Am 30. April ist Schluss. Dann endet die Saison für die Eishockeyspieler und Eiskunstläufer des Clubs ECC Preußen Juniors Berlin. Für den Club soll an diesem Tag aber auch eine Ära zu Ende gehen, denn er soll nicht mehr in die Deutschlandhalle zurückkehren. 2011 kann er in eine neue Eissporthalle einziehen, die an der Glockenturmstraße auf dem Olympiagelände gebaut wird. Die 1935 gebaute Deutschlandhalle soll abgerissen werden. Nach Information der Senatswirtschaftsverwaltung wird die Messe Berlin noch in dieser Woche einen entsprechenden Antrag beim Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf einreichen.Doch gegen die Pläne von Messe und Senat regt sich Protest. Das Bezirksparlament hat bereits im Februar den Erhalt der denkmalgeschützten Halle gefordert. Gestern luden die Mitglieder des Vereins "Denk mal an Berlin", der sich um die Bewahrung der rund 8 000 Berliner Denkmale kümmert, zum Vor-Ort-Termin. Dort erneuerten die Berliner Architektenkammer, die Baukammer und der Berliner Architekten- und Ingenieur-Verein (AIV) ihre Forderung, auf den Abriss zu verzichten. Uwe Hameyer, Vorstandsmitglied des AIV, forderte einen Architekten- und Ingenieurwettbewerb, der transparent macht, ob die Kosten für den Erhalt der Deutschlandhalle wirklich so hoch sind, dass sich eine Sanierung nicht lohnt. "Bisher gibt es keine vergleichenden Untersuchungen und Gutachten", sagte er. Auch ECC-Vizepräsident Thomas Leonhardt äußerte Unverständnis: "Seit das Velodrom und die Max-Schmeling-Halle gebaut wurden, wird die Deutschlandhalle kaputt gespart", kritisierte er. Mit ihrem Abriss wolle man wohl auch diesen Veranstaltungszentren unliebsame Konkurrenz vom Halse schaffen.Die Abrisspläne gehen auf einen Senatsbeschluss vom Mai 2008 zurück. Danach bekommt die Messe Berlin nicht den gewünschten Neubau eines Kongresszentrums, sondern das Internationale Congress Centrum (ICC) wird saniert. Im Gegenzug kann die Deutschlandhalle, die jährlich ein Minus von rund 1,5 Millionen Euro erwirtschaftet, abgerissen werden. "Dort wünschen wir uns eine moderne Messehalle", sagt Messe-Sprecher Michael T. Hofer. Ob diese aber tatsächlich entsteht, ist noch nicht klar. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher hat die Fläche als Ausweichgelände während der Sanierung des ICC ins Gespräch gebracht."Der Denkmalschutz steht einem Abriss nicht entgegen", sagt Manuela Damianakis, Sprecherin von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Er könne aufgehoben werden, wenn die Unwirtschaftlichkeit nachgewiesen wird und anderweitige Nutzungsmöglichkeiten nicht bestehen, sagt sie. Das Geld für den Abriss, sechs Millionen Euro, wurde Ende 2008 vom Abgeordnetenhaus bewilligt.Charlottenburg-Wilmersdorfs Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) kündigte eine strenge Prüfung des Abrissantrages an: "Die Messe muss beweisen, dass sie nur auf diesem Gelände einen Neubau errichten kann", sagte er. Das bezweifle er. Zudem gebe es noch keine Lösung dafür, wo die Eissportler bis 2011 trainieren sollen. Das Bezirksamt erwäge, dem Senat das Angebot zu machen, selbst statt der Messe in den nächsten zwei Jahren die Deutschlandhalle zu betreiben. Denn die Sanierung des ICC beginnt frühestens 2010: "Warum sollen die Sportler dann jetzt schon raus?", fragt Gröhler.------------------------------Shows und SportDie Deutschlandhalle entstand zu den Olympischen Sommerspielen 1936. Eingeweiht wurde sie am 29. November 1935.Im Januar 1943 wurde die Halle zerstört, nach Kriegsende wieder aufgebaut. Von 1957 an war sie Veranstaltungsort für Shows wie "Menschen, Tiere, Sensationen", Arena für Boxlegenden wie Muhammad Ali und West-Berlins größte Konzerthalle.Im Jahr 1997 wurde die Halle geschlossen, seit 1998 ist sie keine Veranstaltungshalle mehr. Der Senat plante schon damals den Abriss. Letztlich wurde die Halle aufwendig renoviert, um nach dem Abriss der Eissporthalle Jafféstraße dem Eissport zur Verfügung zu stehen.An der Glockenturmstraße entsteht in 20 Monaten Bauzeit für 12 Millionen Euro eine Eissporthalle mit zwei Eisflächen. Eine davon ist wettkampfgerecht und vollständig eingehaust. Die andere ist an drei Seiten offen. Das Dach, das beide Arenen überspannt, soll von einer Photovoltaik-Anlage bedeckt werden.Zwei Saisons müssen die Eissportler bis zur Eröffnung überbrücken. Im Gespräch ist eine temporäre Eisfläche am Erika-Hess-Eisstadion (Wedding). Beschlossen ist noch nichts.------------------------------Foto: Ein Bild aus besseren Tagen: Wenn in der Deutschlandhalle was los war, dann kamen die Menschen zuhauf.
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