Arbeitskreis präsentiert das besondere Profil als Buch

Bis heute wie eine Kleinstadt: Schmargendorf

Michael Prellberg
2 Min

Wäre es nach den Schmargendorfer Bauern gegangen, sähe Berlin heute anders aus. Zu beiden Seiten der Breiten Straße würden sich Felder erstrecken, mitten in der Stadt. Wer zur U-Bahn will, müsste über tief ausgefahrene Sandwege zum Heidelberger Platz laufen. Möglichst tagsüber, denn Laternen gäbe es nicht. Pflaster oder gar Asphalt - doch nicht mit den Schmargendorfer Bauern. Ihr Geld für Straßen? Ihr Land für einen Bahnhof? Nichtsda. Doch auf Dauer konnten die Bauern den Fortschritt nicht aufhalten. Nur fern halten konnten sie ihn: Der Bahnhof wurde weitab vom Dorf gebaut, damit nicht umherfliegende Funken die Häuser in Brand setzen konnten.Solche Anekdoten finden sich zuhauf im neuen Buch des Arbeitskreises Geschichte Wilmersdorf, das schlicht "Schmargendorf" heißt. Der Band maßt sich nicht an, alle Facetten der langen Historie abzulichten: "Bruchstücke" heißt die Reihe, in der das Werk erschienen ist. Chronik, Erinnerungen, kurze Notizen und die "Streifzüge" von Wolfgang Homfeld - das Zentrum des Bandes.Wer sich mit Homfeld auf den Weg durch Schmargendorf macht, dem erschließt sich dessen besonderer Charakter: ein unscheinbares Bauerndorf vor den Toren von Berlin, das bis heute unauffällig Widerstand leistet, von der großen Stadt vereinnahmt zu werden. "Schmargendorf ist bis heute im Kern eine Kleinstadt geblieben", sagt Homfeld. Alles ist überschaubar, das Hektische von Berlin fehlt. Wer in der Breiten Straße unterwegs ist, trifft garantiert Nachbarn und Bekannte und kommt vor lauter Klönschnack kaum zum Einkaufen. Nostalgischer Charme? Davon will Homfeld nichts hören. Schließlich gebe es die "Russenquartiere" am Kissinger Platz und die vielen Neubürger in Eigentumswohnungen. Die meisten der alteingesessenen Läden, deren Schaufenster noch wie in den 70er-Jahren dekoriert sind, müssten allmählich aufgeben.Gern hätten Homfeld und Co-Autor Horst Hoppe in ihrem Buch auch an berühmte Schmargendorfer erinnert, die ihren Weg in der Welt gemacht haben. "Es gab bloß keine", sagt Hoppe. Mit Zuzüglern kann Schmargendorf auch nicht protzen. Hoppe: "Wer es sich leisten konnte, zog ins Grunewald-Viertel." Für Künstler war Schmargendorf einfach zu gediegen, zu spießig."Schmargendorf" ist im Metropol Verlag erschienen. Das mit Fotos und Karten bebilderte Buch hat 227 Seiten und kostet 24,80 Mark. Heute Abend um 20 Uhr wird der Band in der Starick Buchhandlung (Breite Straße 36) präsentiert: Herausgeber und Zeitzeugen werden aus dem Buch lesen und aus ihren Erinnerungen erzählen.

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