Am Morgen war schon wieder alles sauber

Mechthild Henneke
2 Min

Glasscherben, herausgerissene Pflastersteine, verbrannte Abfallcontainer - auf den Straßen rund um den Oranienplatz sah es nach den Krawallen der Nacht aus wie auf einer Müllhalde. Doch schon in den frühen Morgenstunden des Dienstags war nahezu alles aufgeräumt. "Es ist jedesmal faszinierend", sagte ein Hauswart in der Oranienstraße, "morgens um halb sechs ist alles sauber, als wenn nichts gewesen wäre." Bereits um ein Uhr nachts kam der Bereitschaftdienst der Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) zum Einsatz. "15 bis 20 Mitarbeiter waren unterwegs, um die erste Bugwelle wegzuräumen", sagte BSR-Sprecher Bernd Müller. Weil sich die Krawalle im Kiez zwischen Oranienplatz, Kottbusser Tor und Görlitzer Bahnhof konzentriert hatten, seien die ersten Maßnahmen bereits sehr effektiv gewesen. Um fünf Uhr kamen die Mitarbeiter vom zuständigen Betriebshof Kreuzberg hinzu und beseitigten die letzten Schäden. Gegen Mittag war das Viertel wieder aufgeräumt.Wieviel Müll angefallen ist, konnte Müller nicht sagen. "Die Mengen haben wir nicht erfasst." Es sei jedoch nicht "als überdimensional anzusehen". Im Vergleich sei nicht mehr Müll als in den Jahren zuvor produziert worden. Die Randalierer hatten auch Abfall-, Glas- und Papiercontainer der BSR angezündet und einige Papierkörbe beschädigt. "Die Papierkörbe werden in den nächsten Tagen ausgewechselt", sagte Müller. Die Container müssen von den Hausbesitzern neu geordert werden. Wie hoch der Schaden ist, steht noch nicht fest - sicher ist nur, dass das Land Beriln die Kosten trägt.Am Kottbusser Tor zerstörten die Demonstranten die Glasscheiben an einer Bushaltestelle. Das Wartehäuschen kostet rund 18 000 Mark, sagte Dierk Zeigert, der Sprecher der Firma Wall. Sie ist Eigentümerin des Gebäudes.Ins Schaufenster der Berliner Blindenanstalt in der Oranienstraße flog ein Pflasterstein - der Austausch der Scheibe wird rund 4 000 Mark kosten. "Es ist die zweite Scheibe in zehn Jahren", sagte Verkäufer Clemes Weidner. Er glaubt nicht, dass jemand absichtlich die Blindenanstalt schädigen wollte. "Das muss ein Irrläufer gewesen sein." Ansonsten hielten sich die Schäden an Läden im Demo-Gebiet in Grenzen. Im Café "Bateau ivre" am Heinrichplatz, wo im vergangenen Jahr zahlreiche Scheiben zu Bruch gegangen waren, blieb dieses Jahr alles heil. Sogar der Ausschank lief nachts weiter - trotz der Krawalle vor der Tür.

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