Die neue Bahnbrücke über die Havel ist komplett. Doch Anwohner ärgern sich über das Stahlbauwerk, weil es ihnen den Blick auf die Altstadt versperrt.An der Grunewaldstraße im Stresow beginnt das östliche Brückenteil der sogenannten Durchlaufträgerbrücke. Hier nimmt sie dem Betrachter den Blick auf das Rathaus. Nur Teile des Rathausdachs und der Turm ragen über die Konstruktion hinaus. Im Gegensatz zur alten Brücke besteht die neue nicht aus Stahlstreben, sondern aus einer durchgehenden Wand. Sie ragt an den Rändern bis zu acht Meter auf. "Das ist eine riesengroße, häßliche Barriere", sagt Thomas Gilges-Klemt, der in der Grunewaldstraße wohnt: "Da hätte etwas Transparentes hingehört. Leider ist das jetzt nicht mehr rückgängig zu machen." Gilges-Klemt ist selbst Landschaftsplaner, und "gerade an dieser zentralen Stelle" hat er sich "eine elegantere Lösung vorgestellt".Spätestens ab 1998 sollen hier ein Güter-, vier Fern- und zwei S-Bahngleise über die Havel führen. Wenn es bei der bisherigen Planung bleibt, kommt südlich davon noch die Transrapidbrücke hinzu.Der Bezirk habe keine Möglichkeit gehabt, auf die Brückenplanung Einfluß zu nehmen, sagt Baustadtrat Thomas Scheunemann: "Das ist eine bahninterne Angelegenheit."Jürgen Czarnetzki von der Bürgerinitiative Spandauer Verkehrsbelange 73 sieht in der Brücke keinen Schandfleck: "Sie ist gewaltiger, als ich erwartet hatte", sagt der Bahnexperte, "an den Rändern habe ich sie mir niedriger vorgestellt." Czarnetzki weist aber darauf hin, daß das flache Mittelteil die Sicht über die Havel nicht durchgehend versperre.Die neue Brücke ist 123 Meter lang. Sie war ausgewählt worden, weil sich Bahnplaner wegen der relativ niedrigen Seitenwände gerade einen geringen Eingriff ins Stadtbild versprochen hatten. Politiker wie die CDU-Abgeordnete Christel Zuchowski hatten sich im vergangenen Jahr ebenfalls für die Durchlaufträgerbrücke starkgemacht. Thomas Gilges-Klemt meint dagegen: "Das von der Bahn gezeigte Modell war aus Plexiglas. Da haben viele wohl an eine durchsichtige Brücke geglaubt." Er fürchtet jetzt, daß die neue Brücke bald mit Graffiti verziert sein wird. +++
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