Amerikanische Forscher haben herausgefunden, warum auch Affen gerne Prominente betrachten

Lieber Stars als Kirschsaft

Stephan Mueller
3 Min

NEW YORK, 12. April. Ob Heidi Klum, Brad Pitt, Jennifer Lopez oder Paris Hilton - die meisten Menschen sind fasziniert von Prominenten. Dass wir da etwas mit den Affen gemeinsam haben, mag Zyniker nicht verwundern, doch jetzt ist diese Gemeinsamkeit wissenschaftlich bewiesen. Michael Platt, Neurobiologe an der Duke University im US-Bundesstaat North Carolina, hat ein Experiment mit zwölf Rhesusaffen geleitet, das verstehen hilft, warum uns Stars so anziehen.Nahrung, Macht und SexZwölf durstige, männliche Rhesusaffen wurden vor die Wahl gestellt, entweder einen Schluck von ihrem Lieblingssaft zu bekommen - in diesem Falle Kirschsaft - oder Computerbilder von sozial höher gestellten Affen im Rudel betrachten zu dürfen. Trotz ihres Durstes wählten die meisten Affen die Bilder der Rudel-Prominenz."Was wir Menschen prominent nennen, ist natürlich bei den Affen nichts anderes als sozialer Status", sagt Dr. Platt. Affen mit hohem sozialem Status haben alles, was andere Affen begehren: Nahrung, Macht und sexuelle Anziehungskraft. Die "Sucht" der Affen nach Promi-Fotos ging so weit, dass sie nicht willens waren, Bilder von rangniedrigen Affen anzuschauen. Um das zu tun, mussten sie mit Extra-Portionen Fruchtsaft bestochen werden. Interessanterweise waren die Promi-Affen beim gleichen Test genauso interessiert an Fotos anderer Promi-Affen.Für Platt ist das schlicht ein Reflex auf das schnelle Auf und Ab in der Promi-Welt der Affen. "Ein Affe, der heute an der Spitze des Rudels steht, kann morgen weg vom Fenster sein, weil ein neuer hochrangiger oder stärkerer Affe aufgetaucht ist oder weil das soziale, beschützende Netzwerk, das der alte Rudelführer aufgebaut hat, plötzlich auseinander fällt." Faszinierend war in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, dass die getesteten Affen nicht in einer Affenkolonie, sondern in Zweiergruppen leben. Ihre Entscheidung, wer ein VIP war, basierte nicht auf körperlichem Kontakt mit den Star-Affen oder ihrem Revierverhalten, sondern hauptsächlich auf Beobachtungen im Gesicht des abgebildeten Affen. Ziel des Experiments war es, herauszufinden, wie das Gehirn visuelle Informationen über sozialen Status aufnimmt und verarbeitet. Die Forscher wollen so mehr lernen über das, was sie das "soziale Räderwerk des Gehirns" nennen.Laut Platt und seinem Team sind soziale Bedingungen beim Menschen und beim Affen evolutionär gesehen von nahezu gleicher Wichtigkeit. Die Forscher sind jetzt dabei, die Nervenbahnen und neurophysiologischen Mechanismen zu untersuchen, die mitentscheiden, welche Objekte als sozial beachtenswert eingestuft werden. "Es gibt Krankheitsbilder wie zum Beispiel beim Autismus oder bei so genannten Angststörungen, wo dieser Verarbeitungsprozess massiv gestört ist und das Gehirn sozusagen keine Motivation sieht, andere oder die Umwelt zu beachten." Mehr über diesen Prozess zu wissen, heißt letztlich der Ursache der Krankheit näher zu kommen.Im Experiment, das ironischerweise "Monkey Pay-Per-View" betitelt ist, waren die männlichen Affen auch bereit, etwas von ihrem Fruchtsaft abzugeben, wenn sie als Gegenleistung Hinterteile weiblicher Affen betrachten durften. Darüber mussten selbst die sonst so ernsten Wissenschaftler lachen, weil die Parallelen zum menschlichen Verhalten mehr als offensichtlich sind, ohne dass man gleich - wie die US-Presse das getan hat - von "Affen-Pornografie" sprechen muss. Und wenn man so an Prominente und das Betrachten von Hinterteilen denkt, dann ist auch klar, warum Jennifer Lopez in der menschlichen Promi-Skala so weit oben rangiert.------------------------------Foto: Michael Platt, Neurobiologe in North Carolina, kennt sich mit Affen aus.

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