Die polnische Polizei hat Informationen über einen möglichen Anschlag auf Ministerpräsident Donald Tusk und Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz erhalten. Das teilte die Sprecherin des Innenministeriums, Karolina Gałecka, am Sonntag auf X mit. Innenminister Marcin Kierwiński und der für die Geheimdienste zuständige Minister Tomasz Siemoniak hätten daraufhin Maßnahmen angeordnet.
Welche Informationen bei der Polizei eingingen und wie konkret die mögliche Bedrohung ist, wurde zunächst nicht bekannt. Die bisher veröffentlichten Angaben belegen keinen bereits unternommenen Anschlagsversuch. Auch zu möglichen Verdächtigen oder Vorbereitungen für eine Tat machten die Behörden zunächst keine Angaben.
Nach Informationen des polnischen Nachrichtenportals Wirtualna Polska werden die Hinweise innerhalb der Regierung ernst genommen. Das Portal beruft sich auf nicht namentlich genannte Regierungskreise, die die Wahrscheinlichkeit eines Anschlags als erheblich eingeschätzt hätten. Woraus sich diese Einschätzung ergibt, blieb offen. Die Behörden bestätigten sie zunächst nicht öffentlich.
Polens Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz. Auch auf ihn soll ein Mordanschlag geplant worden sein.
© Dominika Zarzycka/ZUMA Press/imago
Sicherheitsbehörden beraten über Hinweise
Am Sonntag um 11 Uhr sollte laut Gałecka eine Besprechung im Antiterrorzentrum des polnischen Inlandsgeheimdienstes ABW stattfinden. Daran sollten Vertreter der Polizei, des staatlichen Personenschutzdienstes SOP und der ABW teilnehmen. Ergebnisse dieser Beratungen lagen zunächst nicht vor.
Auch Jacek Dobrzyński, Sprecher des Geheimdienstkoordinators, informierte in den sozialen Medien über das geplante Treffen. Nach seiner Mitteilung betrifft der bei der Polizei eingegangene Hinweis sowohl Tusk als auch Kosiniak-Kamysz, der neben dem Verteidigungsressort auch das Amt des stellvertretenden Regierungschefs innehat.
Das polnische Fachportal Defence24 berichtete, es sei bislang unklar, auf welchen Anhaltspunkten der Verdacht beruhe. Ebenso wenig sei bekannt, ob die Sicherheitsbehörden eine unmittelbare Gefahr bestätigt hätten.
Verstärkte Kontrollen nach Schulangriffen
Die Mitteilung fällt in eine Zeit erhöhter Wachsamkeit nach mehreren Messerangriffen an polnischen Schulen. Bei einer Attacke in Leszczydół-Nowiny nordöstlich von Warschau wurde am Donnerstag eine 37-jährige Schulmitarbeiterin getötet. Zwei weitere Menschen wurden verletzt. Bereits am Mittwoch hatte es einen Messerangriff an einer Berufsschule in Ostrołęka gegeben.
Nach diesen Taten ordnete Tusk regelmäßige Polizeikontrollen an Schulen an. Am Sonntagmorgen erklärte der Regierungschef laut Associated Press, die bisherigen Erkenntnisse zu den Schulangriffen deuteten auf spontane, durch Internetaktivitäten angeregte Gewalttaten hin. Es gebe keine Hinweise auf eine in großem Umfang organisierte Gruppe.
Ein Zusammenhang zwischen den Schulangriffen und den nun bekannt gewordenen Hinweisen auf einen möglichen Anschlag auf die beiden Regierungsmitglieder wurde in den vorliegenden Mitteilungen nicht genannt.
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