Geschafft auch das. Erstmals seit der Wende gab es ein wiedervereinigtes Pokalfinale, und der Polizeibericht über das Stelldichein der 75 000 ist kürzer als bei einem Volksfest. Sechs vorläufige Festnahmen wurden verzeichnet, ansonsten heißt es schlicht: keine nennenswerten Vorkommnisse.Allerdings wird die Szene vom Getränkestand des Olympiastadions niemals aktenkundig werden. Dort prallten kurz vor Anpfiff Stuttgarter und Cottbuser Anhänger aufeinander. Rechts verlangte der VfB nach Alkoholfreiem, links wurde der Energietrunk geordert. Plötzlich bündelten die Schwaben all ihre Fachkenntnis über den DDR-Fußball in einem provokanten Ruf: "Dynamo! Dynamo!" Die andere Seite zuckte kurz, dann wurde zurückgebrüllt: "Seid doch fair, seid doch fair!" Arm in Arm zogen die Gruppen von dannen.Nun ist Fußball gewiß gelegentlich ein Seismograph für allgemeine Stimmungslagen, in diesem Fall handelt es sich wohl eher um eine Momentaufnahme. Sie steht in Kontrast zu den Vorgängen rund um das Relegationsspiel um den Aufstieg in die Zweite Bundesliga zwischen Energie Cottbus und Hannover 96. Beide Parteien konnten nicht verhindern, daß der Schlußpfiff in einer völlig vergifteten Atmosphäre fiel. Ein West-Schiedsrichter hatte einen Ost-Fußballer beim Stande von 1:1 vom Platz gestellt. Kaum auszumalen, welche baulichen Veränderungen am "Stadion der Freundschaft" vorgenommen worden wären, wäre den Cottbusern nicht noch das 2:1 und 3:1 und damit der Sprung in die Zweitklassigkeit gelungen.
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