Urheberrecht

KI: Claude soll Zehntausende Songs kopiert haben – Musikriesen fordern Milliarden

Von Mariah Carey bis Taylor Swift: Sony Music Publishing und Warner Chappell werfen Anthropic illegale Downloads und das Kopieren von Songtexten vor. Die mögliche Forderung geht in die Milliarden.

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Anthropic-Chef Dario Amodei. Musikverlage werfen seinem Unternehmen vor, die KI Claude mit geschützten Songtexten trainiert zu haben.

Anthropic-Chef Dario Amodei. Musikverlage werfen seinem Unternehmen vor, die KI Claude mit geschützten Songtexten trainiert zu haben.

© Julien de Rosa/AFP

Mariah Careys Weihnachtshit „All I Want for Christmas Is You“, Bon Jovis „Livin’ on a Prayer“ und Taylor Swifts „Paper Rings“: Mit diesen und Zehntausenden weiteren geschützten Songs soll das US-Unternehmen Anthropic seine KI-Modelle der Reihe Claude ohne Erlaubnis trainiert haben. Diesen Vorwurf erheben Sony Music Publishing, Warner Chappell Music und zahlreiche mit ihnen verbundene Musikverlage in einer neuen Klage.

Die Verlage reichten die 48-seitige Klageschrift am 28. August beim Bundesgericht für Nordkalifornien in San José ein. Beklagt werden neben Anthropic auch Firmenchef Dario Amodei und Mitgründer Benjamin Mann persönlich. Die Kläger verlangen ein Geschworenenverfahren. Sie nennen das Vorgehen „einen der größten und dreistesten fortwährenden Diebstähle geistigen Eigentums in der Geschichte“.

Anthropic weist die Anschuldigungen zurück. „Wir widersprechen den Behauptungen der Verlage und beabsichtigen, uns vor Gericht energisch zu verteidigen“, teilte ein Sprecher dem US-Portal Axios mit.

Anthropic soll Songtexte aus lizenzierten Portalen kopiert haben

Nach Darstellung der Kläger beschaffte sich Anthropic das Material auf mehreren Wegen. Das Unternehmen soll Texte von lizenzierten Seiten wie Musixmatch und LyricFind automatisiert ausgelesen haben, ohne selbst eine Lizenz zu bezahlen. Zudem habe Anthropic Millionen gebrauchte Bücher in einem Verfahren digitalisiert, das die Klage als „destruktives Scannen“ bezeichnet. Darunter sollen auch Bücher mit Songtexten und Noten gewesen sein.

Ein weiterer Teil der Vorwürfe betrifft sogenannte Schattenbibliotheken. Bereits in einem früheren Urheberrechtsverfahren gegen Anthropic stellte ein Bundesrichter fest, dass Benjamin Mann im Juni 2021 über das BitTorrent-Netzwerk mindestens fünf Millionen unerlaubt kopierte Bücher von Library Genesis herunterlud. Im Juli 2022 bezog Anthropic demnach mindestens zwei Millionen weitere Bücher von Pirate Library Mirror.

Die Musikverlage behaupten nun, unter diesen Dateien seien auch Bücher mit Texten und Noten der durch Leonard Cohen, Earth, Wind & Fire und Jerry Lee Lewis bekannt gewordenen Songs „Hallelujah“, „September“ und „Great Balls of Fire“ gewesen.

Die Verlage behaupten außerdem, Claude könne geschützte Songtexte wortgleich oder nahezu wortgleich ausgeben. Schutzvorkehrungen, die Anthropic nach früheren Klagen eingebaut habe, ließen sich durch erneute Eingaben leicht umgehen. Diese Angaben stammen von den Klägern und sind bislang nicht unabhängig bestätigt.

Milliardenforderung gegen Claude-Entwickler Anthropic möglich

Die genaue Höhe des geforderten Schadenersatzes nennt die Klageschrift nicht. Die Verlage beantragen jedoch bis zu 150.000 US-Dollar für jedes Werk, dessen Urheberrecht nach Überzeugung des Gerichts vorsätzlich verletzt wurde. Hinzu kommen könnten bis zu 25.000 US-Dollar für jeden Fall, in dem Angaben zu Urhebern oder Rechteinhabern entfernt oder verändert worden sein sollen.

Bei Zehntausenden aufgeführten Kompositionen könnte sich die Summe rechnerisch auf mehrere Milliarden US-Dollar belaufen. Ob die Voraussetzungen dafür erfüllt sind und ein Gericht die Höchstbeträge zuspricht, ist offen. Die Kläger verlangen außerdem Einblick in Anthropics Trainingsdaten und Methoden. Alle unerlaubten Kopien ihrer Werke sollen unter gerichtlicher Aufsicht vernichtet werden.

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Gericht genehmigte bereits Vergleich über 1,5 Milliarden US-Dollar

Für Anthropic ist es nicht das erste große Verfahren wegen seiner Trainingsdaten. Im Juli genehmigte ein US-Bundesgericht einen Vergleich über 1,5 Milliarden US-Dollar mit Autoren und Verlagen. Sie hatten dem Unternehmen vorgeworfen, unerlaubte Kopien ihrer Bücher für Claude verwendet zu haben. Nach Angaben von Reuters handelt es sich um den größten bekannten Vergleich in einem Urheberrechtsverfahren in den USA.

In dem Fall entschied Richter William Alsup 2025, dass die Nutzung rechtmäßig beschaffter Bücher für das KI-Training nach US-Recht als Fair Use gelten könne. Das Herunterladen und Speichern von mehr als sieben Millionen Büchern aus Piratenquellen zum Aufbau einer dauerhaften digitalen Bibliothek sei davon jedoch nicht gedeckt.

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