Vorsorge sei schon längst verschwunden und Klein- und Mittelbetriebe könnten sich herkömmliche Altersversorgung für die Mitarbeiter nicht leisten. "Es ist der ideale Kompromiss" glaubt Cecialia Silverman vom Employee Benefit Research Institute. "Auch wenn die Pensionsfonds an Macht gewinnen, können sich mehr Menschen auf eine Rente freuen." Wie hoch sie ausfällt, sei dann freilich Sache der Fondsmanager.US-RENTENSYSTEM Vier Säulen // Seit gut 20 Jahren setzt sich die Altersvorsorge in den USA aus vier Komponenten zusammen: Obligatorische Einzahlungen in den Sozialversicherungsfonds, private Ersparnisse, private Pensionsfonds und geförderte Sparpläne.Der Konkurrenzkampf zwischen öffentlicher und privater Altersvorsorge hat sich seitdem dramatisch zugespitzt.ACTION PRESS In den USA können viele ältere Menschen auf stattliche Erträge aus ihren Ersparnissen zurückgreifen.

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