Wein-Coups

Mit Gabelstapler und zwei Lkw: Bande erbeutet Antinori-Wein für fünf Millionen Euro

Maskierte Täter kommen mit zwei Lkw und nutzen die Gabelstapler des Weinguts. Der Schaden liegt bei fünf Millionen Euro – und der Coup ist kein Einzelfall.

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Weinfässer im Antinori-Weingut Guado al Tasso in Bolgheri. Auch Weine dieser Linie gehörten zur Millionenbeute der Täter.

Weinfässer im Antinori-Weingut Guado al Tasso in Bolgheri. Auch Weine dieser Linie gehörten zur Millionenbeute der Täter.

© Dreamstime Giannit/imago

Eine Bande hat bei einem spektakulären Einbruch in der Toskana rund 30.000 Flaschen hochwertigen Wein im Gesamtwert von etwa fünf Millionen Euro gestohlen. Ziel war ein Lager des traditionsreichen Weinproduzenten Marchesi Antinori bei Cortona in der Provinz Arezzo. Unter der Beute befinden sich einige der bekanntesten italienischen Rotweine: Solaia, Tignanello und Guado al Tasso.

Nach Angaben von Antinori zeigen Überwachungsaufnahmen mindestens sieben maskierte Männer. Die Täter drangen am vergangenen Wochenende in das Lager ein, setzten die Alarmanlage außer Betrieb und luden den Wein auf zwei große Lastwagen. Dabei benutzten sie ausgerechnet die Gabelstapler des Unternehmens. Italienische Medien berichten zudem, Teile der Videoüberwachung seien außer Funktion gesetzt worden.

Der Zeitpunkt war offenbar günstig gewählt: Ein großer Teil der Flaschen war bereits für Lieferungen an ausländische Händler verpackt. Dadurch konnte die Bande innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit große Mengen besonders wertvollen Weins abtransportieren, erklärte ein Vertreter Antinoris gegenüber Reuters. Entdeckt wurde der Diebstahl erst am Montagmorgen, als Mitarbeiter in das Lager kamen.

Bis zu 10.000 Flaschen Solaia verschwunden

Besonders schwer wiegt der Verlust beim Solaia. Nach Angaben des Unternehmens wurden zwischen 8000 und 10.000 Flaschen gestohlen. Von diesem Wein werden pro Jahr lediglich etwa 60.000 bis 70.000 Flaschen produziert. Damit könnte die Bande auf einen Schlag einen erheblichen Teil eines ganzen Jahrgangs erbeutet haben. Italienische Medien berichten, dass die gestohlenen Bestände aus dem Jahrgang 2023 stammen.

Solaia gehört zu den bekanntesten Weinen von Antinori. Der Corriere della Sera nennt einen Preis von rund 300 Euro pro Flasche, Tignanello etwa 120 Euro und Guado al Tasso rund 140 Euro. Seltene ältere Jahrgänge können auf dem internationalen Markt erheblich höhere Preise erzielen.

Fasslager des Antinori-Weinguts Guado al Tasso in der Toskana.

Fasslager des Antinori-Weinguts Guado al Tasso in der Toskana.

© Ranimiro/imago

Antinori hat inzwischen Kunden und Händler weltweit über den Diebstahl informiert. Sie sollen bei ungewöhnlich günstigen Angeboten oder Verkäufen außerhalb der üblichen Vertriebskanäle besonders aufmerksam sein.

„Zwei Lastwagen können nicht einfach verschwinden“, sagte Antinori-Chef Renzo Cotarella der Financial Times. Er hoffe deshalb weiterhin, zumindest einen Teil der Beute wiederzufinden. Bei einem derart großen Angebot an seltenen Weinen dürfte es nach Einschätzung des Unternehmens schwierig sein, die Flaschen unbemerkt auf dem internationalen Markt zu verkaufen.

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Antinori-Chef vermutet erfahrene Täter

Cotarella geht von einer professionell vorbereiteten Tat aus. „Es ist sicherlich eine sehr gut vorbereitete Bande“, sagte er dem Corriere della Sera. Möglicherweise handele es sich um dieselben Täter, die in den vergangenen Monaten bereits andere italienische Weingüter ins Visier genommen hätten. Einen Beleg für einen Zusammenhang gibt es bislang nicht.

Carabinieri und Polizei ermitteln. Cotarella bezeichnete den Fall als einen Diebstahl in einer Größenordnung, wie es ihn in Italien bislang nicht gegeben habe. Auch der Corriere spricht vom größten bekannten Beutezug gegen eine italienische Weinkellerei.

Besonders bitter für das Unternehmen: Nach Angaben Cotarellas war ein Verlust dieser Größenordnung bei der Versicherung nicht vollständig abgedeckt. Man habe eher mit dem Diebstahl einzelner Kisten während eines Transports gerechnet als damit, dass zwei Lastwagen in ein Lager fahren und Tausende Flaschen abtransportieren könnten.

Eine Serie auffällig professioneller Wein-Diebstähle

Der Fall ist kein Einzelfall. Ende Juni stahlen Täter aus einer Banfi-Kellerei im piemontesischen Strevi mehr als 3000 Flaschen hochwertigen Alta Langa. Nach Angaben des Weinguts wurden gezielt bestimmte Sorten und ganze Paletten ausgewählt. Banfi erklärte damals, die Täter hätten offensichtlich genau gewusst, wonach sie suchten.

Mitte September folgte ein ähnlich professioneller Einbruch beim Weingut Conterno Fantino in Monforte d’Alba. Vier maskierte Täter brauchten rund drei Stunden, um mehr als 3000 Flaschen Barolo zu stehlen. Auch dort benutzten sie die Gabelstapler der Kellerei. Anschließend stellten sie die Geräte sogar wieder an ihren Platz.

Im Juni wiederum verschwanden aus dem Mailänder Restaurant Affinatore nur 19 Flaschen – ihr Wert lag allerdings bei rund 280.000 Euro. Die Täter, als Bauarbeiter verkleidet, griffen gezielt nach extrem seltenen Weinen der Domaine de la Romanée-Conti und ließen andere hochwertige Flaschen stehen.

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