Wenn am Sonntag Riesenrad, Karussells und Achterbahn abgeschaltet und winterfest gemacht werden, könnte für den Spreepark mehr als nur die Saison zu Ende sein. Denn ob der Freizeitpark im Frühling wieder öffnet, ist ungewiss: Mit 300 000 Besuchern war es das bislang schlechteste Jahr, sonst kamen doppelt so viele. Der Betreiber ist mit rund 40 Millionen Mark verschuldet. Die Entwicklung kommt nicht überraschend: Schon vor zwei Jahren war klar, dass der Spreepark im Landschaftsschutzgebiet Plänterwald unter den gegebenen Bedingungen nicht wirtschaftlich zu betreiben ist. Es fehlen vor allem Parkplätze. Das belegt ein Gutachten einer Hamburger Unternehmensberatungs-Firma. Darin wird dem Spreepark bescheinigt, dass er ein attraktives Angebot vor allem für junge Gäste bietet. Seine Größe reiche für jährlich 500 000 Besucher aus. Aber: "Für den optimalen Betrieb des Spreeparks sollten dementsprechend 900 Stellplätze zur Verfügung stehen." Der Spreepark hat keine eigenen Stellplätze, die Besucher parken irgendwo im Wohngebiet. Das Gutachten, das der "Berliner Zeitung" vorliegt, blieb in den Schubladen der Ämter. Der Spreepark-Betreiber selbst erfuhr davon erst vor wenigen Tagen. "Man hat uns jahrelang verschaukelt", sagt Norbert Witte von der Spreepark GmbH. Es müsse geklärt werden, ob Berlin einen Vergnügungspark haben will. Wenn ja, müssten dafür Bedingungen geschaffen werden. Den Behörden wirft Witte falsches Spiel vor: "Ein Jahr, nachdem der Erbbaupachtvertrag unterschrieben war, hat Berlin den Plänterwald - mit Ausnahme unserer 21 Hektar - unter Landschaftsschutz gestellt." Parkplätze sind in solch einem Gebiet nicht erlaubt. Die Folge: Besucher blieben weg und Investoren auch. In der Senatsverwaltung heißt es, das Gutachten sei erstellt worden, weil man sehen wollte, ob die Dauerkritik des Spreepark-Betreibers berechtigt sei. Jedoch seien 900 Parkplätze im Landschaftsschutzgebiet nicht machbar: "Dass wir mehrere Hektar Wald roden, ist der Öffentlichkeit nicht zu vermitteln", sagt Christian Muhs, zuständig für Landschaftsplanung und Naturschutz. Dem ehemaligen Bezirk Treptow als direktem Spreepark-Partner wirft Muhs vor, nicht genug für das Unternehmen getan zu haben. Das weist Baustadtrat Dieter Schmitz (SPD) zurück. "Ich habe Herrn Witte voriges Jahr vergeblich gebeten, ein Konzept für seine Forderungen vorzulegen." Zudem sei allen Beteiligten schon 1994 bekannt gewesen, dass der Plänterwald Landschaftsschutzgebiet werden sollte. Daran, ob er mit dem Spreepark-Betreiber über das Gutachten gesprochen habe, kann sich Schmitz nicht mehr erinnern. Norbert Witte hat genug von Konzepten: "Wir haben jahrelang Konzepte erstellt, alles ist abgelehnt worden." Er denkt daran, woanders neu anzufangen. In Karlshorst will er zusammen mit einem Medienunternehmen einen "Mediapark" aufbauen. Investoren stünden bereit. Doch auch die Wuhlheide, die an das Areal grenzt, soll Landschaftsschutzgebiet werden.Kulturpark, Spreepark, Landschaftspark // Der Beginn: 1969, zum 20. Geburtstag der DDR, wird der Kulturpark Plänterwald eröffnet. In der Nähe gibt es auch einen Dauerstandort für Zirkus-Gastspiele.Die Wende: 1990 wird der Freizeitpark ausgeschrieben. Die Spreepark GmbH erhält den Zuschlag für 21 Hektar. 1997 wird mit dem Senat ein Erbbaupachtvertrag unterschrieben.Der Vertrag: Darin verpflichtet sich der Park-Betreiber auch zur Sanierung der Ausflugsgaststätte Eierhäuschen neben dem Spreepark.Der Naturschutz: 1998 wird der Plänterwald Landschaftsschutzgebiet. Parkplätze und Biergarten dürfen nicht mehr gebaut werden.BERLINER ZEITUNG/WULF OLM Auf und ab rast man in der Achterbahn im Spreepark. Mit dem Freizeitpark geht es zurzeit nur noch abwärts.
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