Theater

Shakespeare-Durchqueerung am Deutschen Theater

Bastian Kraft inszeniert „As You Fucking Like It“ nach Shakespeares „Wie es euch gefällt“ in den Kammerspielen des DT

Doris Meierhenrich
Doris Meierhenrich
3 Min
Nicht nur die Geschlechterklischees, auch Video- und Bühnenwelt werden gemischt: Lisa Hrdina, Helmut Mooshammer, Caner Sunar, Regine Zimmermann (v. l.).

Nicht nur die Geschlechterklischees, auch Video- und Bühnenwelt werden gemischt: Lisa Hrdina, Helmut Mooshammer, Caner Sunar, Regine Zimmermann (v. l.).

© Arno Declair

Am hübschesten ist der weinbekränzte Dionysos-Kopf des alten Herzogs an diesem Abend. Seine versoffene Knollennase blüht rot im aufgedunsenen Gesicht, während blonde Locken die Äuglein umspielen. Ein umwerfend modellierter Rubens-Kopf, hinter dem man nie und nimmer Lisa Hrdina vermuten würde, die unter der Schminke steckt. Der Herzog hat so gut wie nichts zu sagen in Shakespeares Verstellungs- und Verwandlungskomödie „As You Like It“, aber als in den Ardenner Wald vertriebener Herrscher bildet er so etwas wie das verborgene Wahrheitszentrum gegen die offensichtliche Falschheit am Hof.

Ganz so einfach, wie es klingt, ist das aber natürlich auch nicht, denn die Wahrheit, die hier im Naturparadies nistet, verschlingt und entschlingt sich im Laufe der Handlung ungefähr so oft, wie der Ardenner Wald Bäume hat. Des Herzogs Gesicht taucht in Bastian Krafts farbenfroher Inszenierung in den Kammerspielen des DT so auch nur im Video auf, während sein lebendiger Körper in Gestalt der quirligen Hrdina vorn als rosa Jüngling auf der Bühne steht. Eine gespaltene, nein, eine sich im Exil eigentlich mindestens verdoppelnde Person ist er/sie, wie alle Figuren in diesem Stück, das seine Handlung daraus treibt, wie Identitäten sich ändern, in taktische Rollen schlüpfen oder aus Liebe andere werden.

Durchmixte Geschlechtszugehörigkeit

Die große Strippenzieherin in diesem Beziehungsspiel ist des Herzogs Tochter Rosalinde, die bald ebenfalls in den Wald flieht und sich dort als Mann ausgibt, der wiederum eine Frau spielt, die sie selbst ist, ohne es vorgeblich zu sein. Gleich zwei Liebhaber stellen ihr nach (mit der Gespielin Celia drei), die aber auch nie wirklich sie selbst sind, was das Ganze kompliziert macht, aber vor allem irisierend fluide alle Geschlechtszügehörigkeiten durchmixt.

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Der Regisseur Bastian Kraft hat in seiner queeren Durchforstung des Stücks gleich alle Figuren zu Rosalindes gemacht. Zumindest zur Hälfte, indem er die vier wunderbaren Schauspieler Regine Zimmermann, Lisa Hrdina, Caner Sunar und Helmut Mooshammer real nur als Rosalindes bzw. ihre Darsteller auftreten lässt, während all die anderen Figuren in perfekten Masken nur von vorproduzierten, aber live eingesprochenen Videos aus eingreifen. In seinem schrägen Reiz funktioniert das flott und amüsant, auch weil die beiden Maskenbildnerinnen beste Arbeit geleistet haben. Wobei sehr zu bedauern ist, dass der markante Helmut Mooshammer am Premierentag erkrankte. Kraft selbst ersetzte ihn wacker.

Heiter und raffiniert

Dass ihm das Regieführen aber noch besser liegt, zeigt dieser Abend zumindest in seiner raffinierten Umsetzung, die durch die vier männlich-weiblichen Rosalindes nicht nur ein paar Haken mehr Richtung Gendermix schlägt, sondern auch vier weitere historisch-fiktive Spielebenen einzieht.

Während Hrdina den elisabethanischen Jungen-Darsteller gibt, parodiert Caner Sunar die Hollywood-Diva Gwyneth Paltrow, die für ihre Shakespeare-Verballhornung „Shakespeare in Love“ 1999 den Oscar gewann. So mancher Kalauer zu viel drückt das Ganze gegen Ende damit zwar auch in sehr flache Gewässer und wirklich substanziell Neues steuert diese Durchkreuzung der ohnehin queeren Vorlage kaum bei. Aber ein spielerisch heiterer, technisch raffinierter Abend wird daraus, der Spaß macht.

„As You Fucking Like It“ wieder am 24., 25., 28. November in den Kammerspielen des Deutschen Theaters, Karten unter Tel. 28441225 oder deutschestheater.de

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