Mit dem kontrollierten Abriss des letzten Kühlturms des ehemaligen Atomkraftwerks Biblis ist ein weiteres Symbol der deutschen Atomära verschwunden. Der rund 80 Meter hohe Turm stürzte am Freitagmittag nach Angaben des Betreibers RWE um 12.43 Uhr planmäßig in sich zusammen. Zuvor waren gezielt Stützen entfernt und der Beton geschwächt worden, sodass der Kühlturm kontrolliert kollabierte.
Errichtet ab 1969 und ab 1975 in Betrieb, galt der Standort zu Hochzeiten als zweitgrößter Atomkomplex Deutschlands. Das Kraftwerk Biblis mit seinen zwei Reaktoren war eines der ersten Atomkraftwerke, die im Zuge des Atomausstiegs nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 abgeschaltet wurden.
Streit um Artenschutz für Schwalben
Der Abriss war zuletzt umstritten, weil sich im Kühlturm eine große Mehlschwalbenkolonie angesiedelt hatte. Naturschützer warnten vor dem Verlust von hunderten Brutplätzen.
RWE verweist darauf, dass alle artenschutzrechtlichen Auflagen erfüllt worden seien. Es seien acht Schwalbenhäuser mit Platz für mehrere hundert Tiere errichtet worden. Diese werden noch „für fünf Jahre von einem unabhängigen Artenschutzgutachter durch ein jährliches Monitoring begleitet.“
Zukunft des Geländes offen
Mit dem Abriss aller Kühltürme ist der Rückbau des Kraftwerks sichtbar vorangeschritten. Seit 2017 wird die Anlage schrittweise demontiert. Wie das Gelände künftig genutzt wird, ist noch offen. Fest steht jedoch, dass das Zwischenlager für radioaktive Abfälle am Standort weiter betrieben wird, bis ein Endlager zur Verfügung steht. Das wird nach jetziger Prognose noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen.
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