An die Euroworld-Pläne mag kaum einer glauben

Teure Fantasien für Sperenberg

Jürgen Schwenkenbecher
2 Min

LUCKENWALDE. Vielleicht war es nicht allzu geschickt, dass sich Jürgen Kahl, der Unternehmer aus Westfalen, ausgerechnet Brandenburg ausgesucht hat, um seinen Traum zu verwirklichen. Gescheiterte Großprojekte wie Cargolifter und Chipfabrik machen skeptisch. Und Kahl will auf dem Gelände des früheren russischen Flugplatzes in Sperenberg (Teltow-Fläming) etwas schaffen, das alles Bisherige in den Schatten stellt. Sein Mini-Europa soll 6,1 Milliarden Euro kosten - zunächst einmal. Dafür soll das Gelände dekontaminiert und erschlossen werden sowie die Infrastruktur entstehen. Sein Problem ist nur, dass ihm kaum jemand glaubt.Landesregierung und Landkreis halten das Projekt schlicht für unseriös. Immerhin ließe sich für diese Summe der Hauptstadtflughafen BBI drei Mal bauen. 30 000 Menschen pro Tag sollen die Euroworld, wo sich 47 Länder nach deren eigenen Vorstellungen präsentieren sollen, ab September 2013 besuchen, 10 000 Menschen Arbeit finden.Am Freitag versicherte Kahl, im Prinzip seien die entscheidenden Fragen geklärt. Nur das Potsdamer Finanzministerium spiele noch nicht mit. Dort liege seit zwei Tagen das Angebot einer "großen europäischen Bank" vor, die Euroworld mit mehr als sechs Milliarden Euro zwischenzufinanzieren. Das 45 Quadratkilometer große Areal, dessen größter Teil sich noch im Besitz des Bundes befindet, solle in drei Jahren an Investoren verkauft werden und die Bank ihr Geld zurückerhalten. Und die Investoren sollen weiter investieren - bis zu einer Gesamtsumme von 18 Milliarden Euro. "Wir benötigen nur die schriftliche Absichtserklärung des Finanzministeriums, dass die Fläche an uns verkauft werden soll", sagte Kahl. Das verlange die Bank, die freilich ungenannt bleiben will. Auch Investoren wollte er nicht benennen. Aber vielleicht ändert sich das ja, wenn Kahl am kommenden Dienstag erneut vor die Presse tritt.Das Nachrichtenmagazin Spiegel bezeichnete Kahl unlängst als Wirtschaftskriminellen. Tatsächlich wurde er 2004 in München wegen Insolvenzverschleppung verurteilt. "Die 18-monatige Bewährungsstrafe läuft 2007 aus", sagte er. In der Schweiz gebe es ein schwebendes Verfahren wegen "Unregelmäßigkeiten im kaufmännischen Bereich" eines Seniorenheims. (sj.)

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