Wir fluten jetzt" - mit diesem Codewort treten die Grenzsoldaten an der Bornholmer Brücke endgültig zur Seite und lassen die DDR-Bürger ungehindert und unkontrolliert von Ost nach West durch. Das war am späten Abend des 9. November 1989, gegen 23.30 Uhr. Schon seit gut zwei Stunden durften die Ost-Berliner den Grenzübergang passieren - ohne Ausreisepapiere und nur mit DDR-Ausweis. Insgesamt waren es in der ersten Stunde nach dem Mauerfall mehr als 20 000 Menschen. An diese Ereignisse vor 20 Jahren wird an der Bornholmer Brücke künftig ein Platz des 9. November erinnern.Der Platz wird auf der nördlichen Seite der Straße in Prenzlauer Berg angelegt. Dort stehen noch fast 155 Meter Hinterlandmauer, letzte Zeugnisse der Teilung Berlins. Genau dort standen vor 20 Jahren auch tausende Menschen und drängten die Soldaten, nach den Ankündigungen im Fernsehen endlich den Weg in den Westen frei zu machen. "Der 9. November war ein Tag der Freude", sagt AW Faust vom Berliner Planungsbüro Sinai. Das Büro hatte in der vergangenen Woche den Wettbewerb zur Gestaltung des Platzes gewonnen.Schlichtes KonzeptDas Konzept für den Platz ist schlicht. Senkrecht zur Hinterlandmauer werden rostige Stahlbänder in den Boden eingelassen. Uhrzeiten und Textfragmente sind darauf zu lesen und erinnern an die wesentlichen Momente dieses 9. November. Geht man die Mauer Richtung Westen entlang, kann man den damaligen Tag noch einmal erleben. Die Zeit 9 Uhr steht etwa für die Lagebesprechung der Grenzsoldaten. 18.53 Uhr verkündete SED-Politbüromitglied Günter Schabowski die neuen Reiseregelungen für Privatreisen, gemeint waren die Reisen in das westliche Ausland. 21.20 Uhr wurde der Übergang Bornholmer Straße als erster in der DDR geöffnet. Und 22.42 Uhr sprach Moderator Hajo Friedrichs in den Tagesthemen schon vom 9. November als "historischen Tag"."Wir haben die chronologischen Ereignisse des Tages bewusst in den Vordergrund gestellt", sagt Faust. Mit dem rostigen Stahl greife man auch ein Gestaltungselement anderer Mauergedenkstätten wie dem Mahnmal an der Bernauer Straße oder den Informations-Stelen auf. Der Platz des 9. November gliedert sich in mehrere Bereiche. Von Osten kommend werden vereinzelt Zierkirschen gepflanzt, diese besondere Art blüht im Herbst. Die Bäume stehen immer dichter, bis sie einen kleinen Hain bilden. "Der Kirschhain steht dafür, wie die Menschen zur Brücke geströmt sind. Wie sie fröhlich und optimistisch waren", sagt Rainer Klemke, Gedenkstättenreferent in der Senatskanzlei. Zum neuen Platz gehören zwischen dem Kirschhain und der Bastion an der Brücke auch große Informationstafeln, die drehbar sind. Bisher gibt es an der Südseite der Bornholmer Brücke nur einen Gedenkstein mit dem Willy-Brandt-Zitat "Berlin wird leben, und die Mauer wird fallen". Außerdem steht dort eine rund vier Meter hohe Stele. Der Gedenkstein werde nun umgesetzt und in den neuen Platz integriert, so Faust.Wie Kulturstaatssekretär André Schmitz sagt, sei das Sinai-Konzept "eine emotional berührende, hoch informative und stadträumlich ansprechende Lösung, die das dezentrale Gesamtkonzept Berliner Mauer wirkungsvoll ergänzt". Das Büro Sinai hatte bereits den Wettbewerb zur Gestaltung der Open-Air-Ausstellung in der Bernauer Straße gewonnen. Die Bauarbeiten am Platz sollen noch im Herbst beginnen, zu den Feiern am 9. November soll an der Brücke ein Bauschild mit den Planungen aufgestellt werden. Die Gestaltung soll im Sommer 2010 abgeschlossen sein. Die Kosten von 350 000 Euro werden aus Mitteln des ehemaligen SED-Vermögens finanziert.------------------------------Feiern an der BrückeDer Platz des 9. November entsteht auf der Nordseite der Bornholmer Straße in Prenzlauer Berg. Er reicht von der Bösebrücke (Bornholmer Brücke) bis fast an die Björnsonstraße heran. Dort steht noch ein 155 Meter langer Abschnitt der Hinterlandmauer.Die Gestaltung erfolgt nach einem Konzept des Planungsbüros Sinai. Dazu gehören in den Boden eingelassene Stahlbänder sowie Zierkirschen, die einen Hain bilden. Die Zierkirschen blühen im Herbst, ihre Stämme werden beleuchtet.Zu den Feiern am 9. November an der Bornholmer Brücke wird auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet. Sie soll gemeinsam mit dem polnischen Ex-Präsidenten Lech Walesa sowie dem früheren Präsidenten der Sowjetunion Michael Gorbatschow gegen 15 Uhr über die Brücke gehen.------------------------------Karte: Das Konzept für den Park: Noch in diesem Herbst ist Baubeginn.Foto: Der Park liegt an der Hinterlandmauer.Foto: An der Hinterlandmauer in der Bornholmer Straße soll künftig ein Platz an den 9. November 1989 erinnern.
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