Die einzige Pro-Bush-Demonstration hat am Dienstagnachmittag nur wenige Berliner auf die Straße gebracht: Rund hundert Teilnehmer folgten einem Aufruf der Jungen Union Berlins und des CDU-Landesverbandes und kamen zum Checkpoint Charlie. Motto der knapp einstündigen Kundgebung: "Danke Amerika! Willkommen in Berlin, Mr. President!""Wir wollen Zeugnis ablegen für die wirklichen Gefühle Berlins gegenüber dem amerikanischen Volk", sagte der designierte Landesvorsitzende der CDU, Christoph Stölzl. Berlin und Amerika, dies sei eine Tradition "von Neugier aufeinander und Freundschaft seit den Tagen Friedrichs des Großen". Die CDU habe sich als Ort für ihre Pro-Amerika-Kundgebung bewusst für den ehemaligen Grenzübergang Checkpoint Charlie entschieden. "Berlin ist der Ort, wo Amerika der kommunistischen Tyrannei unmissverständlich klar machte: bis hierher und nicht weiter." Die dramatischen Bilder vom Oktober 1961, als sich die sowjetischen und amerikanischen Panzer gegenüberstanden, seien "unauslöschlich ins Gedächtnis der Welt eingegraben".Für die CDU sind die Proteste der Friedensbewegung und Globalisierungsgegner völlig unverständlich. "Wer allen Ernstes gegen die transatlantische Freundschaft protestiert oder gar randaliert, leugnet damit die Lebensgrundlage unserer Sicherheit und Freiheit", sagte Stölzl. Und fügte hinzu: "Wer dies tut, der hat nicht nur den Verstand verloren, sondern demnächst auch jeden politischen Kredit." Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Friedbert Pflüger kritisierte die Demonstrationen gegen den Besuch des US-Präsidenten scharf. Die Protestierer sollten nicht vergessen, wem sie das Demonstrationsrecht zu verdanken hätten, sagte Pflüger. "Den USA." Wenn es Kritik an den Vereinigten Staaten gebe, setze man sich "unter Freunden mit Argumenten" auseinander. "Nicht mit Farbbeuteln und Schlagworten auf der Straße", kritisierte der Bundestagsabgeordnete. Der Berliner CDU-Fraktionsvorsitzende Frank Steffel und der Vorsitzende der Jungen Union, Kai Wegner, warfen dem rot-roten Senat vor, Berlin zu schaden, weil sich die PDS an den "Anti-Bush-Demonstrationen" beteilige. Einige Gegendemonstranten versuchten, die Kundgebung mit Pfiffen und lauten Zwischenrufen zu stören. Sie wurden von der Polizei, die die Veranstaltung mit einem großen Aufgebot begleitete, rasch abgedrängt. "Man darf den Chaoten nicht die Straße überlassen", sagte die 26 Jahre alte Ina Preißler, die dem Aufruf der Jungen Union gefolgt war. Sie sei selbst kein CDU-Mitglied und habe auch keine persönlichen Beziehungen zu den USA. "Aber einen Staatsgast muss man würdevoll begrüßen", sagte Ina Preißler. Ingeborg und Günter Pohl wollten ihre enge Verbundenheit mit den USA bekunden - auch mit einer amerikanischen Fahne. Mitte der 60er-Jahre habe sie in Chicago gearbeitet, sagte die 65-Jährige. Seit Jahren fährt das Ehepaar regelmäßig nach Florida, mit Veteranen der Luftbrücke seien sie befreundet. "Ich mag Bush", sagte Ingeborg Pohl.Um die Verbundenheit Berlins mit den USA zu dokumentieren, schalten die größten Unternehmen der Stadt am Mittwoch Anzeigen in fast allen Tageszeitungen. "Wir werden im Gegensatz zum Senat einen uneingeschränkten Willkommensgruß entbieten", sagte der Sprecher des Unternehmens Piepenbrock, Uwe Alschner. Piepenbrock hatte die Anzeigen-Kampagne initiiert."In dem Kampf gegen Terror steht das bessere Berlin an der Seite Amerikas. " Christoph Stölzl (CDU).BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER Auch der CDU-Fraktionschef Frank Steffel sagte "Welcome, Mr. President".
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