Anwohner und Touristen betrachten den Mauerbau am Checkpoint Charlie sehr sachlich

"Fürs Geschäft ist es bestimmt gut"

Nadine Schimroszik
3 Min

Die weißen Plastikplanen am Checkpoint Charlie werden von den Passanten kritisch beäugt. Was verbirgt sich hinter ihnen? Es sind Mauerteile, die dort neu aufgestellt werden. Bis zum 31. Oktober soll für drei Monate ein Teilmauerstück an der Friedrichstraße zu besichtigen sein. Das sorgt derzeit für ständigen Gesprächsstoff an dem historischen Grenzübergang. "Die hätten damals einfach die alte Mauer stehen lassen müssen. Das Authentische ist weg, etwas aus der Retorte wird nun hingestellt", sagt Margit Ferch vom Tschechischen Zentrum. Das hat seinen Sitz in der 4. Etage der Friedrichstraße 206, genau gegenüber der Baustelle. Täglich kann Ferch die Arbeiten von oben beobachten, besser als viele andere: "Es kommt einem schon komisch vor, wenn die Mauer wieder angefahren wird." Diese Empfindungen hat die Hamburgerin Uta Meier nicht. Sie ist zu Besuch in Berlin und weiß nichts von dem anstehenden Mauerprojekt. Dafür hat Meier die Meinung, dass "was hier schon ist, an Informationen doch genügt". Viele der gewerblichen Anlieger sehen das anders. Sie hoffen auf mehr Touristen durch die zusätzliche Attraktion und damit auf mehr Umsatz. Imbiss-Inhaber Mathias Thalmann findet die Pläne allerdings nur als Geschäftsmann gut. Persönlich interessiert ihn das ganze Vorhaben nicht. Ähnlicher Meinung ist auch Nele Grese, die in einem Café am Checkpoint Charlie arbeitet: "Ich weiß zwar nicht, warum es notwendig ist, hier noch etwas aufzustellen. Schließlich gibt es öffentliche Mauerreste, wie am Ostbahnhof. Fürs Geschäft ist es aber bestimmt gut."Heidi Stevens, die mehr als zehn Jahre am Grenzübergang wohnte, ist enttäuscht, dass bisher nichts zu sehen ist von dem historischen Gestein: "Das wird richtig abgeschottet. Ich fände es außerdem sehr unpassend, wenn Alexandra Hildebrandt das Gelände kommerziell nutzt." Doch das hat die Initiatorin des Mauerprojekts und Chefin des Mauermuseums Haus am Checkpoint Charlie anscheinend nicht vor. "Ich werde keinen Eintritt nehmen für die Besichtigung des Gedenkortes", sagt sie. Doch über die Gestaltung des Geländes, auf dem sich bisher nur viel Sand und einige Mauerteile befinden, verrät sie nichts weiter. Da sei noch einiges in Planung, sagt Hildebrandt. Ganz sicher ist bereits, dass die Betonsteine noch nachträglich bemalt werden. "Das finde ich lächerlich", äußert sich Ferch zu dieser Idee. Warum Hildebrandt das Projekt überhaupt verwirklichen will, versteht die Kellnerin Aljona Morozova nicht. Sie arbeitet seit drei Jahren im Café Adler, direkt gegenüber der Baustelle. "Eine neue Mauer sollte man nicht aufstellen. Ich hätte es schöner gefunden, wenn sie einfach Bäume gepflanzt hätten", sagt die junge Frau. ------------------------------Foto: Weiße Plastikplanen verdecken derzeit noch den Passanten den Blick auf die historischen Mauerstücke am ehemaligen Grenzübergang Checkpoint Charlie.

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