Am Flussufer sollen neue Firmen, Hotels und Partyorte entstehen. Am Sonntag stimmt Friedrichshain-Kreuzberg darüber ab

Immer an der Spree entlang

Karin Schmidl
5 Min

Den Begriff Mediaspree gibt es seit gut sieben Jahren. Die Stadtplaner des Senats benannten damit ein Gebiet, das über Jahrzehnte eher ein Schattendasein führte: das Spreeufer zwischen der Elsenbrücke in Treptow und der Jannowitzbrücke in Mitte. Mediaspree wurde der Name für ein völlig neu zu bauendes Stadtquartier, das auf jeder Seite des Flusses etwa 3,5 Kilometer lang und insgesamt rund 180 Hektar groß ist.Den Namen erhielt das Areal, weil dort vor allem Unternehmen aus der Medien- und Kreativbranche angesiedelt werden sollen. Wobei der Medienbegriff weit gefasst ist: Die Zentrale der Gewerkschaft Verdi zählt dazu, das Energie-Forum und auch Hotels. Musikunternehmen wie MTV und Universal haben sich in edel sanierten Speichergebäuden etabliert, ebenso Designfirmen. Im Osthafen wird Mode präsentiert, ein altes Pumpwerk wurde zum Kulturort und auf dem einstigen Ostgüterbahnhof entsteht die Multifunktionsarena O2 World der Anschutz Entertainment Group. Insgesamt sollen Investoren in der Mediaspree knapp drei Milliarden Euro investieren und bis zu 40 000 Arbeitsplätze schaffen.Die Stadt will mit dem Quartier auch ein Gelände für die Bürger zurückerobern. Im 19. Jahrhundert gab es dort vorrangig Industrie. Holzmärkte, Textilfabriken oder Heeres-Magazine im Westen, im Osten vor allem Lager- und Brennstoffbetriebe sowie große Speichergebäude.Erst nach dem Mauerfall, als der Fluss nicht mehr die Grenze bildete, wurde der Spreeraum interessant. Quasi als größtes Entwicklungsgebiet mitten in der Stadt und in privilegierter Wasserlage. Für viel Geld verkauft Berlin Flächen an Privatinvestoren, etwa im Osthafen und auf dem Gelände Viktoriaspeicher. Wenig begeistert davon sind viele Anwohner. Sie fürchten, dass das Spreeufer zugebaut wird und dass sie keine preiswerten Wohnungen mehr finden, wenn überall schicke Lofts, Büros und Hotels entstehen. (sk.)------------------------------Grafik: Spreeufer------------------------------STANDORTE1 Das Multi-Service-Center an der Jannowitzbrücke mit Discounter und Tankstelle ersetzt ein ursprünglich dort geplantes Hochhaus.2 Die Berggruen-Holdings hat gerade die Brache an der Michaelkirchstraße 22-23 gekauft. Konkrete Pläne dafür sind noch unbekannt.3 Das Radialsystem V entstand in einem alten Abwasserpumpwerk. Heute gibt es dort Konzerte, Lesungen und Tanz; auch eine Kindertanzcompany wurde gegründet.4 Im EnergieForum arbeiten seit 2003 Ökofirmen.5 Columbus-Haus lautet der Name für drei Bürogebäude. Das Areal wurde gerade an einen spanischen Investor verkauft. Erste Ideen sehen mehr Wohnungen als Büros vor. Derzeit ist dort das Yaam.6 Die Arena O2 World wird im September eröffnet. Für das Entertainment-Viertel ringsum werden Investoren gesucht.7 Universal Music Germany arbeitet seit 2002 im einstigen Eierkühlhaus im Osthafen. Die landeseigene Behala hat im stillgelegten Hafen fast alle Flächen verkauft.8 Das Badeschiff ist seit 2004 ein schwimmender Pool in der Spree, es gibt Musik und Barbetrieb. Im Winter wird eine Sauna aufgebaut.9 Die Brommybrücke soll wieder aufgebaut werden.10 Die Heeresbäckerei wird saniert; Lofts und Kunst sollen einziehen. Heute residiert dort das Spindler&Klatt.11 Die Verdi-Bundeszentrale steht dort seit 2004.------------------------------A Die Bar 25 und der Strandmarkt nebenan sind beliebte Party-Orte. Auch der US-Regisseur Qentin Tarantino feierte dort neben der Bahntrasse. Beide Bars laden seit 2005 ein. Wie lange noch, ist ungewiss: Die BSR als Geländeeigentümerin hat die Kündigung bereits geschickt, duldet das Strandleben aber noch weiter. Die BSR will dort auf insgesamt 82 000 Quadratmetern mehrere Gebäude errichten, in denen Büros, Hotels und Einzelhandel unterkommen. Markant ist der 82 Meter hohe Turm.Foto: HEUTE. Die Bar 25 an der Holzmarktstraße 25 gehört zu den Strandbars, die Brachflächen nutzen.Foto: MORGEN. Die BSR als Eigentümerin der Fläche plant dort das Projekt SpreeUrban mit Hotel und Büros.B Maria am Ufer heißt der Klub, der seit 2002 auf einer Brache neben der Schillingbrücke Gäste anzieht. Früher war er im alten Postverteilamt am Ostbahnhof. Doch das Gebäude wurde abgerissen. Wo die Maria jetzt ist, sollte der Neubau für die Schauspielschule Ernst Busch entstehen. Doch der Investor hat die Fläche an den Liegenschaftsfonds zurückgegeben. Der Bezirk will dort jetzt eine Grünfläche sichern. Dann könnte der Klub vorerst bleiben. Gleich nebenan sollen aber ein Hotel sowie Büros entstehen.Foto: HEUTE. Maria am Ufer kann neben der Schillingbrücke bleiben - wenn dort eine Grünfläche entsteht.Foto: MORGEN. Dieses Hotel soll am Stralauer Platz, gleich neben der Maria, entstehen.C Labels Berlin 2 wird der Neubau genannt, der im Osthafen entstehen soll. Er ist eine Erweiterung des bisherigen Showrooms, in dem Mode diverser Firmen präsentiert wird. Labels 1 residiert seit 2006 auf rund 7 000 Quadratmetern in einer denkmalgeschützten, sanierten alten Lagerhalle. 5 500 Quadratmeter groß wird der Neubau, dessen spektakuläre Fassade bereits preisgekrönt wurde. Auf seinem Dach ist eine Lounge geplant, im Neubau soll es auch öffentliche Veranstaltungen geben.Foto: HEUTE. Neben dem Ex-Lagerhaus, in dem Labels Berlin Mode ausstellt, gähnt (noch) eine Brache.Foto: MORGEN. Der Neubau für Labels Berlin 2 erhält eine auffällige Betonfassade.D Für das NH Hotel im Osthafen wird gerade die Baugrube ausgehoben. Es entsteht östlich des sanierten Getreidespeichers, in dem Designer und andere Kreative ihre Büros haben. Das 4-Sterne-Hotel mit 383 Zimmern soll sich an der Industriearchitektur des alten Hafens orientieren. Ein weiteres Gelände zwischen dem künftigen Hotel und dem Musiksender MTV wurde gerade an ein tschechisch-britisches Konsortium verkauft. Dessen Pläne sind noch unbekannt. (sk.)Foto: HEUTE. Wo im Osthafen früher ein Schrottplatz war, wird gerade eine Baugrube ausgehoben.Foto: MORGEN. An Industrie- und Hafenbauten soll die Fassade des neuen 4-Sterne-Hotels erinnern.

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