600 Euro, sonst bleibt der Kofferraum zu.
Vor dieser Rechnung stand am Abend des 13. August eine Touristenfamilie in Athen, nach einer Fahrt vom Flughafen Eleftherios Venizelos zu ihrem Hotel im Stadtzentrum. Gut 30 Kilometer, ein amtlich festgelegter Preis, eigentlich eine Routinestrecke.
Zwölf Tage später klickten für den Fahrer die Handschellen.
Taxi in Athen: 600 Euro für das eigene Gepäck
Der 38-Jährige soll den Familienmitgliedern nach Angaben der griechischen Polizei wiederholt mit Gewalt gedroht und sie so lange unter Druck gesetzt haben, bis sie zahlten. Erst danach hätten sie das Auto verlassen und ihre Koffer aus dem Kofferraum nehmen dürfen.
Die Familie fuhr noch am selben Abend zur Kriminalpolizei am Syntagma-Platz und erstattete Anzeige.
Die Beamten werteten digitale Daten aus und identifizierten den Fahrer. Ein Ermittlungsrichter erließ einen Haftbefehl, der Vorwurf lautet auf Raub – in Griechenland ein Verbrechenstatbestand.
Am frühen Morgen des 25. August wurde der Mann festgenommen und der Staatsanwaltschaft erster Instanz in Athen vorgeführt, wie die Athener Polizei mitteilte. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Zweite Anzeige: 800 Euro von einem weiteren Touristen
Bei diesem einen Fall bleibt es nicht. Gegen den 38-Jährigen liegt nach Polizeiangaben eine zweite Anzeige vor.
Ein weiterer Tourist wirft ihm vor, er habe versucht, ihn zu betrügen und ihm 800 Euro abzunehmen. Auch das wird geprüft, berichtet unter anderem das griechische Nachrichtenportal Iefimerida.
Taxipreis Flughafen Athen: 40 Euro sind der Festpreis
Auf der Strecke zwischen Flughafen und Innenstadt läuft kein Taxameter, sondern es gilt ein behördlich festgelegter Festpreis: 40 Euro tagsüber, 55 Euro zwischen Mitternacht und fünf Uhr morgens. Maut, Gepäck und Zuschläge sind eingerechnet.
600 Euro sind das Fünfzehnfache.
Wer die Metro nimmt, zahlt neun Euro. Die Linie 3 fährt vom Flughafen ohne Umsteigen bis Syntagma, mitten ins Zentrum, in rund 40 Minuten.
Kreta, Samos, Lavrio: Dutzende Festnahmen in diesem Sommer
Der Fall passt in eine Serie. Die griechische Polizei hat seit Juni in Urlaubsregionen rund ein Dutzend Fahrerinnen und Fahrer festgenommen.
Mitte Juni traf es drei Fahrer auf Kreta, wenige Tage später drei auf Samos, wo im Taxameter der doppelte Tarif eingestellt gewesen sein soll. Ein Athener Fahrer verlangte für die Flughafenstrecke 175 Euro.
In der Hafenstadt Lavrio südöstlich von Athen forderten drei Fahrer für die Fahrt zur Akropolis jeweils 200 Euro statt der üblichen 150. Ein vierter kassierte für 1,5 Kilometer zwölf Euro. Erlaubt gewesen wären vier.
Der Druck wächst mit den Besucherzahlen. Von Januar bis Mai 2026 kamen 8,57 Millionen ausländische Gäste nach Griechenland, fast 21 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Deutschland ist der größte Quellmarkt.
Athener Taxibranche fordert eigenes Fahrerregister
In der Branche sorgt der Fall für Ärger, auch weil der Fahrer nach Informationen des Fernsehsenders Mega schon früher aufgefallen sein soll.
Olga Petraki, Vorsitzende des Regionalen Taxirats von Attika, sagte dem Sender, der Staat sei nicht in der Lage zu kontrollieren, wer in diesen Beruf einsteige. Die Branche wolle die Fahrer künftig selbst prüfen, bevor sie ans Steuer dürfen.
Als Vorbild nannte sie Madrid. Dort liegen Ausbildung, Prüfung und Zulassung beim Verband, der ein Register führt und Lizenzen bei Verstößen sofort entziehen kann.
Taxi-Abzocke in Griechenland: Was Urlauber tun können
Quittung verlangen. Sie ist Pflicht und enthält das Kennzeichen, ohne das jede Beschwerde ins Leere läuft.
Taxameter im Blick behalten. Der teurere Nachttarif gilt erst ab Mitternacht bis fünf Uhr sowie außerhalb des Pflichtfahrgebiets. Kartenzahlung müssen griechische Taxis akzeptieren.
Beschweren geht bei der Polizei unter der 100, beim Tourismusministerium unter der Hotline 1572 oder per Mail an [email protected]. Bei Verdacht auf Steuerverstöße nimmt die Behörde AADE Hinweise unter [email protected] entgegen.
Wer die Diskussion ganz vermeiden will, bucht über Apps wie Freenow, Uber oder Taxiplon. Dort steht der Preis vor der Fahrt fest, Fahrer, Fahrzeug und Route sind dokumentiert.
Für die 600 Euro der Familie wären übrigens 15 legale Taxifahrten drin gewesen. Oder 66 Metrotickets.
„Die Enten machen uns wahnsinnig“: Reederei verbannt Quietscheenten vom Kreuzfahrtschiff
29 Grad, dann Hagel und 80 km/h: Heute ist der letzte Sommertag
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]