Am 25. Jahrestag der Anschläge vom 11. September hat die Erzbischöfin Sarah Mullally von Canterbury einen Geistlichen ausgezeichnet, der Osama bin Laden einst gepriesen hatte. Eine Woche später hat Mullally die Ehrung wieder zurückgezogen. Hafiz Muhammad Tahir Mehmood Ashrafi hatte den Hubert-Walter-Preis für Versöhnung und interreligiöse Zusammenarbeit am vergangenen Freitag im Londoner Lambeth Palace erhalten.
Die britische National Secular Society nannte die Verleihung an diesem Datum „obszön“. Sie warf der Kirche schwere Versäumnisse bei der Prüfung vor. Bei den Anschlägen am 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York City, ein Wahrzeichen der USA, waren fast 3000 Menschen getötet worden, darunter 67 Briten.
Grund für den Entzug der Ehrung sind Äußerungen Ashrafis aus dem Jahr 2007. Damals hatte er als Vorsitzender des Pakistan Ulema Council angekündigt, bin Laden den Ehrentitel „Saifullah“ („Schwert Gottes“) zu verleihen. Nach Angaben der BBC beschrieb er den Al-Kaida-Chef zudem als jemanden, der „für den Islam gegen Russen, Amerikaner und Briten gekämpft“ habe. Die Ankündigung war eine Reaktion auf den Ritterschlag für den Schriftsteller Salman Rushdie, gegen den in Pakistan damals Hunderte Menschen protestierten.
Lambeth Palace erklärte, frühere Äußerungen Ashrafis seien bekannt geworden und hätten zu einer Neubewertung geführt. Der Preis sei nun entzogen. Zugleich betonte der Palast, interreligiöser Dialog müsse auch über tiefe Gegensätze hinweg möglich bleiben. Ashrafi erklärte gegenüber der BBC, seine Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden. Den Vergleich zwischen Rushdie und bin Laden verteidigte er dennoch.
Einsatz im Fall Rimsha Masih
Ashrafi leitet den Pakistan Ulema Council, einen Zusammenschluss muslimischer Geistlicher, und koordiniert das National Paigham-e-Aman Committee. Laut der pakistanischen Nachrichtenagentur APP wurde er für seinen jahrzehntelangen Einsatz für religiöse Toleranz und gegen Extremismus geehrt. Bei der Verleihung hob die Kirche seine Rolle im Fall Rimsha Masih hervor. Das christliche Mädchen war 2012 in Islamabad nach den Blasphemiegesetzen angeklagt worden, weil es Seiten mit Koranversen verbrannt haben soll. Ashrafi forderte damals eine faire Untersuchung und Konsequenzen für die Ankläger, falls sich der Vorwurf als falsch erweisen sollte. Im November 2012 stellte ein Gericht das Verfahren ein, nachdem sich Hinweise verdichtet hatten, dass ein Imam dem Mädchen die Tat angehängt hatte.
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Zugleich tritt Ashrafi für den Erhalt der Blasphemiegesetze ein. Sie schützten Menschenleben, weil sie Selbstjustiz verhinderten, argumentiert er. Human Rights Watch widerspricht. Nach Einschätzung der Organisation verfestigen die Gesetze religiöse Diskriminierung und werden etwa bei Landstreitigkeiten gezielt gegen Arme und Angehörige von Minderheiten eingesetzt. Seit Ende der 1980er-Jahre wurden nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen schätzungsweise 2000 Menschen aufgrund der Gesetze angeklagt, überproportional viele Christen und Ahmadis. Todesurteile wurden bislang nicht vollstreckt. Mehrere Angeklagte und Kritiker der Gesetze wurden jedoch Opfer von Gewalt.
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