Man kann die Repräsentanten der Telekom-Industrie verstehen: Erst zieht ihnen Bundesfinanzminister Hans Eichel 100 Milliarden Mark für UMTS-Lizenzen aus der Tasche. Dann stellt sich heraus, dass diese Lizenzen ihr Geld nicht Wert sind. Schließlich brechen aus diesem Grund die Börsenkurse von Telekom-Firmen ein - und nun das: Vertreter eben jener Regierung, die die Malaise der Branche auslöste, entfachen nun auch noch eine geschäftsschädigende Diskussion über gesundheitliche Risiken der Handy-Nutzung. Schlimmer kann es ohne Zweifel für die kriselnde Branche kaum kommen.Dennoch gilt ähnlich wie für die Medizin auch für die Mobilfunk-Industrie: Vorsorgen ist besser als Heilen. Der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz hat Recht, wenn er - wie in der "Berliner Zeitung" geschehen - eine stärkere Vorbeugung gegen mögliche Gesundheitsgefahren durch Handy-Elektrosmog fordert. Zwar weist die Branche zu Recht darauf hin, dass es keine wissenschaftlichen Belege für die Schädlichkeit elektromagnetischer Felder von Handys gibt. Aber erste vereinzelte Hinweise darauf gibt es eben doch - und die müssen schleunigst untersucht werden.Sich jetzt hinter angeblich ausreichenden Grenzwerten zu verschanzen, wie es viele Repräsentanten der Industrie derzeit tun, ist ein Risiko. Schließlich wird die Mobilfunkbranche dadurch kaum das Vertrauen verunsicherter Kunden zurück gewinnen - und dafür zudem vielleicht später mit Schadenersatzprozessen überzogen.Schon warnen einzelne Lobbyisten, Deutschland könne durch verschärfte Grenzwerte als Mobilfunk-Standort in Gefahr geraten. Doch wer so argumentiert, hat nicht begriffen, dass es in Sachen Handy-Elektrosmog längst nicht mehr um reine Wissenschaft geht, sondern auch um Politik und Psychologie. Einen ähnlich starken Bürgerprotest gegen eine Technologie wie jetzt in Sachen Mobilfunksendemasten gab es in der jüngeren deutschen Geschichte bislang nur gegen die Nutzung der Atomkraft. Die Parteien werden versuchen, daraus politisches Kapital zu schlagen. Verweigert sich die Industrie dem Dialog über ihre Handy-Technik, werden die Regeln eben ohne sie gemacht. So einfach ist das.
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