An der neuen Spandauer Schleuse beginnt der Probebetrieb / Mitte Juli wird sie übergeben

Ein Becken voller Havel

Matthias Kunert
3 Min

Trotz seiner 1,90 Meter Körperhöhe wirkt Mathias Perkuhn winzig klein. Ganz allein steht er in acht Meter Tiefe und dreht die Einlassventile auf: Dann fließt zum ersten Mal Havelwasser in die neue Spandauer Schleusenkammer. "Ist ja eigentlich keine Arbeit für einen Taucher", sagt Perkuhn danach, "aber wenn was schief gegangen wäre, hätte man ganz schnell unter Wasser stehen können."Baudirektor Hans-Jürgen Heymann ist nach dem Test wesentlich gelassener: "Wir werden den Übergabetermin Mitte Juli halten können", sagt der Chef des Wasserstraßen-Neubauamtes Berlin. Es war ein komplizierter Bau. "Der morastige Untergrund und die unmittelbare Nachbarschaft von Zitadelle und Spandauer Altstadt haben uns manches Problem bereitet", sagt Heymann. So mussten die Stahlpfeiler mit einem Spezialgerät erschütterungsarm in den Boden gepresst werden, statt sie konventionell mit einer Ramme in den Untergrund zu stampfen. Während die Schleusenkammer langsam voll Wasser läuft, kann man viele ihrer Bestandteile noch so vollständig sehen, wie es dann bis zur nächsten Trockeninspektion in etwa ein bis zwei Jahren nicht mehr möglich sein wird: Das mächtige Hydraulikgestänge, das am oberen Tor das 40 Tonnen schwere Drucksegmenttor zum Öffnen flach legt oder es zum Schließen in die senkrechte Position schwenkt. Die so genannten Pumpensümpfe - Vertiefungen an den tiefsten Stellen der Kammersohle, aus denen beim vollständigen Trockenlegen das Restwasser gepumpt wird. Oder die Unterkanten der 6,50 Meter hohen und jeweils 25 Tonnen schweren Torflügel am unteren Tor. Zwischen der von Norden kommenden Oberhavel und der im Süden abfließenden unteren Havel ist ein Wasserstandsunterschied von durchschnittlich zwei Metern. Beim regulären Schleusenbetrieb wird dieser Unterschied in sechs Minuten ausgeglichen. Jetzt im Probelauf, während gleichzeitig noch Dichteprüfungen vorgenommen werden, dauert es mehrere Stunden, bis sich die Kammer füllt.In der obersten Etage des zweistöckigen Schleusenwärterhauses sitzt Henry Drescher von der Brandenburger Computerfirma Eltro und programmiert die Steuerung. Der moderne Schleusenwärter muss die Tore nicht mehr mit einer Kurbel bedienen, er macht das per Mouseklick. Und statt durch die Panoramascheiben blickt er auf acht Monitore. Von hier oben aus werden auch die Ampeln für die Bootsführer gesteuert. Sie sind schon jetzt in Betrieb, stehen aber auf Dauer-Rot. Mitte Juli schalten sie um.Mit langer Tradition // Vorgänger: Seit mehr als 450 Jahren wird zwischen Oberhavel und Unterhavel geschleust. Die 1910 gebaute 67 Meter lange Schleuse wurde im Mai 1993 wegen Rissen geschlossen.Neubau: Am 31. 8. 1998 wurde für die Neue der Grundstein gelegt. Sie kostet 40 Mio. Euro. Die Kammer ist 115 Meter lang, 12,50 Meter breit und fasst 11 100 Kubikmeter Wasser.Schleusung: Ein Schleusengang dauert etwa eine halbe Stunde. Die Schleuse erspart Wassersportlern und Binnenschiffern 15 Kilometer Umweg über Spree und Hohenzollernkanal.Foto: BERLINER ZEITUNG/GERD ENGELSMANN In acht Meter Tiefe dreht Taucher Mathias Perkuhn die Einlassventile auf und zum ersten Mal fließt Havelwasser in die neue Schleusenkammer.

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