Anführer der Rebellen in Polizeigewahrsam erschossen

Harter Kampf gegen Islamisten in Nigeria

Frank Räther
3 Min

JOHANNESBURG. Die nigerianische Armee hat die Stadt Maiduguri, wo es seit Tagen zu heftigen Kämpfen mit islamistischen Terroristen kommt, gestürmt. Der Anführer der Rebellen, Mohammed Yusuf, wurde verhaftet, als er versuchte, mit 300 Anhängern aus seinem Stützpunkt zu fliehen. Später meldete der Polizeichef von Borno im staatlichen Rundfunk, der 39-Jährige sei in "Polizeigewahrsam gestorben". Ein Sprecher der Provinzregierung sagte, er habe die Leiche gesehen. "Ich glaube, er wurde erschossen, als er zu fliehen versuchte." Yusuf stand an der Spitze der Sekte, die sich Boko Haram (Bildung ist verboten) nennt. Sie hat zeitweilig sechs Stadtviertel unter ihre Kontrolle gebracht und missbrauchte bei den Kämpfen Einwohner als lebendige Schutzschilde.Die Armee hat 1 000 zusätzliche Soldaten in die Stadt gebracht und erhielt von Staatspräsident Umaru Yar Adua den Befehl, "mit den nigerianischen Taliban ein für alle Mal Schluss zu machen". Allein in Maiduguri im Bundesstaat Borno gab es über 200 Tote. Mehr als 100 Menschen starben bei Kämpfen in drei benachbarten Bundesstaaten im muslimischen Norden Nigerias. Die Identifizierung der Leichen ergab, dass zahlreiche Milizionäre der Sekte aus den Nachbarländern Niger und Tschad stammen.Nicht nur die seit 2004 immer wieder Angriffe verübenden "nigerianischen Taliban" sind im muslimischen Gürtel Afrikas zwischen Mauretanien und Somalia aktiv, sondern auch andere Gruppen islamistischer Fanatiker. Die in Algerien vor eineinhalb Jahrzehnten entstandene "Salafisten-Gruppe für Gebet und Kampf" hatte sich vor zweieinhalb Jahren in "El Kaida im Maghreb" umbenannt und sieht sich als Teil einer weltweiten Front islamistischen Terrors. Sie verübt Sprengstoffanschläge und Selbstmordattentate in Algerien mit bisher weit über 1 000 Opfern.Nach einer Großoffensive der algerischen Armee 2003 zogen sich viele Anhänger in die Weite der Sahara zurück und sind inzwischen auch in Mali, Niger, Tunesien, Mauretanien, Tschad und Burkina Faso aktiv. Ihr Ziel ist die Errichtung eines riesigen Kalifats mit strikter islamischer Gesetzgebung. Internationale Schlagzeilen machten sie mit Entführungen westlicher Touristen. Damit wollen sie vor allem Lösegeld erpressen, um Waffen, Fahrzeuge und Satellitentelefone zu kaufen.El Kaida setzt auf SomaliaWeitere Einnahmequellen sind Schmuggel, Schutzgelderpressung und Überweisungen von Anhängern in europäischen Ländern. So verhaftete die Polizei in Spanien vor einem Jahr acht Männer einer Zelle der Terrorgruppe. Auch in Deutschland, Großbritannien, Italien, Portugal und den Niederlanden wurden Terroristen mit Verbindung zur "El Kaida im Maghreb" festgenommen.In Somalia sind die radikalen Islamisten kurz davor, ihr Ziel zu erreichen. Hisbul Islam und die El-Shabab-Miliz kontrollieren den größten Teil Zentral- und Südsomalias und etwa die Hälfte der Hauptstadt Mogadischu. Sie streben eine fundamentalistische Auslegung der Scharia und eine religiöse Diktatur an, obwohl die Mehrheit der Somalier moderate Muslime sind. Die Shabab steht auf der US-Terror-Liste und soll enge Verbindungen zu El Kaida haben. Die hat Interesse, den zerfallenen Staat zu einer Basis für Terroraktivitäten zu machen.------------------------------Karte: Afrika, überwiegend islamische Bevölkerung

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