Nahost

Assad-Topberater: Putin hat gestürzten Präsidenten Syriens „ausgetrickst“

Assads früherer Medienchef spricht ausführlich in einem neuen Interview über die letzten Tage des gestürzten Präsidenten Syriens. Ließ ihn Putin im Stich?

Katerina Alexandridi
3 Min
Der russische Präsident Wladimir Putin (r.) und der gestürzte Präsident Syriens, Baschar al-Assad, im Dezember 2017 auf dem russischen Luftwaffenstützpunkt Hmeimim.

Der russische Präsident Wladimir Putin (r.) und der gestürzte Präsident Syriens, Baschar al-Assad, im Dezember 2017 auf dem russischen Luftwaffenstützpunkt Hmeimim.

© Pool Sputnik Kremlin

Der frühere Medienchef Syriens und Topberater von Baschar al-Assad sagte, dass der russische Präsident Wladimir Putin den gestürzten syrischen Machthaber „ausgetrickst“ habe. Kamel Sakr, ehemaliger Direktor des Medienbüros der syrischen Präsidentschaft, enthüllte in einem Interview mit einem Podcast des saudischen Senders Al-Arabiya Details über die letzten Tage im Präsidentenpalast vor dem Sturz des Assad-Regimes.

Nach Angaben Sakrs hätte Assad in der Woche vor seinem Sturz, als die Milizen unter der Führung der HTS auf Damaskus vorrückten, versucht, mit Putin Kontakt aufzunehmen. Seine Telefonanrufe blieben jedoch an drei aufeinanderfolgenden Tagen unbeantwortet. Ende November, etwas mehr als eine Woche vor der Einnahme von Damaskus durch die HTS, sei Assad zu Besuch bei Putin in Moskau gewesen.

Sakr: Iran war bereit, Assad zu helfen, aber aus Moskau kam keine Antwort

Sakr sagte, al-Assad habe ihm erzählt, er habe während seines Treffens mit Präsident Putin Russland um Hilfe gebeten, um dem Iran beim Transport von Militärausrüstung zur Stärkung der Verteidigung des Regimes gegen die Milizen zu helfen. „Baschar al-Assads Bitte an Putin war, dass er persönlich für den notwendigen sicheren Lufttransport und die Lieferung von Militärhilfe sorgt, die den Vormarsch der syrischen Opposition aufhält“, so Sakr. Al-Assad soll ihm erzählt haben, Putin habe „sofort seinen Stabschef kontaktiert“ und darum gebeten, dass Vorbereitungen getroffen werden, damit die Islamische Revolutionsgarde des Iran „alles Notwendige“ über den russischen Stützpunkt in Hmeimim transportieren kann.

Später teilte der Iran dem gestürzten Präsidenten jedoch mit, dass man weder eine Bestätigung noch „Signale erhalten habe, mit der Verlegung iranischer Flugzeuge zum Stützpunkt Hmeimim fortzufahren [oder] durch den irakischen Luftraum zu fliegen, um auf dem Stützpunkt zu landen“. Aus Moskau sei keine Antwort gekommen. Auf die Frage seines Ansprechpartners, ob Putin Assad „ausgetrickst“ habe, antwortete Sakr: „Es gibt keine andere Erklärung.“

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Sakr zum letzten Putin-Assad-Treffen: „Etwas stimmte nicht“

Bei dem letzten Treffen in Russland habe es Sakr zufolge weitere „Zeichen“ gegeben, dass „etwas nicht stimmte“. „Normalerweise wird bei solchen Treffen eine gemeinsame Presseerklärung herausgegeben“, sagte Sakr. Ein von ihm vorbereiteter Entwurf sei an die russische Seite geschickt worden. „Das war am Freitagabend … wir wurden gebeten, eine Stunde zu warten, dann noch eine Stunde“, behauptete er weiter. Der Kreml sagte dann, darüber werde am nächsten Morgen entschieden.

7.1.2020: Putin (r.) und Assad in der syrischen Hauptstadt Damaskus.

7.1.2020: Putin (r.) und Assad in der syrischen Hauptstadt Damaskus.

© Pool Sputnik Kremlin

„Am Samstagmorgen teilte mir Baschar al-Assad mit, dass der russische Präsident jemanden zu seiner Residenz im Four Seasons Hotel in Moskau geschickt habe, um ihm mitzuteilen, dass [Putin] den Besuch lieber nicht ankündigen wolle. Das kam vom russischen Präsidenten“, sagte Sakr. „Damit war die Angelegenheit erledigt.“

Kämpfer unter Führung der HTS hatten am 8. Dezember Damaskus erobert und die jahrzehntelange Herrschaft von Assad in Syrien beendet. Assad floh nach Russland. Unter seiner Herrschaft war 2011 ein Bürgerkrieg ausgebrochen, in dem hunderttausende Menschen starben, und durch den Millionen von Syrern in die Flucht getrieben wurden.

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