Seit Montag vergangener Woche arbeitet das Nachbarschaftshaus in der Hellersdorfer Kastanienallee in einer Art Notbetrieb. Denn statt vormals 14 Mitarbeitern stehen für die Betreeung von monatlich rund 2 500 Kindern nur noch zwei Kräfte zur Verfügung. "Trotzdem haben wir es geschafft, daß vorerst sechs von zehn Projekten weitergehen können", sagt Eckhard Kienast, Chef des Hauses. Wie an der Kastanienallee sieht es auch in anderen, durch ABM-Mittel geförderten Projekten von freien Trägern im Nordostraum aus. In den drei Bezirken Hellersdorf, Marzahn und Hohenschönhausen laufen insgesamt 703 ABM-Stellen in diesem Monat aus vorerst ohne Chance auf Verlängerung. Freie Träger und die Bezirke machen dafür das Arbeitsamt Ost verantwortlich. So hatten die drei Jugendstadträte vor den "katastrophalen Folgen" dieser Entscheidung gewarnt. Arbeitsamtschef Reinhard Krönig will sich jedoch den schwarzen Peter zuschieben lassen. "Von einem massiven Abbau von ABM-Stellen zu sprechen, ist schlicht unangebracht", sagt er. Lediglich 20 Prozent der Angebote für Jugendliche würden tatsächlich wegfallen. Auch nach deren Auslaufen fördere das Arbeitsamt-Ost genauso viele ABM-Stellen wie 1998. "Das sind exakt 2 128", so Kröning. 1999 würden 99 Millionen Mark für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen bereitstehen immerhin ein Drittel des Gesamtetats. "Wir wollen damit vor allem die Jugend- und Sozialarbeit fördern", versichert Kröning. Auch den Vorwurf von freien Trägern, sie würden von seinem Amt regelrecht ausgetrocknet, weißt er zurück. "Auch sie werden weiterhin von uns unterstützt". Aber für die Jugend- und Sozialpolitik seien in erster Linie die Bezirke zuständig und nicht das Arbeitsamt. Jugendarbeit dürfe nicht allein von ABM-Mitteln abhängen, so Kröning. "Die Bezirke müssen deshalb für mehr feste Stellen in diesen Bereichen sorgen", fordert er. Denn die vorrangige Aufgabe seines Amtes sei die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. So hätten 1 400 Jugendliche aus Marzahn, Hellersdorf und Hohenschönhausen in den ersten Monaten dieses Jahres einen Arbeitsplatz über das Arbeitsamt Ost gefunden. Dafür seien zusätzlich 26 Millionen Mark von der Bundesanstalt für Arbeit zur Verfügung gestellt worden. "Wir haben jeden Pfenning ausgegeben", sagt Kröning. Die Forderung nach mehr festen Stellen in der Jugendarbeit, begrüßt Klaus-Jürgen Dahler, PDS-Fraktionschef in Hellersdorf. Mit Blick auf die leere Haushaltskasse kann er sie aber nur an den Senat weiterleiten.
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