Am Donnerstag beginnt im Beelitzer Land offiziell die Spargelernte 2002

Der Stichtag

Julia Schmidt
5 Min

BEELITZ. Spargel schmeichelt dem Gaumen und ist überaus bekömmlich. Diesen Worten des römischen Staatsmannes und Schriftstellers Martius Portius Cato der Ältere (234-149. v. Chr.) schließt sich Bettina Janas aus Wittbrietzen im Landkreis Potsdam-Mittelmark voll und ganz an. Die 26-Jährige vertritt in diesem Jahr als Spargelkönigin das bekannte Beelitzer Edelgemüse, dessen offizielle Saison am 18. April beginnt. Bettina Janas erfüllte alle Kriterien für das Ehrenamt: Sie kommt aus einer Spargelbauernfamilie, kennt sich gut in den Traditionen der Beelitzer Region aus - und sie isst die weißen Stangen leidenschaftlich gern. "Als Suppe, mit Sauce Hollandaise oder mit brauner Butter, als Beilage zum Fleisch oder einfach pur - alle Varianten sind köstlich", sagt sie. Für Schlemmer, die Wert auf ihre Figur legen, ist der Spargel das ideale Gemüse. Zu 95 Prozent besteht er aus Wasser und ist folglich äußert kalorienarm - und er entwässert den Körper. "Daran brauche ich nicht zu denken, der zarte Geschmack ist mir wichtiger", sagt die Spargelkönigin. Beim Anblick der schlanken blonden Frau ist das gut zu verstehen.Natürlich kann die Bankkauffrau auch richtig professionell Spargel stechen. "Aber ich bin keinesfalls so fit wie berufsmäßige Stecher." Die ganztägige Arbeit auf dem Feld sei noch immer ein wahrer Knochenjob, sagt sie. Spargelernte wird wohl immer Handarbeit bleiben, denn es bedarf großer Erfahrung und einer kundigen Hand, um die schnell reifenden Stangen zum richtigen Zeitpunkt aus der Erde zu holen und dabei nicht zu beschädigen. Und so werden auch in diesem Jahr wieder 2 000 erfahrene und zugleich preiswerte Erntehelfer vor allem aus Osteuropa auf den Feldern arbeiten. In einem noch geheim gehaltenen, einer Königin würdigen weißen Kleid wird Bettina Janas am Donnerstag die Beelitzer Spargelsaison offiziell eröffnen. Der traditionelle Spargelanstich findet auf dem Hof von Karl-Ludwig Syring in Zauchwitz statt, wo auf 38 Hektar das edle Gemüse wächst. "Zu Beginn werden wir wohl keine riesigen Mengen ernten", sagt Syring. Denn noch gucken erst wenige Stangen aus den Sanddämmen. Die Bodenfröste Anfang April haben dem Spargel nicht gutgetan. Zum Wachsen braucht er Wärme, und je schneller er wächst, desto zarter sind die Stangen.Manfred Schmidt, Vorsitzender des Beelitzer Spargelvereins mit 15 Mitgliedern, rechnet auch in diesem Jahr wieder mit einer guten Ernte. "Rund 4 000 Tonnen werden wir von den Feldern holen", sagt er. Das wären 1 000 Tonnen mehr als im vergangenen Jahr. Auf 720 Hektar rund um Beelitz erstrecken sich heute Spargelfelder. 1989 waren es nur zehn Hektar, denn der Anbau des Edelgemüses war den LPG seinerzeit zu aufwändig. Seit 1990 wuchs die Anbaufläche kontinuierlich. Bis 2003 sollen nochmals 80 Hektar hinzukommen, denn der leichte Sandboden in der Region bietet ideale Anbaubedingungen. Beelitzer Spargel ist laut Schmidt heute sehr gefragt. "Wir liefern bis Rostock, Hamburg und Hannover." Der Preis für die ersten Stangen wird im Hofverkauf bei der Handelsklasse 1 laut Syring bei 8,50 Euro pro Kilo liegen. Je nach Erntemenge fällt der Preis dann im Laufe der Zeit. Alle großen Spargelhöfe bieten ihr Produkt im Direktverkauf an. Dort bekommt der Käufer die Stangen preiswerter als auf den Berliner Märkten.Für Bettina Janas, die auch Mitglied der Beelitzer Freiwilligen Feuerwehr sowie Kassenwart im Kultur- und Fußballverein ist, beginnen anstrengende Wochen. Bis zum Johannistag am 24. Juni, wenn es heißt "Kirschen rot - Spargel tot", wird sie auf Werbetour für ihre Region sein. Die Belastungen nimmt die 26-Jährige gerne in Kauf, denn sie fühlt sich mit ihrer Heimat sehr verbunden und engagiert sich für sie. Einen Tag nach dem Spargelanstich, am Freitag, eröffnet sie die brandenburgische Spargelsaison in Berlin. Dann zieht die Beelitzer Spargelkönigin an der Spitze der 2,80 Meter hohen und 500 Kilo schweren Spargelpyramide durch die Mitte der Bundeshauptstadt bis zum Potsdamer Platz. Am 1. und 2. Juni schließlich wacht sie über das traditionelle Beelitzer Spargelfest.Delikates Gemüse aus der Mark // Bus-Shuttle: Die Havelbus GmbH fährt vom 20. April bis 23. Juni direkt zum Spargelhof Klaistow. Abfahrt am S-Bahnhof Wannsee (Haltestelle Bus 620): täglich außer Dienstag und Donnerstag um 10 und 12 Uhr. Abfahrt am Rathaus Spandau (Haltestelle Bus 638): Dienstag, Donnerstag, Sonnabend, Sonntag 10 Uhr, Sonnabend und Sonntag 12 Uhr. Nachmittags geht es wieder zurück. Hin- und Rückfahrt: 7,50 Euro, Kinder 3,50 Euro.Ganztags: Zusätzlich bietet die Havelbus-Touristik ab 7. Mai Tagesfahrten vom Alexanderplatz und Zoo an (Tel. 0331/ 740 84 11).Beelitz: 1861 baute Glasermeister und Ackerbürger Karl Friedrich Wilhelm Herrmann erst- mals Spargel an. 1934 fand das erste Spargelfest statt. 1998 öffnete in Schlunkendorf das Spargelmuseum.Vermarktung: Seit November 1991 vertritt der Beelitzer Spargelverein die Interessen der 15 größten Spargelhöfe. Er will südlich von Berlin und Potsdam an der B 246 und der Landstraße 139 eine Spargelstraße von Blankensee bis Lehnin aufbauen.Brandenburg ist drittgrößtes Spargelanbaugebiet in Deutschland. Mehr als ein Drittel wird um Beelitz geerntet.Spargel gibt es in drei Handelsklassen. Sorte 1 ist 16 bis 22 Millimeter dick und 17 bis 22 Zentimeter lang. Die Stangen müssen gerade, rein weiss und die Köpfe noch geschlossen sein.DDP/THEO HEIMANN Erntehelfer treffen letzte Vorbereitungen für den großen Spargelanstich am 18. April in Zauchwitz bei Beelitz.

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