Wissenschaft

Anti-Nobelpreise 2026: Diese 10 kuriosen Forschungen sind absolut ernst gemeint

Was haben stinkende Teenager, urinierende Hunde und Giftschlangen gemeinsam? Sie alle inspirierten Forschungen, die auf den ersten Blick zum Lachen bringen – aber absolut ernst gemeint sind.

5 Min
Die Nobelpreisträger Esther Duflo, Abhijit Banerjee, Michel Mayor und Tim Hunt (von links) reagieren bei der Ig-Nobelpreisverleihung in Zürich auf verteilte Gummischlangen.

Die Nobelpreisträger Esther Duflo, Abhijit Banerjee, Michel Mayor und Tim Hunt (von links) reagieren bei der Ig-Nobelpreisverleihung in Zürich auf verteilte Gummischlangen.

© Fabrice Coffrini/AFP

Mit einem Regen aus Papierfliegern und Trophäen in Form eines pilzbewachsenen Fußes sind in Zürich die Ig-Nobelpreise 2026 verliehen worden. Zehn internationale Forschungsteams erhielten die satirischen Auszeichnungen am Donnerstag für ungewöhnliche, aber ernsthaft betriebene Wissenschaft.

Die vom Magazin Annals of Improbable Research vergebenen Preise sind nicht mit den Nobelpreisen verbunden. Nach Angaben des Guardian bekamen die Gewinner neben der Trophäe einen wertlosen Geldschein über zehn Billionen Simbabwe-Dollar. Echte Nobelpreisträger überreichten die Auszeichnungen.

Erstmals seit der Gründung im Jahr 1991 fand die Zeremonie nicht in den USA statt. Als Gründe nannten die Veranstalter Sicherheitsbedenken und Einreiseprobleme internationaler Teilnehmer. Im vergangenen Jahr seien fast die Hälfte der ausgezeichneten Teams unter anderem wegen Visabeschränkungen sowie der Forschungs- und Grenzpolitik von US-Präsident Donald Trump ferngeblieben, berichtet das Fachmagazin Science. Im Jahr 2027 soll die Zeremonie in Antwerpen stattfinden, im Jahr 2028 wieder in Zürich.

Bei der Ig-Nobelpreisverleihung am 3. September 2026 in Zürich wirft das Publikum traditionsgemäß Papierflieger.

Bei der Ig-Nobelpreisverleihung am 3. September 2026 in Zürich wirft das Publikum traditionsgemäß Papierflieger.

© Fabrice Corrfini/AFP

Die zehn ausgezeichneten Forschungen:

1. Biomechanik: Was genau ist ein Kuss?

Matilda Brindle, Catherine Talbot und Stuart West definierten den Kuss als friedlichen, gezielten Mundkontakt innerhalb derselben Art, bei dem keine Nahrung übertragen wird. Nach ihrer Analyse küssen unter anderem einige Vögel, Ameisen und Eisbären. Bei Menschenaffen könnte das Verhalten mindestens 21,5 Millionen Jahre alt sein.

Originalstudie zur Evolution des Küssens

2. Wirtschaft: Nehmen Reiche Kindern die Süßigkeiten weg?

Paul Piff und seine Kollegen fanden in sieben Experimenten Hinweise darauf, dass sozial höhergestellte Menschen häufiger eigennützig oder regelwidrig handeln. Fahrer teurer Autos missachteten öfter andere Verkehrsteilnehmer – wohlhabendere Versuchspersonen nahmen zudem mehr Süßigkeiten aus einem Glas, das angeblich für Kinder bestimmt war. Die Forscher betonten jedoch, dass es zahlreiche Ausnahmen gebe.

Originalstudie über soziale Stellung und unethisches Verhalten

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3. Chemie: Kakerlakenmilch als Kraftpaket

Die Kakerlakenart Diploptera punctata bringt lebende Junge zur Welt und versorgt ihre Embryonen mit einer milchartigen Flüssigkeit. Daraus entstehen in deren Darm Proteinkristalle, die bezogen auf die gleiche Menge laut Nature etwa dreimal so viel Energie enthalten wie Milchproteine von Kühen.

Originalstudie über die Proteinkristalle der Kakerlakenmilch

4. Medizin: Wie schnäuzt man sich richtig?

Der japanische Mediziner Tokuji Unno untersuchte bereits im Jahr 1977 die Aerodynamik des Naseputzens. Er maß Luftstrom, Dauer und Druck und kam zu dem Ergebnis, dass ein kräftiger und länger anhaltender Luftstoß Schleim besonders wirksam entfernt.

Originalstudie zur Aerodynamik des Naseputzens

5. Biologie: Wann beißen Giftschlangen zu?

João Miguel Alves-Nunes und seine Kollegen traten mit Schutzstiefeln sanft auf verschiedene Körperteile von Jararaca-Lanzenottern. Besonders häufig bissen die Tiere bei Berührungen am Kopf, bei Wärme und tagsüber. Die Zeitschrift „Scientific Reports“ zog den Artikel später zurück, weil die ethische Genehmigung die Methode und neugeborene Schlangen nicht umfasste. Die Autoren widersprachen der Rücknahme.

Originalstudie zum Abwehrverhalten der Schlangen | Rücknahme der Studie

6. Physik: Das Pissoir, das nicht zurückspritzt

Ein internationales Team berechnete, dass ein Flüssigkeitsstrahl kaum spritzt, wenn er in einem Winkel von weniger als 30 Grad auf eine Oberfläche trifft. Daraus entstand ein an eine Nautilusschale erinnerndes Pissoir. Bei Versuchen erzeugten herkömmliche Modelle bis zu 50-mal mehr Spritzer.

Originalstudie über das spritzarme Pissoir

7. Technologie: Mücken als 3D-Drucker

Justin Puma und sein Team verwendeten den Stechrüssel weiblicher Mücken als besonders feine Düse für den 3D-Druck. Das „Necroprinting“ erreichte laut Ars Technica eine Auflösung von 18 bis 22 Mikrometern. Mögliche Anwendungen sind winzige elektronische Bauteile oder Gerüste für lebende Zellen.

Originalstudie zum 3D-Druck mit Mückenrüsseln

8. Geruchsforschung: Warum Babys besser riechen als Teenager

Ilona Croy und ihre Kollegen befragten 235 Eltern zum Körpergeruch ihrer Kinder. Babys und jüngere Kinder wurden besonders positiv bewertet – mit zunehmendem Alter sank die Begeisterung. Trotzdem rochen die eigenen Kinder für die Eltern noch angenehmer als fremde.

Originalstudie über den Geruch von Kindern

9. Frieden: Freunde dürfen gemein sein – zum richtigen Gegner

Jaimie Arona Krems und ihr Team untersuchten in sechs Studien mit mehr als 1000 Teilnehmern aus den USA und Indien, welche Eigenschaften Menschen von Freunden erwarten. Grundsätzlich bevorzugten sie freundliche und zuverlässige Freunde. Gegenüber Personen, die sie selbst nicht mochten, wünschten sich einige jedoch ein feindseligeres Verhalten.

Originalstudie über Freunde und gemeinsame Gegner

10. Bodenkunde: Unterhosen als Messinstrument

Franz Bender, Marcel van der Heijden, Atlant Bieri und Pia Viviani ließen Baumwollunterhosen vergraben und nach zwei Monaten wieder ausgraben. Je stärker Bodenorganismen den Stoff zersetzt hatten, desto höher war gewöhnlich die biologische Aktivität. Nach Angaben von Nature beteiligten sich Menschen aus mehr als 25 Ländern an dem Projekt.

Originalstudie zum sogenannten Unterhosen-Index

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