Atomenergie

Hochradioaktiver Atommüll: Japan prüft Hitachiomiya als möglichen Endlager-Standort

Der Bürgermeister zeigt sich aufgeschlossen, will aber erst nach Beratungen im Stadtrat entscheiden. Den zur Standortprüfung bereiten Kommunen winken hohe finanzielle Zuschüsse.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Das Kernkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa in Niigata: Betreiber Tepco nahm dort im Januar 2026 erstmals seit Fukushima wieder einen Reaktor in Betrieb.

Das Kernkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa in Niigata: Betreiber Tepco nahm dort im Januar 2026 erstmals seit Fukushima wieder einen Reaktor in Betrieb.

© Kyodo News/imago

Japans Regierung sucht einen Standort für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle aus den Atomkraftwerken des Landes. Jetzt rückt dabei die Stadt Hitachiomiya in der Präfektur Ibaraki rund 100 Kilometer nordöstlich von Tokio in den Fokus.

Wie die Stadtverwaltung in einer amtlichen Mitteilung des Bürgermeisters bekannt gab, überreichten ranghohe Vertreter des Wirtschaftsministeriums am Montag ein förmliches Ersuchen an Bürgermeister Sadayuki Suzuki.

Darin bittet das Ministerium um Zustimmung zu einer Vorprüfung, mit der die geologische Eignung des Gebiets anhand vorhandener Karten und von Fachliteratur untersucht werden soll.

Laut Mitteilung erklärte Bürgermeister Suzuki, er nehme das Ersuchen ernst und sehe darin einen Beitrag zur Lösung eines nationalen Problems. Laut der Zeitung The Japan Times sagte er, er stehe dem Antrag „sehr positiv“ gegenüber, wolle die endgültige Entscheidung aber erst nach Beratungen im Stadtrat treffen.

Fünfter Standort im Verfahren

Hitachiomiya wäre nach Angaben von The Japan Times der fünfte Ort in Japan, der in ein solches Auswahlverfahren einträte. Bisher laufen Prüfungen in den Gemeinden Suttsu und Kamoenai in Hokkaido, in Genkai in der Präfektur Saga sowie auf der Pazifikinsel Minamitorishima. Es ist zudem erst der zweite Fall, in dem die Regierung von sich aus auf eine Kommune zugeht, ohne dass diese sich zuvor selbst beworben hat.

Die Stadt war 2017 vom Wirtschaftsministerium als Gebiet mit geologisch günstigen Eigenschaften eingestuft worden, ohne Vulkane oder aktive geologische Bruchlinien in der Nähe.

Nach Angaben der Japan Times dauert die erste Prüfphase rund zwei Jahre. Für den Übergang in die weiteren Phasen mit vorbereitenden und detaillierten Untersuchungen ist die Zustimmung des Gouverneurs der Präfektur und der betroffenen Kommunen erforderlich. Das gesamte Auswahlverfahren ist auf etwa 20 Jahre angelegt.

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Seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 hat Japan einen Teil seiner Atomkraftwerke wieder ans Netz gebracht. Mitte August waren elf Reaktoren an acht Standorten in Betrieb, 22 weitere standen still.

Zugleich setzt die Regierung wieder stärker auf Kernenergie, während die Entsorgung ungelöst bleibt: Ende März lagerten 2530 Behälter mit verglastem hochradioaktivem Abfall in Rokkasho und Tokai. In Fukushima Daiichi dauert der Rückbau der sechs Reaktoren an, seit Juni wird auch Brennstoff aus dem Abklingbecken von Block 2 entfernt.

Geld lockt, Bevölkerung bleibt gespalten

Kommunen, die die erste Prüfphase akzeptieren, erhalten laut einem Bericht von TV Asahi staatliche Zuschüsse von bis zu zwei Milliarden Yen. Suzuki verwies gegenüber TV Asahi auf finanzielle Vorteile als zentralen Nutzen für die Stadt, die rund 35.000 Einwohner zählt und zu etwa 60 Prozent bewaldet ist. Anregungen für eine Prüfung als Endlagerstandort waren zuvor auch aus der örtlichen Wirtschaft gekommen.

In der Bevölkerung stößt das Vorhaben laut TV Asahi auf gemischte Reaktionen. Befragte Einwohner äußerten Sorgen vor Rufschäden und möglichen Langzeitfolgen, andere zeigten Verständnis für die schwierige Lage der Stadt. Wirtschaftsminister Ryosei Akazawa kündigte laut TBS News Dig an, die Regierung werde die Bevölkerung sorgfältig informieren.

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