Am Ende wurde es schwarz. Ende September schickte Anthony Vaccarello 49 vollständig goldene Looks über den Laufsteg, zum Schluss folgten zehn ganz in Schwarz.
An jenem Abend vor Eiffelturm-Kulisse konnte man das noch als Andeutung verstehen. Nun ist es offiziell: In einer knappen Mitteilung gab das Modehaus seinen Abschied bekannt und kündigte an, die neue kreative Leitung bald vorzustellen. Der Designer selbst veröffentlichte auf Instagram einen Zusammenschnitt seiner Kollektionen für das Haus und schrieb nur knapp dazu: A bientôt - also bis bald.
Vaccarello hatte den Posten im April 2016 als Nachfolger von Hedi Slimane übernommen. In den folgenden Jahren entwickelte er eine klare Handschrift: scharfe Schnitte, schmale Silhouetten, Leder, Abendmode und zunehmend filmische Inszenierungen.
Statt das Haus neu zu erfinden, griff er immer wieder auf das Erbe von Yves Saint Laurent zurück. Klassiker wie den Damensmoking und die Saharienne, eine taillierte Safarijacke mit Gürtel und aufgesetzten Taschen, hatte der Gründer in den 1960er-Jahren berühmt gemacht.
Auch geschäftlich prägte Vaccarello die Marke: Unter ihm hat sich der Umsatz fast verdreifacht, in den vergangenen Jahren ist er allerdings wieder zurückgegangen.
Anthony Vaccarello im März 2026 bei seiner Herbst-Winter-Show für Saint Laurent in Paris. Seine Zeit bei dem Modehaus endet nach zehn Jahren.
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Alles noch einmal in Gold
In seiner letzten Kollektion kam all das noch einmal zusammen. Trenchcoats, Bleistiftröcke, Safarijacken und Cocktailkleider erschienen in Gold, gearbeitet aus Lamé, Organza, Brokat und sogar Latex. Über dem Laufsteg hingen drei riesige Kronleuchter.
Sie erinnerten an den Ballsaal des Pariser InterContinental, in dem Yves Saint Laurent einst seine Couture-Schauen zeigte. In den Shownotes stand ein Satz, der heute wie ein Kommentar in eigener Sache klingt: „Was vergeht, hinterlässt manchmal mehr Licht als das, was bleibt.“
Was viele schon vermutet hatten, ist nun bestätigt: Mit der Frühjahrskollektion 2027 endet Anthony Vaccarellos Zeit bei Saint Laurent.
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Auch abseits des Laufstegs gab es Hinweise auf einen Abschied. Wie das US-Modeblatt Women's Wear Daily (WWD) berichtete, verzichtete Vaccarello auf die üblichen Backstage-Gespräche mit ausgewählten Journalisten. Beim Finale sang Charlotte Gainsbourg, Vaccarello nahm sie in den Arm, und das Publikum erhob sich. Danach überreichte er seinem Sohn im Publikum einen Schlüsselbund. Viele sahen darin eine symbolische Rückgabe der Schlüssel zum Haus.
Die Favoritin kennt das Haus
Überraschend kommt der Abschied deshalb nicht. Schon während der Pariser Modewoche wurde viel darüber spekuliert, ob seine Zeit bei Saint Laurent zu Ende geht. Als Favoritin für die Nachfolge gilt Chemena Kamali, derzeit Kreativdirektorin von Chloé.
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Die deutsche Designerin kennt das Haus gut: Ab 2016 war sie unter Vaccarello Designdirektorin für die Damen-Prêt-à-porter, im Oktober 2023 übernahm sie die kreative Leitung von Chloé. Bestätigt ist ihr Wechsel nicht. Wer auf Vaccarello folgt und was er selbst als Nächstes macht, ist noch offen.
Gilt als Favoritin für die Nachfolge von Anthony Vaccarello bei Saint Laurent: Chemena Kamali, hier im Februar 2024 bei ihrer ersten Show als Kreativdirektorin von Chloé in Paris.
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Kering-Chef Luca de Meo spricht vom Beginn eines neuen Kapitels in der Geschichte des Hauses. Ganz abgeschlossen ist das alte aber noch nicht: Am 2. November wird Vaccarello in New York bei den CFDA Fashion Awards als International Designer of the Year ausgezeichnet.
Ein goldener Abschluss einer goldenen Ära.
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