SANTIAGO/WASHINGTON, 10. November. Die chilenische Regierung will im Falle einer Bestätigung des Haftbefehls gegen Ex-Diktator Augusto Pinochet dessen Abschiebung aus Großbritannien beantragen. Innenminister Raul Troncoso sagte am Montag im chilenischen Fernsehen, er werde "humanitäre Gründe" anführen. Außenminister Jose Miguel Insulza wies Forderungen nach einem Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Spanien aufgrund des spanischen Auslieferungsersuchens von sich. Troncoso zeigte sich zuversichtlich, daß die Lordrichter des Oberhauses die Aufhebung des Haftbefehls bestätigen werden. Ein mögliches Verfahren gegen den 82jährigen stellt Troncoso zufolge keine Gefahr für die Stabilität und den Demokratisierungsprozeß in Chile dar. Das hatten Pinochets Anwälte in London behauptet. Chiles Präsident Eduardo Frei räumte in Santiago ein, daß die Versöhnung in Chile noch keine Realität sei.Insulza sagte, ein Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Madrid würde nichts nützen. "Mit wem brechen wir anschließend? Mit Großbritannien, Frankreich, Italien?" sagte Insulza unter Anspielung auf die in mehreren europäischen Ländern eröffneten Verfahren gegen Pinochet. Chile hatte im Anschluß an Spaniens Auslieferungsantrag seinen Botschafter aus Madrid zurückberufen. Die auf zwei Tage angesetzte Anhörung vor dem britischen Oberhaus über die Rechtmäßigkeit des Haftbefehls ging am Dienstag in den vierten Tag. Die USA dementierten Berichte, wonach sie Pinochets Auslieferung beantragt haben. (AFP)
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