Bei einem israelischen Angriff auf ein Haus in einem Vorort von Libanons Hauptstadt Beirut soll laut Angaben Israels ein hochrangiger Kommandeur der Schiitenmiliz Hisbollah getötet worden sein. „Die Kampfjets der israelischen Luftwaffe haben den ranghöchsten militärischen Befehlshaber der Terrororganisation Hisbollah und den Leiter ihrer strategischen Einheit, Fuad Schukr, in der Nähe von Beirut eliminiert“, erklärte das israelische Militär am Dienstagabend. Bis zum Redaktionsschluss um 23.30 Uhr gab es keine offizielle Bestätigung der Hisbollah.
Im Gegenteil: Aus Hisbollah-Kreisen hatte es zuvor geheißen, ihr hochrangiger Kommandeur Schukr habe den Luftangriff überlebt. Der libanesische Regierungschef Nadschib Mikati verurteilte den israelischen Angriff ebenso wie der Iran und Russland.
Drei Tage nach dem tödlichen Raketenangriff auf den Golanhöhen hatte Israel laut eigenen Angaben „in Beirut einen gezielten Angriff auf den Kommandeur ausgeführt, der für die Ermordung der Kinder von Madschdal Schams und zahlreicher anderer israelischer Zivilisten verantwortlich ist“, hieß es am Dienstagabend in einer Erklärung.
Achtstöckiges Gebäude getroffen: Mindestens 68 Zivilisten verletzt
Das libanesische Gesundheitsministerium bezifferte die Zahl der Opfer des israelischen Vergeltungsschlags zunächst mit „einer getöteten weiblichen Zivilistin und 68 verletzten Zivilisten, fünf von ihnen schwer“. Wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP vor Ort berichtete, wurde die oberste Etage eines achtstöckigen Gebäudes getroffen. Krankenwagen waren demnach unterwegs zum Ort des Geschehens.
Fuad Schukr, der „eine führende Rolle bei den Operationen der Hisbollah gegen Israel vom Süden des Libanon aus“ gespielt habe, sei die rechte Hand von Hisbollah-Generalsekretär Hassan Nasrallah gewesen. Er habe zudem als Berater für die Planung und Leitung von Kriegseinsätzen agiert, so die israelische Armee.
Laut dem US-Außenministerium habe Schukr „eine Schlüsselrolle bei den jüngsten Militäroperationen der Hisbollah in Syrien“ gespielt. Nach US-Angaben hatte er wohl auch 1983 eine zentrale Rolle bei einem Bombenanschlag in Beirut inne, bei dem mehr als 200 US-Marinesoldaten getötet wurden. Washington setzte 2017 ein Kopfgeld in Höhe von fünf Millionen Dollar (4,62 Millionen Euro) auf Schukr sowie auf einen weiteren Hisbollah-Kommandeur aus.
Libanons Regierungschef Mikati spricht von „Verletzung des Völkerrechts“
Libanons Regierungschef Mikati verurteilte den israelischen Luftangriff auf Beirut vom Dienstag als „kriminellen Akt“. Er stehe in einer „Reihe von aggressiven Operationen, bei denen Zivilisten in klarer und eindeutiger Verletzung des Völkerrechts getötet werden“, hieß es in einer Erklärung seines Büros.
Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Nasser Kanani, sprach von einer „bösartigen und kriminellen Aktion“. Das russische Außenministerium bezeichnete den israelischen Angriff laut staatlichen Nachrichtenagenturen als „groben Verstoß gegen das Völkerrecht“.
Ein beschädigtes Gebäude, das von einem israelischen Luftangriff getroffen wurde.
© Hussein Malla/dpa
Israel hatte nach Angriff auf Golanhöhen Vergeltung angekündigt
Nachdem am Samstag bei einem Raketenangriff in der drusischen Ortschaft Madschdal Schams auf den von Israel annektierten Golanhöhen mindestens zwölf Menschen getötet worden waren, hatte die israelische Regierung einen Vergeltungsschlag angekündigt. Sie macht die Hisbollah für den Angriff verantwortlich. Die Schiitenmiliz wies die Schuld von sich. Sie habe mit dem Angriff nichts zu tun, erklärte sie mehrmals.
Israels Verteidigungsminister Joav Galant erklärte auf der Online-Plattform X: „Die Hisbollah hat eine rote Linie überschritten.“ Die israelische Armee griff in der Nacht auf Dienstag Ziele im Libanon an, wobei laut deren Angaben ein Hisbollah-Kämpfer getötet wurde. Zudem seien „ein Waffenlager der Hisbollah, terroristische Infrastruktur, Militäreinrichtungen und einen Raketenwerfer im Südlibanon“ getroffen worden.
Am Dienstagnachmittag wurde dann bei einem Raketenangriff auf den Norden Israels nach Angaben von Rettungskräften ein 30-jähriger Zivilist im Kibbuz Hagoschrim durch Raketensplitter getötet. Israelischen Angaben zufolge erfolgte der Beschuss vom Libanon aus.
Nach Angriffe auf Hisbollah-Ziele im Libanon: Zivilist in Nordisrael getötet
Seit Beginn des Krieges zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen infolge deren beispiellosen Großangriffs auf Israel am 7. Oktober feuert die mit der Hamas verbündete Hisbollah nahezu täglich Raketen auf Israel ab. Israel reagiert darauf mit Gegenangriffen im Süden des Libanon. Auf beiden Seiten wurden zehntausende Menschen evakuiert.
Auf israelischer Seite wurden nach israelischen Angaben bislang 22 Soldaten und 25 Zivilisten getötet. Im Libanon wurden nach einer AFP-Zählung 531 Menschen getötet, die meisten von ihnen militante Kämpfer. Unter den Getöteten sind aber auch mehr als 100 Zivilisten.
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