Wie laut darf ein Open-Air-Konzert sein? Juristisch ist das eigentlich geregelt: 18 Mal im Jahr darf bei sogenannten lauten Konzerten der Schallpegel vor den Fenstern der nächsten Nachbarn 70 Dezibel betragen. Was etwa dem Autolärm einer Hauptverkehrsstraße entspricht. Bis 23 Uhr darf das so sein. Doch was im Berliner Lärmimmissionsgesetz, in Durchführungsbestimmungen und der "Technischen Anleitung Lärm" steht, wollte Olaf Heinrich nicht hinnehmen. Der 50-jährige Physiker wohnt an der Steffelbauerstraße in Oberschöneweide. Vor fünf Jahren bezog er dort in einem Dachgeschoss eine Dreizimmerwohnung. Dass sich gut 750 Meter entfernt die seit 1951 existierende Parkbühne Wuhlheide befindet, war dem gebürtigen Berliner bewusst. Aber den Lärm von dort, "der laut ist wie Düsenjäger", wolle er nicht hinnehmen, sagte Heinrich gestern im Verwaltungsgericht. Dort wurde seine Klage gegen die Genehmigung für diese 18 "lauten Konzerte" durch die Senatsumweltverwaltung verhandelt.Heinrich sagte, dass er bei Konzerten und gleichzeitigem Nordostwind nicht telefonieren, fernsehen oder gar schlafen könne. Was den Vorsitzenden Richter Michael Richter doch sehr wunderte: "Zur Parkbühne hatten wir noch nie Klagen", sagte er. Und dass jede Genehmigung seitenlange Auflagen enthalte, deren Einhaltung penibel kontrolliert werde. So wird bei jedem Konzert der Schallpegel gemessen, an der Bühne und beim nächstgelegenen Wohnhaus, etwa 520 Meter entfernt. Die Werte seien stets eingehalten worden. "Es spricht nichts dafür, dass es bei Ihnen lauter ist als 70 Dezibel", so der Richter.Zur Parkbühne Wuhlheide kommen jährlich rund 200 000 Menschen. Künstler wie Peter Fox, die Toten Hosen oder die Ärzte treten dort auf. 15 Konzerte gibt es in diesem Jahr, das letzte Mitte September. "Wenn eine Rockband viel leiser spielt, ist das Konzert geplatzt", sagte der Richter. Er machte klar, dass er an der Genehmigung für 18 "laute Konzerte" nicht rütteln wird. Sein Vorschlag: An und in der Wohnung von Olaf Heinrich soll der Schall gemessen werden.42 Beschwerden wegen Veranstaltungslärms gingen 2008 bei der Senatsumweltverwaltung ein, 2000 waren es noch neun. Dabei seien die Veranstaltungen nicht etwa lauter geworden, heißt es. Die Berliner sind offenbar empfindlicher gegen Lärm geworden. Das bekommen auch die Macher des Musikfestivals auf der Zitadelle Spandau zu spüren. Dort hatte man sich dazu bereit erklärt, dass die Konzerte um 22 Uhr beendet und nur 60 Dezibel laut sind. Eine Anwohnerin klagte weiter. Nun müssen die Bässe noch leiser werden, was bereits zu Beschwerden von Konzertbesuchern führt.Olaf Heinrich aus Oberschöneweide hat seine Klage zurückgezogen. Zufrieden ist er nicht. Am Wochenende, wenn die Rocker von Pearl Jam in die Parkbühne kommen, will er woanders übernachten. Er denkt daran, wegzuziehen.------------------------------"Wenn eine Rockband viel leiser spielt, ist das Konzert geplatzt." Michael Richter, Vors. Richter am Verwaltungsgericht
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