Anteilnahme statt Kontrolle

Jutta Kramm
2 Min

Der qualvolle Tod des Kevin aus Bremen, sein kleines entsetzliches Leben hat vielen in Deutschland die Augen geöffnet. Kevin hat uns gezeigt, was Erwachsene in dieser hochzivilisierten, wohlhabenden Gesellschaft Kindern, also den Schwächsten, Wehrlosesten, antun. Und er hat gezeigt, wie Misshandlungen toleriert werden: durch Überforderung und Gleichgültigkeit, durch Bürokratenwesen, Dummheit und Prinzipienreiterei auf dem Amt. Immer häufiger werden solche Schicksale bekannt. Laut Unicef sterben in Deutschland jede Woche zwei Kinder an den Folgen von Vernachlässigung oder Misshandlung. Das war wahrscheinlich auch in den vergangenen Jahrhunderten so - es ist gut, dass wir heute mehr über das Schreckliche erfahren und überlegen, wie es zu ändern sei.Was der Fall des Kevin auch lehrt ist dies: Selbst schärfste Vorschriften wirken nicht, wenn Nachbarn wegsehen, obwohl Eltern versagen, wenn Jugendhelfer nicht eingreifen, obwohl sie gewarnt sind. Insofern hat Ministerin von der Leyen recht. Sie warnt vor Aktionismus und Bevormundung, sie lehnt einen Generalverdacht des Staates gegenüber Eltern ab. Sie verweist zurecht auf das im Grunde gut funktionierende System der Familienhilfe und auf das Jugendrecht. Mit der simplen Einrichtung neuer Kontrollen (Stichwort ärztliche Pflichtuntersuchung) wäre wenig gewonnen, das wäre ein Versuch kollektiver Selbstberuhigung. Das Konzept der Ministerin - frühe Unterstützung für die, die Hilfe brauchen - ist der erfolgversprechendere Ansatz.

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