Der Helmholtzplatz ist der einzige größere Erholungsort im dicht besiedelten Altbauviertel zwischen Danziger Straße und Wichertstraße, Schönhauser und Prenzlauer Allee. "Sobald die Sonne scheint, ist es hier rappelvoll", sagt Sonja Kemnitz. Die studierte Philosophin leitet seit 1997 das Platzhaus an der Raumerstraße. Das umgebaute ehemalige Toilettenhaus gilt als kultureller und organisatorischer Mittelpunkt des Platzes. Dort gründete sich kürzlich der Förderverein Helmholtzplatz. Ihm gehören neben Sonja Kemnitz weitere 20 Anwohner an, darunter sind Rechtsanwälte und Sozialhilfeempfänger. "Wir wollen ein ideelles Dach für den gerade sanierten Helmholtzplatz aufbauen", sagt Sonja Kemnitz. Viele Bewohner im Kiez seien mit der Situation auf dem Platz sehr unzufrieden. Vor allem die Anwesenheit der Trinker störe so manchen. Seit Jahren trifft sich eine Trinkergruppe von etwa 20 Leuten jeden Tag auf dem "Helmi". Viele neu Hingezogene hätten dazu eine andere Erwartungshaltung als Alteingesessene. Etwa 40 Prozent der neuen Mieter kommen aus Westdeutschland oder West-Berlin. Gleichzeitig sind 25 Prozent der Erwerbstätigen im Kiez arbeitslos. Wer jetzt in den Kiez zieht, zahlt für eine modernisierte Altbauwohnung im Gründerzeithaus eine hohe Miete und will es ruhig haben. Schicke Kneipen, Weinläden, Restaurants und Szeneläden haben in den letzten Jahren rund um den Platz eröffnet. "Es gab hier einen einen radikaler Wandel", sagt Sonja Kemnitz. Aber wie soll man mit der Trinkergruppe umgehen? "Eins steht fest", sagt sie. "Verdrängen kann man sie nicht." Doch weil der Helmholtzplatz ein Platz für alle sein soll, müssten sich auch die Trinker an die Spielregeln im öffentlichen Raum gewöhnen. Darauf legt auch die Polizei großen Wert. "Wir wollen keinen der Trinker vertreiben, nur zu einem anderen Verhalten veranlassen", sagt Polizeihauptkommissar Dietmar Beyer vom Abschnitt 76. Nahezu täglich kontrollieren Polizisten in Zivil und Uniform den als "gefährlichen Ort" eingestuften Helmholtzplatz. Dort handeln Drogendealer überwiegend mit Haschisch. Sonja Kemnitz findet, der Helmholtzplatz habe ein schlechtes Image. Dabei sei der Kiez rund um den Helmholtzplatz kreativ und offen. Dieses Potenzial will der Förderverein nutzen. Mit kulturellen Aktionen, Theaterprojekten, Fußballturnieren und Kinoabenden für die Anwohner könnten auch die Platztrinker wieder in "soziale Zusammenhänge" eingebunden werden, sagt Sonja Kemnitz. (str.)
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