MARZAHN-HELLERSDORF. Im 30. Jahr seines Bestehens besinnt sich Marzahn-Hellersdorf auf seine Wurzeln. In dem Bezirk, der zum Großteil auf Ackerflächen der alten Dörfer Marzahn und Hellersdorf entstand, soll wieder Landbau betrieben werden. Nun allerdings ökologisch. Bis Mitte April können sich Interessenten melden."Urbane Landwirtschaft" nennt Stadtrat Norbert Lüdtke (Linke) das Vorhaben. Nicht nur, weil die Flächen, wo künftig Schafe, Ziegen oder sogar Kühe weiden sollen, in der Nähe der städtischen Wohngebiete liegen. Genutzt werden sollen auch Brachflächen, die durch den Abriss von Gebäuden entstanden. Mehr als 100 Hektar Freifläche gibt es inzwischen, weil wegen des drastischen Rückgangs der Bevölkerung seit Ende der 1990er-Jahre Schulen, Kitas und auch Wohngebäude weichen mussten. Etliche Gebiete wurden als "Neuland" ausgewiesen. Neue Nutzer sollten es billig pachten können, wenn sie kreative Ideen dafür entwickeln. "Die Nachfrage war aber bisher sehr gering", sagt Lüdtke.Deshalb hat nun das Natur- und Umweltamt ein Konzept für die ökologische Landwirtschaft erarbeitet. Für Teile naturnaher Grünanlagen und für Abrissflächen soll auf diese Weise eine verträgliche neue Nutzung geschaffen werden. Die Gebiete sollen zwar weiterhin der Erholung der Bewohner dienen, aber auch den Anforderungen des Naturschutzes gerecht werden. Diese städtische Landwirtschaft soll zudem durch Angebote wie Umweltbildung, Beschäftigung, Therapie und Integration ergänzt werden.Zunächst werden vier Flächen im Norden von Marzahn, insgesamt 16 Hektar groß, angeboten: im Seelgrabenpark beim Hellersdorfer Weg und im Eichepark zwischen Golliner Straße und Wuhletal-Wanderweg. "Dort ist beispielsweise eine Beweidung vorstellbar", sagt Lüdtke. Bereits jetzt gebe es Interessenten, die dort Rinder grasen lassen wollen. Die Flächen könnten aber auch an Leute vergeben werden, die Wiesen zur Mahd nutzen. Theoretisch wären auch Öko-Bauernhöfe in Marzahn-Hellersdorf denkbar, aber die meisten Brachflächen seien dafür wenig geeignet. "Viele sind zu wohnortnah", sagt der Stadtrat. Wenn jedoch jemand käme, der beispielsweise eine kleine Molkerei zu einer Ziegenweide errichten wolle, werde er nicht abgewiesen, "Wir würden natürlich prüfen, ob so etwas passt."------------------------------Foto: Theoretisch wären auch Öko-Bauernhöfe in Marzahn-Hellersdorf denkbar.
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