SCHÖNEBERG. Hier wohnte in dem früheren Haus Liane Berkowitz geb. 7.8.1923 ermordet 5.8.1943", steht auf einer Tafel. Sie hängt hoch oben an einem Haus am Viktoria-Luise-Platz 1. Wer Liane Berkowitz war, ist aus dem Text auf der Tafel zu erfahren: "Sie war Abiturientin am Heil schen Abendgymnasium und arbeitete in der dortigen Widerstandsgruppe der Roten Kapelle gegen das Nazi-Regime. Gemeinsam mit elf weiteren Frauen wurde sie in Plötzensee hingerichtet. Ihr in Haft geborenes Kind kam in ein SS-Kinderheim."An mehr als 60 Fassaden von Schöneberger Häusern erinnern Gedenktafeln an Einwohner des Bezirks. Musiker und Schriftsteller sind die einen. Die anderen arbeiteten politisch. Dieser Gruppe hat sich Andreas Wilcke angenommen. Als Bezirksverordneter kümmerte er sich jahrelang darum, daß Kämpfer für Freiheit und Gerechtigkeit ein Andenken an ihren Wohnorten erhielten. Wilcke kann zu jeder Tafel eine Geschichte erzählen. "Hier wohnte Eduard Bernstein", sagt er und zeigt auf die Tafel an der Bozener Straße 18. Bernstein war Sozialdemokrat und Anfang des Jahrhunderts Mitglied des Deutschen Reichstages. An der Nördlinger Straße 8 erinnert eine Tafel an Rudolf Breitscheid, ebenfalls sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneter, der 1944 in Buchenwald umgekommen ist. Rosa Luxemburgs bronzenes Andenken konnte an der Cranachstraße 58 nicht angebracht werden, weil der Hauseigentümer es nicht zuließ. Jetzt hängt die Tafel an einem Baum vor dem Haus.Etwa 3 000 Mark kostet so eine Erinnerung. Der Verwaltungsaufwand ist enorm, denn die Geschichte der Person, die geehrt werden soll, muß genauestens recherchiert werden, um Fehler zu vermeiden. "Ein Jahr vergeht zwischen Idee und Realisierung", sagt Wilcke. (juli.)
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