Angriff auf Bagdad könnte Rezession auslösen und Inflation anheizen

US-Ökonomen warnen vor Preis eines Irak-Krieges

Peter De Thier
3 Min

WASHINGTON, 25. August. Die US-Regierung bemüht sich weiterhin intensiv, eine internationale Allianz für einen Angriff auf Irak zusammenzubekommen. Für Dienstag hat Präsident George W. Bush den saudischen Botschafter auf seine Ranch in Texas eingeladen, um mit ihm über das Thema zu sprechen. Gleichzeitig wird jedoch in Washington spekuliert, das Weiße Haus habe Pläne für eine gewaltsame Entmachtung Saddam Husseins vorläufig auf Eis gelegt - nicht nur wegen des wachsenden Widerstands im In- und Ausland, sondern auch aus Sorge vor den wirtschaftlichen Konsequenzen. Namhafte Ökonomen warnen, ein neuer Golfkrieg könnte die ohnehin schwächelnde Konjunktur wieder in eine Rezession stürzen. Ölkrise befürchtetDie größte Sorge gilt dabei dem Ölmarkt. Ein Angriff auf Irak könnte zu Lieferengpässen, Preissteigerungen und somit beim weltgrößten Importeur USA zu einem deutlichen Anstieg der Inflationsrate führen. Fünf Länder, die von einem Krieg unmittelbar betroffen sein könnten, bestreiten über vierzig Prozent der globalen Rohölexporte: Irak, Iran, Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate. Strategen in der Bush-Administration befürchten nun Unruhen in Iran, sollte das Nachbarland Irak angegriffen werden. Hinzu komme die Unberechenbarkeit des irakischen Diktators. Wie der Einmarsch in Kuwait im August 1990 beweise, scheue Saddam Hussein keineswegs militärische Schritte und Provokationen gegenüber Nachbarstaaten. Auch Übergriffe auf Saudi-Arabien seien nicht auszuschließen. "Wenn diese vier Staaten mit ihrer dominanten Rolle innerhalb der Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) auch nur indirekt in einen Krieg hineingezogen werden, dann werden die Ölpreise in die Höhe schießen", ist der Nationalökonom Charles Nelson überzeugt. Dies würde an den Finanzmärkten die nächste schwere Vertrauenskrise auslösen und auch unmittelbar auf die Verbrauchererwartungen durchschlagen. Obwohl die ökonomischen Kosten schwer zu beziffern sind, streiten sich Experten über die zu erwartenden Auswirkungen eines Irak-Krieges auf die mittelfristigen Konjunkturperspektiven in den USA. Häufig wird die Parallele gezogen zum Golfkrieg vor elf Jahren, dessen Beginn ebenfalls mit dem Ende einer hartnäckigen Rezession zusammenfiel. Die damals als Erfolg gefeierte "Operation Wüstensturm" entfachte in den USA einen glühenden Patriotismus, der sowohl im Konsumverhalten als auch in der Investitionsbereitschaft der Unternehmen positiv zu Buche schlug und den Weg ebnete für die längste Expansion der Nachkriegsära. Nur die Rüstung boomtMartin Baily, unter Bushs Vorgänger Bill Clinton Leiter des wirtschaftlichen Beraterstabs CEA, steht diesem Vergleich allerdings skeptisch gegenüber. Zwar sei die US-Rüstungsindustrie größter Nutznießer der laufenden Kriegsvorbereitungen. Viele andere kostenintensive Maßnahmen im so genannten Krieg gegen den Terror würden aber "keinen Output bewirken" und seien daher nicht konjunkturstimulierend. Als Beispiel nennt er verschärfte Sicherheitsmaßnahmen im In- und Ausland, die bis zu fünfzig Milliarden Dollar kosten werden, doch keinen Beitrag zum Sozialprodukt leisten. Dave Richardson vom Institute for International Economics befürchtet, dass ein Krieg zu einem Rückzug insbesondere amerikanischer Investoren aus der Krisenregion führen wird. So erwögen bereits US-Textilunternehmen, die Produktion in Pakistan wegen der im Gefolge eines Krieges zu erwartenden politischen Unruhen einzustellen. Werde die Produktion aus Billiglohnländern abgezogen, könnte dies ebenfalls höhere Preise für den Endverbraucher in Amerika nach sich ziehen und - gemeinsam mit der zu erwartenden Ölkrise - die Inflation kräftig anheizen. Darüber hinaus weisen Experten darauf hin, dass der Krieg gegen einen "unsichtbaren Gegner", nämlich die Terroristen, auch mit versteckten Kosten verbunden ist. Trotz anhaltender Kompetenzstreitigkeiten mit dem Pentagon hat die Bedeutung des Geheimdienstes CIA zweifellos zugenommen, insbesondere in Afghanistan. Die Kosten für die zusätzlichen CIA-Operationen dort gehen vermutlich in die Milliarden. Kaum anders würde es sich im Falle einer militärischen Aktion gegen Irak verhalten.

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